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Tipps vom Experten Was ist die richtige Ernährung für alte Hunde?

Was ist die richtige Ernährung für alte Hunde?
Im Alter verändert sich einiges - auch bei Hunden. Um die Verdauung und Knochen der Senioren zu schonen, sollte die Ernährung angepasst werden.
© hoozone / iStock / Getty Images
Die Verdauung älterer Tiere ist anfälliger gegen Störungen: Ungewohntes Futter und geänderte Fresszeiten können Beschwerden bereiten. DOGS erklärt, was ältere Hunde brauchen, um fit zu bleiben.
Von Kate Kitchenham und Jesko Wilke

Der Spieltrieb lässt nach, die Bewegungen werden langsamer und über den Augen wachsen weiße Haare: Wenn Hunde alt werden, verändert sich der Körper drastisch. Auch der Verdauungstrakt gerät dann leichter aus dem Gleichgewicht und kann beim Hund Durchfall, Blähungen oder andere Erkrankungen auslösen. Damit auch alte Spürnasen ein gutes Hundeleben verbringen, sollten Besitzer auf die richtige Ernährung achten, sich informieren und die Stimmungen ihres Vierbeiners gut im Blick haben. Hier kommen einige Tipps, worauf es bei der Ernährung alter Hunde ankommt.

Kalorienarme Ernährung

Mit der Zeit passt sich der Stoffwechsel der geringeren Bewegung im Alter an. Fatal, denn dann wird aufgenommenes Futter nicht mehr in Muskulatur, sondern in Fett umgewandelt. Die Folge: Die Hunde neigen dann zu Übergewicht. Ein Seniorenmenü sollte deshalb weniger Kalorien enthalten. "Wenig sinnvoll ist es, einfach nur kleinere Portionen zu geben, denn dabei bleiben nicht nur Kalorien, sondern auch wertvolle Nährstoffe auf der Strecke", sagt Tierärztin Thekla Vennebusch.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Manche alten Herrschaften leiden unter dem gegenteiligen Problem: Sie werden im Alter dünner oder leiden unter Appetitmangel, weil Geruch und Geschmack nicht mehr funktionieren oder ihre Zähne schmerzen. Außerdem arbeitet der Darm nicht mehr so effektiv, viele ältere Hunde können weniger Nährstoffe aus dem Verdauungstrakt aufnehmen. Bei schlechten Fressern sollte man aus diesem Grund auf eine Reduktion der Kalorien verzichten.

Gourmetküche für alte Hunde

Qualitativ hochwertiges Eiweiß schmeckt nicht nur besser, es lässt sich vom Organismus auch optimal verwerten. Je älter der Hund, desto mehr sollte er zum Gourmet werden. Muskelfleisch, Herz, Ei, auch Quark oder Hüttenkäse sind leicht verdaulich. Hochwertiges Eiweiß wird schon im Zwölffingerdarm von den Verdauungsenzymen in Bestandteile zerlegt, mit denen der Körper arbeiten kann.

Schwerverdauliche Eiweiße sind zum Beispiel in Ackerbohnen oder in stark sehnen- und knorpelhaltigem Fleisch vorhanden. Dieses Futter ist schwer verdaulich und gelangt nahezu unverdaut in den Dickdarm. Anstelle der Verdauungssäfte spalten hier Bakterien den Nahrungsbrei auf. Problem: Als Endprodukte entstehen zum Teil giftige Stoffe wie Ammoniak, das durch die Dickdarmschleimhaut in den Körper gelangt und Leber und Nieren belastet. Die Folge: Es entstehen Blähungen, riechende Gase, häufig auch Durchfall.

Phosphor im Futter reduzieren

Wenn bei alten Hunden die Nierenfunktion nachlässt, wird auch Phosphor vermindert über die Nieren ausgeschieden, sodass es zu einem Phosphorüberschuss im Blut kommen kann. Die Mineralstoffe Phosphor und Kalzium sind aufs Engste miteinander verknüpft. Der Körper ist immer bemüht, diese Mineralstoffe in einem ausgewogenen Verhältnis zu belassen. Auf einen erhöhten Phosphorgehalt im Blut reagiert er deshalb mit dem Ausbau von Kalzium aus dem Skelett, die Knochen werden entmineralisiert und instabil.

Gleichzeitig lagert der Hundekörper Verbindungen aus Kalzium und Phosphor in Weichteilgewebe und Blutgefäßen ein, weil das Blut damit übersättigt ist. Arterienverkalkung, Durchblutungsstörungen und Nierenverkalkung sind die Folge, was die Nierenfunktion weiter verschlechtert. Mit hochwertigem Seniorenfutter wird dies berücksichtigt, es enthält moderate Mengen an Phosphor. Leidet der Hund bereits unter einer Schwäche der Nieren, sollte der Phosphor weiter reduziert werden. Es empfiehlt sich eine therapeutische Nierendiät. Sprechen Sie Ihren Tierarzt an.

Kulinarisches Anti-Aging-Programm

Hochwertige Futter für ältere Hunde enthalten fast alle L-Carnitin und Antioxidantien wie die Vitamine C und E. Diese Stoffe stärken die Immunabwehr und fangen die aggressiven freien Radikale ab, die von Alternsforschern als eine Ursache für den Alterungsprozess ausgemacht werden. Vitamin E kommt in Maiskeimöl oder Sonnenblumenöl vor. Auch mit anderen wasserlöslichen Vitaminen wie den B-Vitaminen sollte im Seniorenfutter nicht gespart werden. Da bei geriatrischen Hunden die Nieren oft durchlässiger für wasserlösliche Vitamine werden, sollten sie in doppelter Erwachsenendosis gegeben werden.

