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Meinung

#FridaysforFuture: Von wegen Schule schwänzen – die Kids erledigen, was wir versäumt haben

1700 Kundgebungen in rund 100 Ländern: "Fridays for Future" wächst rasant. So schnell, dass manche Erwachsene nicht mehr mitkommen und sich über das Schuleschwänzen aufregen. Sie sollten mal genauer hinhören.

Video: Zehntausende protestieren in Deutschland für mehr Klimaschutz

Es ist noch gar nicht lange her, da wurde die Politikverdrossenheit von Jugendlichen beklagt. Früher, da habe man sich ja für seine Ziele noch eingesetzt, zum Beispiel gegen Kernkraft und die Startbahn West demonstriert, aber die Kids von heute?! Die interessieren sich doch nur für sich selbst. So oder ähnlich lautete die Kritik. Nun hat es eine 16-jährige Schwedin geschafft, mit ihrem Engagement für den Klimaschutz Tausende Schülerinnen und Schüler zu begeistern. Sie folgen ihrem Aufruf, dafür zu streiken, dass sich etwas ändert. Jeden Freitag, während der Schulzeit. Bei Kälte und Regen. Mit Plakaten und Parolen.

Luisa-Marie Neubauer

Luisa-Marie Neubauer, deutsche Klimaschutz-Aktivistin, spricht bei der "Friday for Future" Demonstration in Berlin

DPA

Und wie reagieren die Erwachsenen?

Natürlich nicht alle gleich. Aber gar nicht wenige behaupten, die Schüler wollten ja nur die Schule schwänzen. Was für ein Vorwurf an Teenager, die das Überleben der kommenden Generationen sichern wollen! Die gemerkt haben, dass sie ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen müssen. Weil die Erwachsenen es nicht hinkriegen. Wir ignorieren den Klimawandel und fliegen in den Urlaub. Wir tragen nichts dazu bei, die Eisberge vorm Abschmelzen zu bewahren. Sie aber haben einen Weg gefunden, sich Gehör zu verschaffen, der mehr Aufmerksamkeit erreicht als alle anderen Ideen und Aktionen zuvor.

Eine Generation vertritt ihr Recht darauf, auf einer bewohnbaren Erde zu leben

Was nützt es, Regenwürmer zu sezieren und den lateinischen Ablativ zu erkennen, wenn die Erde den Bach runtergeht? Während die Schulämter mancher Landkreise ihre Schulleiter auffordern, dem Druck der Jugend nicht nachzugeben und das unentschuldigte Fehlen zu dokumentieren, pfeifen die Schüler auf den Hinweis, der in ihrem Zeugnis stehen wird.

Allmählich begreifen auch viele Eltern, dass ihr eben noch unpolitisches Kind ein Ziel gefunden hat, das sein Engagement wert ist. Ebenso haben auch viele Lehrer erkannt, dass es ihren Schülern nicht darum geht, ihren Unterricht zu boykottieren. Hier ist etwas Großes im Gange, das Greta Thunberg auf die Beine gestellt und mit ihrer konsequenten Haltung durchgesetzt hat. Ihrem Vorbild schließen sich inzwischen auch einige Erwachsene an, um gemeinsam mit ihren Kindern für deren Zukunft zu demonstrieren. Und einige Lehrer begleiten ihre Schüler – einen besseren Politikunterricht könnte es wohl kaum geben.

Es gibt immer noch genug Menschen, die den Schülern ihre Kompetenz absprechen. Oder solche, die darauf beharren, dass in Deutschland nun mal die Schulpflicht gelte. Aber diese Kritiker muss es wohl geben, damit in den sozialen Medien schön was los ist. Ihnen sei gesagt, dass sich ihre Einstellung vielleicht ändern würde, wenn sie selbst freitags mal rausgingen und Kontakt zu den Teenagern aufnähmen. Unter denen gibt es nämlich echte Profis. In Berlin waren es heute 25.000 Stück.

Video: Lindner kritisiert, dass "Schuleschwänzen" heiliggesprochen wird

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