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LEIPZIG: Das trockene Nass

Oder wie junge KünstlerInnen Wasser an die Wand werfen

Oder wie junge KünstlerInnen Wasser an die Wand werfen

In der Eingangshalle ist das Wasser trocken (eine Installation von Andrea Heilmann). Also keine Fußwaschungen zum Einstieg in die Ausstellung zum Wasser. Wir dürfen trockenen und schmutzigen Fußes die Stufen hoch zur Galerie Treppenwerk nehmen: im Treppenhaus des Geschwister Scholl-Hauses, der Heimat der KunstpädagogInnen.

Auch weiter aufwärts sind weder Adiletten noch Duschhauben vonnöten. Denn der Künstler abstrahiert und bannt ins Viereck, was sonst nur davon fließen würde. Außerdem heißt die Ausstellung auch gar nicht »Wasser«, sondern »Wasserzeichen: «Verdrängen und zusammenpressen der nassen Papiermasse». Nicht alle StudentInnen haben allerdings verdrängt und zusammengepresst. Vielfach wurde auch gezeichnet, gepinselt, der Auslöser gedrückt, geklebt oder installiert. Dass viele Linolschnitte dabei sind, bei denen tatsächlich Farbe auf Papier gepresst wird, ist wohl eher Zufall.

»Bildende Kunst muss nicht punktuell sein. Sie kann auch fließen«

Warum nun eigentlich Wasser? Flüssig, farblos, unformbar - auf Papier hinterlässt es nichts als Wellen. Auf den ersten Blick nicht gerade das ideale Modell für die bildende Kunst.

Anlass ist die Zusammenarbeit mit den Leipziger Wasserwerken. Renate Herfuth, die Dozentin, die sich um die Galerie kümmert, hat die Verbindung hergestellt. In diesem Semester ließ sie alle ihre Klassen zum Thema arbeiten. Ältere Semester und StudentInnen anderer Dozenten brachten selbstständig Wasser-Werke ein.

Außerdem ist ein kniffliges Thema auch eine Chance zum Experimentieren. Oder, um Theorien über den Haufen zu werfen: »Wasser ist ein Element das fließt, aber Kunst ist punktuell. «Warum eigentlich?», fragt sich Daniela Mädel. «Auch bildende Kunst kann fließen» findet Daniela. Man muss nur die Dimension Zeit hinzugeben. Also hat sie nicht einen, sondern fünfzig Linolschnitte von einem Fisch gemacht, und alle sehen ein kleines bisschen anders aus. «Fünfzig Einzelstücke guckt sich keiner an, also hab ich sie animiert.» Vier Sekunden lang fließt das Werk über den Bildschirm: Ein Fisch kommt mit der Flut und bei Ebbe verschwindet er wieder. «Das fand ich cool, also hab ich einen Film draus gemacht.»

Die »GrÄtchen-Tragödie«. »Zarte Beziehung zwischen einem Mann und einem Fisch, die nicht zueinander kommen können. Ihre Welten sind eben zu verschieden«, deutet Daniela grinsend ihr Werk. Der Titel ist dann auch nach einigen Glas Wein entstanden. Hart erarbeitet, denn am Ende waren es 600 Schnitte, die sie durch die Kniehebelpresse gewalzt hat. »Das war dann wohl etwas zu viel für die alte Dame, denn mit ?Grätchen' hat auch die Kniehebelpresse ihr tragisches Ende gefunden.« (iw)

Die Ausstellung ist noch bis zum 14.März in der Galerie Treppenwerk im Geschwister Scholl-Haus, Ritterstraße 8 - 10 in Leipzig zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 9.00 bis 17.00 Uhr, ab 18. Februar von 9.00 bis 13.00 Uhr - an der Tür klingeln!

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