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Bei Herrmanns dahoam Homeoffice? Ja, wie denn??

Eine Frau macht eine wütende Geste
Homeoffice? I glaub', es hackt!
© Juanmonino / Getty Images
Für den stern erzählt Claudia Herrmann mit einem ordentlichen Schuss Selbstironie, wie es bei ihnen "Dahoam in Bayern" derzeit so zugeht. An Tag zehn der Ausgangsbeschränkungen platzt ihr bei dem Wort "Homeoffice" der Kragen.

Ich glaub', ich kann das Wort "Homeoffice" nicht mehr hören. "Bist du im Homeoffice?" "Wie geht's im Homeoffice?" "Alle Arbeiteten ja jetzt im Homeoffice." "Ist dein Bruder auch schon im Homeoffice?" "Homeoffice ist ja echt schwierig!" "Ich bin übrigens auch im Homeoffice."

Claudia Herrmann mit Katze
Claudia Herrmann über sich: "Die Kinder sind aus dem Haus und ich bin vor der Menopause. Ich glaub, das ist die beste Zeit meines Lebens! Ich muss nur aufpassen, das ich jetzt nicht zur crazy cat lady mutiere."
© Privat

Ich nicht! Mein Mann auch nicht! Weil: Wir Handwerker sind. Wir sind Zahntechniker und stellen Brücken, Kronen und Prothesen her. Da gibt's kein Homeoffice. Der Betrieb ist einfach fast dicht. Ich hab' bei der Homeoffice-Diskussion manchmal den Eindruck, es gäbe gar keine Handwerker mehr! Es gibt doch auch Schreiner, Maurer, Bodenleger, Heizungsbauer, Nähereien, Fliesenleger, Spengler, Dachdecker, Gärtner und Metzger, Krankenschwestern, Verkäufer, Busfahrer und, und, und. Wäre also ganz nett, wenn wir das mal von einer anderen Seite beleuchten. Da gibt's koa Homeoffice!

Handwerker KÖNNEN nicht arbeiten, schon gar nicht im Homeoffice

Ich war heute beim Heizungsbauer. Der Flori. Wir bauen nämlich gerade. Der hat mir erklärt, dass er verschiedene Baustellen nicht mehr abarbeiten kann, weil er die notwendigen Teile nicht mehr geliefert bekommt. Was für ihn ein Riesenproblem darstellt. Er hat schließlich auch Angestellte. Deswegen ist er jetzt ziemlich viel daheim. "Kennst du eigentlich 'Breaking Bad'?", frägt er mich.

Gott, das ist ja wie eine Seuche, denke ich mir. Mein Mann war nämlich "Breaking Bad"-süchtig und hat alle Folgen in sieben Tagen durchgeschaut. "Da gibt's a Selbsthilfegruppe!", antworte ich also dem Heizungsbauer. "Für wos?"
Wir reden aneinander vorbei.

Mit Mundschutz zu Hunderten auf den Berg – na super!

Wir sind ja hier am Brauneck das Touri-Ausflugsziel für alle Münchner und Umgebung. Das ist zwar manchmal nervig, aber es ist okay. Aber vergangenes Wochenende! Der ganze Parkplatz am Brauneck voll! Die sind in Massen hierher gefahren. Man muss sich das mal vorstellen. Die gehen mit einem Mundschutz den Berg rauf. Auf den Berg! Mit Mundschutz! Sorry, aber das ist doch voll bescheuert.

Jetzt könnte man bezüglich der Massen natürlich sagen: "Ja, aber ist doch an der frischen Luft!" Das mag sein. Aber jeder, der schon mal eine vernünftige Bergtour gemacht hat, weiß, dass da die Wege meistens sehr eng sind. Das heißt: Wenn ich da raufgehe, kommen mir hunderte andere Bergsteiger auf engen Steigen entgegen. Auf 30 Zentimetern! Das ist das genaue Gegenteil von Social Distancing.

Dieses Wochenende wurden die ganzen Touris Gott sei Dank schon an der Autobahn-Ausfahrt kontrolliert und wieder heimgeschickt. Sorry, aber ein Hoch auf den Innenminister in Bayern, der das angeordnet hat. (Eigentlich kann ich den auch ned leiden). Aber das war wichtig. I versteh's ned! Wie viel Aufklärungsarbeit müssen die Medien noch leisten? Leid! Es geht ned nur um euch, sondern um die anderen!

Fitnesstrainerin Freya Greskowiak zeigt einen Tabata-Work-out für die Arme und Schultern im Video.

Unsere Alten können nicht mehr raus wegen der Touris

Letztes Wochenende habe ich mich über den Zaun mit meiner Nachbarin, der 82-jährigen Anastasia, unterhalten. Natürlich im ausreichenden Sicherheitsabstand.
"Servus, Stasi! Ois fit?"
"Wos?", ruft sie rüber. Die Stasi ist, wie gesagt, 82 Jahre alt. Nachteile in diesen Zeiten sind unter anderem, Gespräche über den Zaun mit der schwerhörigen Nachbarin, weil – die ganze Nachbarschaft das Gespräch mitbekommt!
"Servus, Stasi!", brülle ich also. "Geht's da guad?!"
"Jo freili!", antwortet sie positiv. Dann erzählt sie mir, dass sie zum Einkaufen wollte. Der Parkplatz des Supermarktes war heillos überfüllt, was sonst nie der Fall ist. Alle Parkplätze waren von Autos mit Kennzeichen München, Fürstenfeldbruck usw. besetzt. Der Supermarkt brechend voll, weil alle nach der Bergtour noch schnell hier bei uns einkaufen gehen. Weil's auf dem Heimweg liegt.

Meine Nachbarin hat sich nicht mehr in den Markt getraut. Sie ist vorgeschädigt. Sie ist über 80 Jahre alt.
"Ham di Deppen ga koa Hirn ned?!", ruft sie also laut über den Zaun. Menschen, die schlecht hören, denken ja immer, sie müssen auch besonders laut sprechen. Ich denk an unsere Nachbarn und mahne: "Jetzt, Stasi! So was solltest ned sagen!"
"Recht host!", antwortet sie erregt. "Denen Deppen ham's ins Hirn gschissn!"


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