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Maler Leon Löwentraut: 17 Jahr, Shootingstar

Er ist jung, aber kein Idealist. Er geht zur Schule und verdient sein eigenes Geld - mit Kunst. Leon Löwentraut malt seit zehn Jahren großflächige bunte Ölbilder und arbeitet fleißig an seiner Popularität. Denn er will weltweit zu sehen sein.

Von Susanne Baller

Leon Löwentraut, 17, Schüler und Künstler

Leon Löwentraut, 17, Schüler und Künstler

Wenn Leon Löwentraut, dessen perfekter Künstlername übrigens echt ist, anfängt zu reden, klingt er wie ein ganz normaler Teenager. Gar nicht schüchtern beantwortet er bereitwillig die Fragen, selbst wenn sie ihm inzwischen schon x-mal gestellt worden sind. Seit wann er male - seit er sieben ist. Wer ihn inspiriert habe - seine Mutter. Was er mit seinen Bildern ausdrücken möchte - über Gefühle könne er nicht so gut reden, deshalb würden seine Bilder für ihn sprechen. Was ihn antreibt - den Betrachter glücklich und mit guter Laune reagieren zu sehen. Manches davon hat er zu Stefan Raab gesagt, in dessen Sendung "TV total" er im Januar 2015 zu Gast war, anderes in Interviews, die das Netz über ihn ausspuckt. 

"Künstler in Aktion"

"Künstler in Aktion"

Sein Ehrgeiz und seine Zielstrebigkeit haben ihn schon weiter gebracht als viele Erwachsene in der Kunstwelt. Bis zu 6000 Euro hat er bereits für ein Bild kassiert, hat er Stefan Raab erzählt, inzwischen möchte er über Geld nicht mehr reden. So begeistert wie er malt, managt sich der junge Mann auch selbst - und hat mittlerweile gelernt, dass man nicht alles von sich preisgeben muss. Dass seine nächste Ausstellung in Hamburg in der Galerie unserer stern-Stimme Michael Poliza stattfinden wird, haben wir zum Anlass genommen, ihm auch ein paar Fragen zu stellen.

Wie ist das, wenn du malst? Hast du eine feste Vorstellung im Kopf oder fängst du intuitiv an?
Das ist unterschiedlich. Manchmal fange ich einfach so an, dann kommt mir irgendwas in den Sinn, das male ich dann auf die Leinwand - oder versuche, es zu malen. Jedes Bild, das ich anfange, wird am Ende anders, als ich mir das eigentlich vorgestellt habe, auch wenn ich Skizzen mache. Ich male einfach frei heraus, so, wie ich das gerade fühle. Oder was ich sehe oder erlebt habe.

Wie teuer war dein teuerstes Bild?
Dazu sage ich leider nichts. Ich reduziere meine Bilder nicht auf die Preise, die Leute sollen meine Bilder sehen und sich daran erfreuen und Spaß an dem haben, was ich male. Diese hellen Farben und alles. Der Preis soll zweitrangig sein. Manche kommen zu mir und sagen: "Oh, das Bild finde ich so geil, wie viel kostet das?" Wenn ich sage soundsoviel, sagen sie: "Ne, das ist mir zu teuer, dann nehme ich lieber das da." Dann sage ich: "Dann kaufen Sie lieber gar keins, sonst sind Sie nachher Ihr Leben lang unglücklich mit dem Bild und da haben wir beide nichts von."

Könntest du nicht sagen: Okay, wenn du das so toll findest, gebe ich es dir billiger?
Ich bin ja kein Basar, wo man verhandeln kann! Das ist ja auch ein Geschäft.

Du bist sehr zielstrebig in puncto Geschäfte machen. Hast du mal überlegt, nicht Kunst, sondern BWL zu studieren?
Genau heute habe ich mir darüber Gedanken gemacht! Ganz ehrlich! Ich habe bisher alles, was ich erreicht habe, alleine auf die Beine gestellt. Meine Eltern haben mir natürlich viel geholfen, bei Transporten, wenn man einen Führerschein brauchte oder bei Sachen, für die man volljährig sein musste. Aber das andere, Presse, rumtelefonieren, Sachen organisieren. Selbst die Ausstellung in London: mit den Leuten reden und zwar so, dass das auch wirklich klappt. Viele Manager kommen zu mir und sagen: "Ich will dich managen und unter Vertrag nehmen", aber ich denke, wenn ich das alles alleine so hinbekomme, wie ich mir das vorstelle: Wofür brauche ich dann noch einen Manager?