Vorsicht bei dem fettlöslichen Vitamin A: Hunde, die Leber lieben oder übermäßig Vitaminpaste oder Lebertran schlabbern, können sogar überversorgt werden. Vitamin A reichert sich im Lauf der Zeit im Fettgewebe an und kann auf lange Sicht die Leber belasten. Leidet der Senior unter trockenem Fell, Haarausfall, Juckreiz und vermehrten Hautinfektionen, kann die Zufuhr von essenziellen Fettsäuren, vor allem den Omega-3-Fettsäuren helfen. Diese sind in Leinöl und Fischöl enthalten.

"Großen Erfolg sehen wir beim Einsatz von Tiernahrung mit hohem Gehalt an Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl, besonders EPA, der Eicosapentaensäure, zur Unterstützung der Gelenke", sagt Dr. Britta Kiefer, auf Ernährung spezialisierte Tierärztin bei Hill's Pet Nutrition. Sie beeindrucken "die Aussagen von Hundebesitzern wie auch Ergebnisse von klinischen Untersuchungen, bei denen eine Reduktion der Schmerzmedikamente erreicht werden konnte." Neben diesem Ansatz werden schon lange Chondroitinsulfat und Glucosamin zum Beispiel aus Grünlippmuschelextrakten zur Gelenkunterstützung eingesetzt. Ist Ihr Hund wegen Arthrose in Behandlung, sprechen Sie mögliche Maßnahmen mit dem Tierarzt ab.

Gewicht regelmäßig kontrollieren

Wer sich weniger bewegt, muss Kalorien zählen, denn ein Überschuss an Energie wird vom Körper in Fettgewebe umgewandelt. Das sieht nicht nur unschön aus, zu viel Fett ist auch ungesund. Dicke Hunde haben ein höheres Risiko für Diabetes mellitus und für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Pfundskerle werden kurzatmig und leiden unter chronischen Schmerzen in den überlasteten Gelenken. Ihr Übergewicht beeinträchtigt auch die Funktion des Immunsystems. Es erhöht das Narkoserisiko bei eventuell notwendigen Operationen und das Risiko für Haut- und Tumorerkrankungen.

Wenn es mit der Verdauung nicht mehr klappt

Verstopfung

Weil Hundesenioren sich weniger bewegen, ihr Futter nicht mehr ordentlich kauen können und der Darm träge wird, kommt es zu Verstopfungen. Besonders Knochen werden von betagten Fellgenossen nicht mehr vertragen. Auch Prostatavergrößerungen können beim unkastrierten Hundeopa einen Stau im Darm verursachen. Bei langhaarigen Hunden kommt nicht selten eine Pseudoverstopfung vor. Dabei hat sich ein Stöpsel aus kotverklebten Haaren vor den After gesetzt, der das Geschäft verhindert. Bei Verklebungsgefahr: Haare kurz halten.


Blähungen

Ältere Hunde leiden häufig unter Blähungen, da sich das Bakteriengleichgewicht im Darm ändert, gasbildende Bakterien sind jetzt in der Überzahl. Eine Umstellung auf leicht verdauliches Futter kann das Raumklima verbessern. Generell ist die Verdauung im Alter nicht mehr so effizient, deshalb nehmen manche Hunde im Alter ab.


Die Leber

Dieses Organ ist auch bei Hunden im Gegensatz zu den Nieren sehr regenerationsfähig. Dennoch kommen bestimmte Lebererkrankungen bei ihnen eher im Alter vor. Bei Herzschwäche oder Niereninsuffizienz steigt der Blutdruck in der Leber und kann zu Schäden führen. Auch Hormonstörungen wie Diabetes mellitus oder das Cushing Syndrom können Leberprobleme nach sich ziehen. Hat der Methusalem einen geschwollenen Bauch, leidet er unter Magengeschwüren oder zentralnervösen Störungen, kann ein Leberschaden die Ursache sein. Lebertumoren sind oft Metastasen von Gesäuge- oder Milztumoren. Bei erhöhten Leberwerten im Blutbild sollten die Senioren frühzeitig eine therapeutische Leberdiät erhalten.

 Neuere Untersuchungen zeigen: Weißes Fettgewebe ist nicht nur lästig, es ist sogar hormonell aktiv. Von den Fettzellen werden Hormone ausgeschüttet, die in den Stoffwechsel eingreifen und unter Verdacht stehen, Gelenkentzündungen und Diabetes mellitus hervorzurufen. Wissenschaftlich belegt ist, dass Übergewicht die Lebenserwartung eines Hundes um etwa zwanzig Prozent verringert. Auch wenn es noch so schwerfällt, den treuen braunen Augen zu widerstehen: Leberwurstbrote sind tabu, Leckerlis für zwischendurch müssen von der Tagesmahlzeit abgezogen werden.

Kontrollieren Sie das Gewicht Ihres Begleiters regelmäßig auf der Waage, damit erst gar keine Rettungsringe um die Hüften entstehen. Besonders kastrierte Hündinnen neigen zur Gewichtszunahme. Frau glaubt es kaum, aber Östrogene haben eine hemmende Wirkung auf den Appetit. Fehlen diese, fressen die Hündinnen hemmungslos. Diätfutter zeichnet sich durch einen reduzierten Fettgehalt aus, da in einem Gramm Fett rund doppelt so viele Kalorien stecken wie in Kohlenhydraten oder Proteinen.

Schonkost

Ist die Verdauung des Hundes durcheinandergeraten, kann man ihm mit einer gut verdaulichen Schonkost aus Reis, Hühnerfleisch (beides gekocht) und Magerquark oder Hüttenkäse auf die Beine helfen. 


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