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Konsumflaute: Energiepreise verderben die Kauflaune

Die Stimmung der deutschen Verbraucher hat sich angesichts ständig steigender Energie- und Lebensmittelkosten im Juni weiter verschlechtert. Die Verbraucher beurteilten zum zweiten Mal in Folge ihre persönlichen Einkommensaussichten skeptischer als im Vormonat. Für die Konjunktur in Deutschland bedeutet das nichts Gutes.

Die rasch steigenden Preise für Lebensmittel und Energie haben die Kauflaune der Deutschen erneut gedrückt. Der GfK-Konsumklimaindex sank im Juni unerwartet deutlich von 4,7 auf 3,9 Punkte, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mitteilte. Die für die monatliche Umfrage befragten 2000 Verbraucher schätzten zum zweiten Mal in Folge sowohl die Aussichten für die Konjunktur als auch für ihr persönliches Einkommen schlechter ein.

Die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen ließ ebenfalls weiter nach. "Die wiederkehrenden Meldungen über neue Rekordwerte bei Benzin und Diesel verstärken die Furcht der Konsumenten vor dem Verlust ihrer Kaufkraft", sagte GfK-Forscher Rolf Bürkl. "Die Verbraucher gehen davon aus, dass sie künftig mehr für ihre Energiekosten aufwenden müssen", sagte Bürkl. "Diese Mittel stehen dann für andere Anschaffungen nicht mehr zur Verfügung."

Die GfK senkte wegen der hohen Inflation zum zweiten Mal in diesem Jahr ihre Prognose für das Wachstum des privaten Konsums. Sie wurde von 1,0 auf 0,5 Prozent halbiert. Zu Jahresbeginn hatten die Forscher noch ein Plus von rund 1,5 Prozent erwartet.

Die Einkommenserwartungen sind inzwischen so niedrig wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Die GfK führt dies auf die hartnäckig hohe Teuerung zurück, die sich bei drei Prozent hält. "Damit werden mögliche reale Einkommenszuwächse durch die guten Tarifabschlüsse in einigen Branchen größtenteils zunichte gemacht", sagte Bürkl. Auch die positiven Effekte durch die steigende Beschäftigung verlören "deutlich an Wirkung".

Die Konjunkturaussichten malen die Verbraucher nicht mehr so rosig wie noch vor wenigen Monaten. Die noch immer nicht ausgestandene Finanzkrise und die absehbare Abkühlung der Weltkonjunktur ließen die Deutschen ihren Optimismus verlieren. "Zudem dürfte sich die Exportdynamik aufgrund des anhaltend starken Euro abschwächen", sagte Bürkl.

Schlechte Nachrichten kommen unterdessen auch vom ifo Institut: Seiner Einschätzung nach muss sich die deutsche Wirtschaft auf ein Ende des Aufschwungs einstellen. Nach einem schwungvollen Jahresstart werde die Wachstumsdynamik zunehmend unter der Abkühlung der Weltkonjunktur und den hohen Energiepreisen leiden, so das Institut in seiner neuen Konjunkturprognose. In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt demnach um 2,4 Prozent zulegen, für das kommende Jahr seien nur noch 1,0 Prozent zu erwarten.

Wegen des steigenden Ölpreises, der einer der wesentlichen Gründe für die hohe Inflation ist, regt der Ökonom Gustav Horn indes Benzingutscheine für einkommensschwache Arbeitnehmer an. Darüber solle man unter Umständen nachdenken, um die Folgen der Ölpreissteigerung abzufedern, sagte der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der "Berliner Zeitung".

Eine niedrigere Mineralölsteuer würde laut Horn dagegen nicht weiterhelfen. Es sei zu bezweifeln, dass die Ölkonzerne niedrigere Steuern überhaupt an die Verbraucher weitergeben würden, sagte Horn.

Reuters/AP / AP / Reuters
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