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Weltkindertag 2014 Was in Deutschland besser werden muss


Der Weltkindertag weist jedes Jahr auf die Rechte der Kinder auf der ganzen Welt hin. Es geht um Gewalt, Armut und Unterdrückung. Doch auch in Deutschland leiden Kinder - jeden Tag.
Von Viktoria Meinholz

Seitdem die Vereinten Nationen im Jahr 1954 das Kinderhilfswerk Unicef beauftragten, einen weltweiten Kindertag auszurichten, soll der Tag jedes Jahr aufs Neue auf die Rechte der Kleinsten aufmerksam machen. Wann die UN-Mitgliedsstaaten den Tag begehen wollen, steht ihnen frei, Deutschland hat sich für den 20. September entschieden. 2014 lautet das Motto "Jedes Kind hat Rechte". Zum 25. Geburtstag der UN-Kinderrechtskonvention stehen in diesem Jahr genau diese im Mittelpunkt.

Laut der Konvention haben alle Kinder ein Recht auf Überleben, persönliche Entwicklung, Schutz vor Ausbeutung und Gewalt sowie das Recht auf Beteiligung. Diese Rechte gelten in Ländern überall auf der Welt, doch nicht immer werden sie befolgt - auch bei uns in Deutschland nicht.

Artikel 27: Die Vertragsstaaten erkennen das Recht jedes Kindes auf einen seiner körperlichen, geistigen, seelischen, sittlichen und sozialen Entwicklung angemessenen Lebensstandard an.

Armut

In Deutschland verhungern Kinder nicht - wie in anderen Ländern der Welt -, doch selbst hier kommt das vor, auch wenn der Grund meistens nicht Armut ist. Arm ist in Europa, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens seines Heimatlandes zur Verfügung hat. Nach dieser Definition lebten in Deutschland 2012 18,9 Prozent aller Kinder an der Grenze zur Armut, jedes Zehnte wächst in relativer Armut auf.

Die Vereinten Nationen ermahnten die Bundesrepublik noch Anfang des Jahres, die Ursachen von Kinderarmut stärker zu bekämpfen und mehr Mittel bereitzustellen, um die Rechte benachteiligter Kinder zu verwirklichen.

Artikel 19: Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-, Sozial- und Bildungsmaßnahmen, um das Kind vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung [...]

Gewalt

Es sind erschreckende Zahlen: Knapp ein Viertel aller 6 bis 16-Jährigen wächst in Deutschland mit Gewalt auf - das sind fast drei Millionen Kinder. Besonders in ärmeren Familien werden Kinder oft oder manchmal geschlagen.

Immer wieder leiden Kinder unter der Gewalt Erwachsener. 2013 stellten deutsche Jugendämter für 17.000 Kinder und Jugendliche nach Hinweisen von außen eine akute Gefährdung des Kindeswohls fest. Bei weiteren 21.000 wurde eine latente Gefährdung erkannt.

Artikel 13: Das Kind hat das Recht auf freie Meinungsäußerung

Keine eigene Stimme

In dieser Woche veröffentlichten Unicef und GEOlino den Kinderwertemonitor. Die Befragung ergab, dass es 58 Prozent der Kinder ganz wichtig finden sagen zu dürfen, was sie denken. Doch weniger als die Hälfte wird von den Eltern ermutigt, ihre Meinung frei zu äußern. Und gerade einmal 20 Prozent haben das Gefühl, gegenüber Lehrern offen sprechen zu können.

Und ebenso in der Politik werden Kinder häufig nicht gehört. "16 Millionen junge Deutsche dürfen nicht wählen, unsere Interessen werden in der Politik nicht vertreten. Klimakrise und weltweite Gerechtigkeitskrise kommen gar nicht vor. Stattdessen kommt eine Rentenreform, die ganz stark gegen unsere Interessen ist", sagte Felix Finkbeiner der "Süddeutschen Zeitung". Der 16-Jährige gründete mit neun Jahren die Kampagne "Plant for the Planet" zur Rettung der Erdatmosphäre. Heute setzt er sich mit "Wir wollen wählen" für ein Wahlrecht ab der Geburt ein.

Artikel 2: Achtung der Kindesrechte, Diskriminierungsverbot

Ausgrenzung

"Die Vertragsstaaten achten die in diesem Übereinkommen festgelegten Rechte und gewährleisten sie jedem ihrer Hoheitsgewalt unterstehenden Kind ohne jede Diskriminierung unabhängig von der Rasse, der Hautfarbe, dem Geschlecht, der Sprache, der Religion, der politischen oder sonstigen Anschauung, der nationalen, ethnischen oder sozialen Herkunft, des Vermögens, einer Behinderung, der Geburt oder des sonstigen Status des Kindes, seiner Eltern oder seines Vormunds."

Auch dieser Artikel der Kinderrechtskonvention wird in Deutschland nicht immer beachtet. Nach Einschätzung der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe wächst in Deutschland gerade eine gespaltene Generation heran: Zwei Drittel der Kinder leben sorgenfrei in funktionierenden Familienbeziehungen, während ein knappes Drittel auf ein Leben auf dem Abstellgleis zusteuert. Und zwar durch Bildungsmangel, Arbeitslosigkeit und Geldsorgen der Eltern. Überproportional häufig betroffen: junge Migranten und Kinder von Alleinerziehenden. Der Großteil von ihnen schafft es nicht, diese schlechten Startbedingungen hinter sich zu lassen.

mit DPA

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