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Vorwort in Zeitschrift: Lehrerverband warnt Mädchen vor schnellem Sex mit Flüchtlingen

Das Vorwort einer Zeitschrift für Lehrer in Sachsen-Anhalt stellt manche Flüchtlinge als kriminell und  hormongesteuert dar. Dem Verantwortlichen für den Text schlägt Empörung entgegen - doch der versteht die Aufregung nicht.

Flüchtlinge in Freilassing

Eine Gefahr für junge Mädchen? Männliche Flüchtlinge in einer Sammel- und Verteilungsstelle in Freilassing (Bayern)

Schon die ersten beiden Worte machen klar, wohin die Reise geht. "Eine Immigranteninvasion", so beginnt das Editorial der Zeitschrift des Philologenverbandes Sachsen-Anhalt", "überschwappt Deutschland, die viele Bürger mit sehr gemischten Gefühlen sehen." Unterzeichnet haben das Editorial der Vorsitzende des Philologenverbandes Sachsen-Anhalt, Dr. Jürgen Mannke, und die Vize-Chefin Iris Seltmann-Kulke. Es folgt eine Aneinanderreihung von Klischees über Flüchtlinge. So sei es schwierig, Kriegsflüchtlinge von denen zu unterscheiden, "die aus rein wirtschaftlichen oder gar kriminellen Motiven in unser Land kommen", schreibt Mannke. Es sei nicht zu übersehen, dass "viele junge, kräftige, meist muslimische Männer als Asylbewerber die Bundesrepublik Deutschland auserkoren haben, weil sie hier ideale Aufnahmebedingungen vorfinden oder das zumindest glauben."

Mädchen vor den Flüchtlingen schützen

Nach einem Absatz über die demografischen Probleme, die Deutschland ohne Einwanderung bekommen wird, zeichnet das Editorial weiter ein Bild von Flüchtlingen: "Viele der Männer kommen ohne ihre Familie oder Frauen und sicher nicht immer mit den ehrlichsten Absichten. Legt man unsere ethischen und moralischen Vorstellungen an, werden die Frauen in muslimischen Ländern nicht gleichberechtigt angesehen und oft nicht gerade würdevoll behandelt."

Doch es geht den Autoren nicht darum, für die Emanzipation einzutreten. Stattdessen geht der Text weiter: "Es ist nur ganz natürlich, dass diese jungen, oft auch ungebildeten Männer auch ein Bedürfnis nach Sexualität haben. Vor dem Hintergrund ihrer Vorstellungen von der Rolle der Frau in ihren muslimischen Kulturen bleibt die Frage, wie sie, ohne mit den Normen unserer Gesellschaft in Konflikt zu geraten, ihre Sexualität ausleben oder Partnerschaften in Deutschland anstreben können." Nun kommt Mannke langsam auf den eigentlichen Punkt seines Editorials zu sprechen: "Mit einer undifferenzierten Willkommenskultur können wir diese Probleme nicht lösen und es gibt viele Frauen, die als Mütter heranwachsender Töchter die nahezu ungehemmten Einwanderungsströme mit sehr vielen Sorgen betrachten. Schon jetzt hört man aus vielen Orten in Gesprächen mit Bekannten, das es zu sexuellen Belästigungen im täglichen Leben, vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln und Supermärkten, kommt." Die Frage, die ihn eigentlich umtreibt, lautet: "Wie können wir unsere jungen Mädchen im Alter ab 12 Jahren so aufklären, dass sie sich nicht auf ein oberflächliches sexuelles Abenteuer mit sicher oft attraktiven muslimischen Männern einlassen?"

"Das grenzt an Hetze"

Flüchtlinge, die zu uns kommen, sind also zu viele, tendenziell kriminell, jung, kräftig, muslimisch, ungebildet, gut aussehend, triebgesteuert und eine Gefahr für deutsche Mädchen.

Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) sagte der "Mitteldeutschen Zeitung" (Samstag), der Verband würde "Gerüchte verstärken, Halbwahrheiten verbreiten und unsere Werte als Keule benutzen". Linken-Landeschefin Birke Bull erklärte: "Das grenzt an Hetze". Die Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Claudia Dalbert,  bemerkte: "Das ist inhaltlich auf einem unterirdischen Niveau, das bedient Vorurteile und den rechten Rand."

"Wir machen uns Sorgen"

Mannke dagegen kann die Aufregung nicht verstehen: "Ich bediene keine rassistischen Ressentiments", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung". "Wir machen uns Sorgen." Was in dem Artikel stehe, sei die Wahrheit. "Ich habe mir vor 1989 nicht den Mund verbieten lassen und tue das jetzt auch nicht", so Mannke.

tkr mit DPA

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