HOME

Internationaler Vergleich: Nur jeder zehnte Viertklässler kann "sehr gut" lesen

Die Leseleistungen deutscher Viertklässler stagnieren im internationalen Vergleich. Nur etwa jeder zehnte Grundschüler kann besonders gut lesen, hat die Iglu-Studie 2016 in Berlin ergeben. In der Rangliste rutschte Deutschland damit ins untere Mittelfeld.

Studie: Viertklässler können nicht nicht gut lesen

Im internationalen Vergleich rutschen deutsche Viertklässler ins untere Mittelfeld, was die Leseleistung angeht (Symbolbild)

Im internationalen Vergleich stagnieren die Leseleistungen der deutschen Viertklässler. Nach wie vor zeigt nur etwa jeder zehnte Grundschüler in Deutschland am Ende der vierten Klasse besonders starke Leseleistungen, obwohl der Anteil gegenüber dem Jahr 2001 stieg, wie aus der am Dienstag in Berlin veröffentlichten internationalen Lesestudie Iglu 2016 hervorgeht. In der Rangliste rutschte Deutschland ins untere Mittelfeld.

Die internationalen Grundschulleseuntersuchung (Iglu) untersucht im Fünfjahresabstand das Leseverständnis der Schüler und Lesegewohnheiten. Im vergangenen Jahr nahmen insgesamt 47 Staaten teil. In wurden knapp 4300 Schüler einbezogen.

Am besten lesen Kinder in Russland, Singapur und Hongkong

Zeigten 2001 nur vier Länder signifikant höhere Mittelwerte bei den Leseleistungen als Deutschland, waren es 2016 bereits 20 Staaten. An der Spitze der Rangfolge stehen demnach , Singapur und Hongkong.

Die deutschen erreichten 2016 bei den Leseleistungen einen Mittelwert von 537 Punkten. Im Vergleich zur ersten Erhebung von 2001 (539 Punkte) gab es keine Verbesserungen, aber auch keine Verschlechterungen.

Die deutschen Grundschüler liegen damit über dem internationalen Mittelwert von 521 Punkten. Im EU- schneiden allerdings mehr als die Hälfte der Teilnehmer besser ab, darunter Länder wie Irland, Polen, Bulgarien und Italien.

Die Kluft geht auseinander

Der Anteil der besonders leistungsstarken Leser, die die höchste Kompetenzstufe V erreichen, stieg in Deutschland von 8,6 Prozent im Jahr 2001 auf 11,1 Prozent in 2016. Diese Schüler verfügen über Lesekompetenzen, die es ihnen beispielsweise ermöglichen, im Text enthaltene Informationen zu ordnen sowie Aussagen selbständig interpretierend und kombinierend zu begründen.

Zugleich erhöhte sich auch der Anteil der schwachen Leser. Im vergangenen Jahr erreichte knapp ein Fünftel (18,9 Prozent) nicht einmal die mittlere Kompetenzstufe III - nach 16,9 Prozent in 2001. Diese Kinder verfügen über ein nicht ausreichendes Leseniveau, so dass sie mit erheblichen Schwierigkeiten beim Lernen in höheren Klassen rechnen müssen.

Generell ist die Lesekompetenz der deutschen Grundschüler bei literarischen Texten höher als beim Lesen von Sachtexten. Der Leistungsvorsprung der Mädchen im Vergleich zu den Jungen beträgt elf Punkte und ist im internationalen Vergleich eher klein.

"Lesen ist der Schlüssel zum Bildungserfolg"

Bei der Lesekompetenz spielen auch soziale Faktoren eine Rolle. Gemessen an der Zahl der Bücher im Haushalt und dem Berufsstatus der Eltern gehört Deutschland zu den Staaten, in denen die sozialbedingten Leistungsunterschiede am höchsten ausfallen. So macht der Leistungsvorsprung von Kindern aus Familien mit mehr als hundert Büchern 54 Punkte aus – und damit etwas mehr als ein Lernjahr. Auch Kinder mit Mogrationshintergrund schneiden schlechter ab als die ohne.

"Lesen ist eine grundlegende Kulturtechnik und der Schlüssel zum Bildungserfolg", erklärte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Baden-Württembergs Ressortchefin Susanne Eisenmann (CDU). Das Lesen müsse in der Schule weiter gestärkt werden, aber auch im Elternhaus wieder einen höheren Stellenwert erhalten.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte deutlich mehr Geld für die Grundschulen und gezielte Leseförderprogramme. Zudem müssten die Ganztagsangebote ausgebaut werden. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, nannte es "peinlich", dass die Herkunft der Kinder maßgeblich über ihren Bildungserfolg entscheide.


dm/AFP

Wissenscommunity