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LEIPZIG: Bloß nicht stillstehen

Der Chor »Jabulani« begeistert mit afrikanischen Liedern

Der Chor »Jabulani« begeistert mit afrikanischen Liedern

Glühweinduft, bunte Stände und eisige Temperaturen: Auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt geht es auch in diesem Jahr idyllisch zu. Über allem schwebt der Klang von altbekannten Weihnachtsliedern wie »Stille Nacht, heilige Nacht« oder auch das immer wiederkehrende »Last Christmas« von »Wham«. Doch inmitten dieser besinnlichen Stimmung, ertönen auch andere Klänge: Afrikanische Lieder schallen über den Markt. Der Studentenchor des Instituts für Afrikanistik hat - trotz Kälte - sichtlich Spaß an seinem Auftritt. Die Chormitglieder tanzen zu ihren Liedern - stillstehen gilt nicht.

Auch bei den Weihnachtsmarktbesuchern findet die für unsere Breitengrade so untypische Weihnachtsmusik Gefallen: Nach anfänglichen skeptischen Blicken bleiben viele stehen, hören zu oder wippen mit.

Das richtige Lebensgefühl

»Gerade in den afrikanischen Liedern kommt das Lebensgefühl so richtig heraus«, meint Tino Schubert (26), Chormitglied und Student der Afrikanistik. Auch der Leiter des 22-köpfigen Chores, Samuel Vogel von Frommannshausen-Schubart (21), ist von der afrikanischen Musik begeistert: »Das ist lebendige und fröhliche Musik, man bewegt sich dazu und steht nicht nur steif da.«

Während seines Zivildienstes in Tansania hatte er bereits in einem »richtigen« afrikanischen Chor gesungen. Etwas, dass er nach seiner Rückkehr nach Deutschland nicht einfach wieder sein lassen wollte. Im Dezember 2000 wurde der Chor mit dem Namen »Jabulani« - was soviel heißt wie »Freut Euch!« - ins Leben gerufen.

Ganz neu ist die Idee von einem institutseigenen Chor der Afrikanistik allerdings nicht: Zuvor hatte es bereits den Chor »Kwaya ya Shangwe« gegeben, der sich aber aufgrund der Auslandsaufenthalte vieler Mitglieder auflöste. Und auch zur Zeit der DDR habe es schon einmal einen Chor gegeben, weiß Samuel zu berichten.

Traditionelle Kleidung

Neben dem Gesang unterscheidet sich der Chor »Jabulani« auch deutlich von anderen Chören: Bunte Kangas als Kopfbedeckung und Wickelröcke für die Frauen gehören bei den Auftritten ebenso dazu wie die langen Gewänder, sogenannte Tobe, der Männer.

Die Kleidung der Männer kommt größtenteils aus dem Fundus von Tino Schubert. Schon mehrfach sei er in Kamerun gewesen und vergangenen Sommer auch in Nigeria. Dort habe er die Sachen geschenkt bekommen. Ungefähr 15 Kleidungsstücke haben sich mit der Zeit angesammelt, die er dem Chor bei seinen Auftritten zur Verfügung stellt.

Lieder aus ganz Afrika

Bereits letztes Jahr trat der gerade gegründete Chor auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt auf, danach folgten noch zahlreiche weitere Auftritte bei Institutsfeiern, beim Internationalen Studententag oder auch bei anderen Gelegenheiten. Die Lieder, die hierbei gesungen werden, kommen aus den unterschiedlichsten Gegenden Afrikas. Lieder der Zulu und der Xhosa aus Südafrika werden ebenso gesungen, wie Songs aus Togo, Ghana und Tansania.

Probleme mit der Sprache gibt es allerdings selten. »Dadurch, dass man es singt, prägt sich die Melodie ein«, sagt Samuel. »Vorher denkt man immer, das merk ich mir nie. Und nach zweimal singen, trällert man das Lied schon automatisch«, berichtet er über das Singen in einer fremden Sprache.

Die Freude am Singen steht beim Chor ganz klar im Vordergrund. Doch ohne Proben kommen die Mitglieder von »Jabulani« nicht aus. Einmal pro Woche wird zwei bis drei Stunden lang geprobt. »Wir sind ja keine professionellen Sänger, da dauert es ein bisschen länger, bis es klappt«, meint Tino. Den Ton genau richtig zu treffen ist also keinesfalls eine Bedingung für die Aufnahme in den Chor. »Spaß am Singen haben und auch richtig mitmachen«, sind für Samuel die wichtigsten Dinge, die ein neues Chormitglied mitbringen muss. (sw)

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