Dir scheint das Organisieren genauso viel Spaß zu machen wie das Malen.
Auf jeden Fall! Ich mache gerne Termine und trage alles in meinen Kalender ein. Ich könnte niemals einfach nur zu Hause sitzen und mich langweilen. Ich finde Langeweile das Schlimmste, was es gibt auf der Welt. Dann bin ich lieber so gestresst, dass ich kurz vorm Burnout stehe.

Du hast dir zur Konfirmation deine erste Ausstellung gewünscht. Hast du einen Galeristen in der Familie?
Nein. Ich hatte damals schon ganz viele Bilder in meinem Zimmer stehen und habe meinem Großonkel, dem Onkel meines Vaters, gesagt, dass ich so gerne mal eine eigene Ausstellung hätte. Dann hat er mit einem Freund von sich gesprochen, der Galerist ist. Nach einigen Treffen hat der Galerist gesagt, gut, wir können eine Ausstellung machen. Das war in München, im Oktober 2013. Aber er hat auch klipp und klar gesagt, er hätte keine Ausstellung mit mir gemacht, wenn ihm die Bilder nicht gefallen hätten.

Wofür gibst du dein Geld aus, wenn du dir etwas gönnen möchtest? Hast du heimliche, peinliche Leidenschaften wie teure Kleidung?
Haha, nein! Ich kaufe keine teuren Klamotten, ich gehe meistens zu Zara und H&M. Die machen wirklich gute Sachen, haben gute Qualität bei Zara und die Sachen sehen wirklich schick aus. Da kannst du dich für 150 Euro von oben bis unten einkleiden und hast den ganzen Monat was zu tragen. Ich kaufe sehr gerne Klamotten, manchmal vielleicht auch ein bisschen zu viel.

Zuletzt hattest du eine Ausstellung in London, da bist du ganz in Weiß mit einem schwarzen Schlapphut aufgetreten. Willst du damit den Kunstbetrieb veräppeln oder feierst du dich selbst?
Mit dem Hut und so? Das war der heißeste Tag, der je in London gemessen wurde, 40 Grad im Schatten, da ist der Asphalt geschmolzen, das war unglaublich! Da hätte ich mir in Jeans einen abgeschwitzt. Ich trage sehr gerne Leinen, ich finde, das ist unheimlich angenehm auf der Haut. Und das Ganz-in-Weiß war so ein Symbol, was mit Frieden und ein Dankeschön, dass ich meine erste internationale Ausstellung in London habe, meiner absoluten Lieblingsstadt. Und den Hut hatte ich in Camden Town gesehen, eigentlich ist das ein Frauenhut. Ich ziehe einfach das an, worauf ich gerade Bock hab. Egal, was andere sagen.

Was ist deine Lieblingsband?
Cool and the Gang!

Ehrlich?
Ja, ich liebe sie! Ich höre zwar auch sehr gerne Clubmusik und DJs und so, aber früher, in den Achtzigern, wie die da abgegangen und in ihren blinkenden und glitzernden Smokings über die Bühne geturnt sind! Das war doch noch richtig cool. Heute stehen die alle hinter ihrem Pult, machen ein bisschen die Hände hoch und das ist dann Party.

Du hast ein Bild namens "Tribute" gemalt, das in der Ausstellung in Hamburg für Jugend gegen Aids verkauft wird. Was ist das für ein Bild?
Zwei Köpfe, die Brüste einer Frau und das Glied eines Mannes. Das soll darauf aufmerksam machen, dass man immer vorsichtig sein soll, was Verhütung angeht. Ich bin ja nicht der älteste Künstler und habe viele Freunde in meinem Alter, die durch mich jetzt viel mehr in Kontakt mit Kunst kommen, als wenn ich 40, 50 wäre. Gerade diese Generation spricht das ja auch an, dass man gerade in dem Alter aufpassen sollte. Es gibt ja auch viele Eltern, die da nicht mit ihren Kindern drüber reden. Und ich möchte zeigen, dass man auf jeden Fall darüber reden muss. 

"Tribute": Der Erlös für das Bild geht zu an die Initiative Initiative Jugend gegen Aids, es entstand im Rahmen eines Jugendkongresses. 250 Jugendliche trugen mit ihrer persönlichen Lieblingsfarbe zum Gesamtwerk bei, das Leon Löwentraut noch nachts vollendete.

"Tribute": Der Erlös für das Bild geht zu an die Initiative Initiative Jugend gegen Aids, es entstand im Rahmen eines Jugendkongresses. 250 Jugendliche trugen mit ihrer persönlichen Lieblingsfarbe zum Gesamtwerk bei, das Leon Löwentraut noch nachts vollendete.

Gibt es noch etwas, was du unbedingt sagen möchtest und noch keinem anderen erzählt hast?
Mein Traum ist es, irgendwann weltweit auszustellen. Dass auf der ganzen Welt Bilder von mir hängen.

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