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stern-Kinderstudie Warum Computerspiele viel besser sind als ihr Ruf


Viele Kinder spielen in ihrer Freizeit Computerspiele - beobachtet von skeptischen Eltern, die um das Seelenheil ihres Nachwuchses fürchten. Dabei können die Spiele auch einen guten Einfluss haben.

Angeblich machen sie aggressiv, regen zu Gewalt an und lassen unsere Kinder abstumpfen: Computerspiele haben alles andere als einen guten Ruf. Sie werden seit Jahren verteufelt und gerne als Erklärung herangezogen, wenn Jugendliche sich nicht so verhalten, wie ihre Eltern das gerne hätten. "Das kommt bestimmt vom ewigen Zocken." Doch Computerspiele können auch einen ganz anderen Effekt auf den Nachwuchs haben - und zwar einen guten.

Die vom Rheingold-Institut durchgeführte stern-Kinderstudie kam zu dem Ergebnis, dass Computerspiele Kindern ein Gefühl von Sicherheit geben können. Der Reiz bestehe für viele Kinder in den klaren Regeln, die in den Spielen herrschen. Anders als in ihrer realen Welt, die sie oft als labil und unberechenbar erleben, folgen die Spiele einer strikten Ordnung. "In der Eindeutigkeit von Freund und Feind verschwimmen die Grenzen nicht wie im realen Alltag, in dem man alle mögen sollte. Hier kann ich mich mit meinen Freunden im Team - auch mal politisch inkorrekt - gegen die Gegner richten", so die Experten vom Rheingold-Institut.

Die Spiele können die Kinder entlasten - dürfen aber natürlich nicht zu einer Ersatzwelt werden, in der sie drohen, zu verschwinden. "Gegen gelegentliches Spielen ist nichts einzuwenden, solange das Internet nicht zum Internat wird", sagt der Leiter des Rheingold-Instituts Stephan Grünewald.

Jungen spielen mehr

Auch der Medienpädagoge Roland Rosenstock vertritt die Meinung, dass Computerspiele Jugendlichen in ihrer Entwicklung helfen können. "Jugendkultur hat sich schon immer dadurch ausgezeichnet, dass es erwachsenenfreie Räume gibt, die für die Persönlichkeitsentwicklung von zentraler Bedeutung sind", sagte Rosenstock gegenüber der Nachrichtenagentur DPA. Mithilfe der Spiele könnten Kinder lernen, wie sie in einer größeren Gruppe zurechtkommen und sich an Regeln halten - das funktioniere durch Computerspiele genauso gut wie beim Fuß- und Handball.

Sieben von zehn Jugendlichen spielen laut der JIM-Studie 2014 regelmäßig an Konsolen, Handys oder dem PC. Jungen nutzen Computerspiele noch immer häufiger als Mädchen, nur 2 Prozent der Jungen spielen nie. Bei den Mädchen sind es 13 Prozent. Im Durchschnitt beschäftigen sich Jugendliche 77 Minuten am Tag mit Computerspielen (Handyspiele inklusive). Bei der Nutzungsdauer ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern noch größer: Jungen spielen durchschnittlich 105 Minuten am Tag, Mädchen nur 48 Minuten.

Einfach mal mitspielen

Die Gefahr, dass aus dem Spaß am Spiel Sucht wird oder die Hemmschwelle gegenüber Gewalt abgebaut wird, besteht laut Rosenstock bei etwa 3 bis 5 Prozent der Spieler. "Das sollte niemand verharmlosen. Wir sollten aber die Jugendlichen nicht kriminalisieren oder ihnen ein übersteigertes Gefährdungspotenzial zuweisen." Er rät Eltern dazu, sich einfach mal dazuzusetzen, mitzuspielen - und ein paar Vorurteile abzubauen.

Informationen zum Thema Computerspiel- und Internetsucht finden Sie bei der Drogenbeauftragten der Bundesregierung.

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