leipzig Ein offenes Ohr und helfende Tipps für Studentennöte


Kay-Uwe Solisch arbeitet als Diplom-Psychologe für das Studentenwerk Leipzig

Kay-Uwe Solisch arbeitet als Diplom-Psychologe für das Studentenwerk Leipzig

Bücher, überall stapeln sich Bücher. Auf dem Schreibtisch ist kaum noch Platz, und wo sich kein schlaues Werk breit gemacht hat, da versperrt ein wilder Wust von Zetteln die Sicht. Der Abgabetermin für die Hausarbeit rückt unaufhaltsam näher, doch irgendwie lässt sich kein vernünftiger Gedanke mehr sammeln. Im Kopf dröhnen Informationsfetzen durcheinander. Ach, wenn doch nicht noch so viele andere Referate und Seminararbeiten anstehen würden! Welcher Student kennt sie nicht, die Panik, dass einem einfach alles über den Kopf wächst. Ein beklemmendes Gefühl der absoluten Verplantheit. Wer gar keinen Ausweg mehr zu finden scheint, der ist genau richtig bei Kay-Uwe Solisch (Foto). Einfach mal den Stress von der Seele reden: bei Solisch finden Leipziger Stundenten ein offenes Ohr für ihre Ängste und Sorgen, denn der sympathische Mann mit dem Schnäuzer ist Diplom-Psychologe.

Seit sieben Jahren bietet er im Auftrag des Studentenwerkes Leipzig den Studenten eine Anlaufstelle für ihre Probleme. Manchmal fehlt einfach ein neutraler Ansprechpartner, und ab und zu haben die Studenten ganz einfach Angst, belächelt zu werden, wenn sie anfangen von ihren Sorgen zu erzählen. Da tut es gut, zu wissen, dass der Hochschulpsychologe ein noch nicht involviertes Ohr zu bieten hat. Für Kay-Uwe Solisch ist es wichtig, dass seine Beratungsgespräche nichts mit einer Therapie zu tun haben: »Auf eine Therapie müssten die meisten ein halbes Jahr warten. Bei mir genügt eine telefonische Vereinbarung. Ich hoffe, dass ich durch ein Gespräch Unterstützung bieten kann. Die hilfesuchenden Studenten sind keine Patienten.« Nur weil jemand psychologische Hilfe in Anspruch nehme, benötige er noch lange keine Therapie.

Manchmal besuchen natürlich auch Studenten mit schwerwiegenden psychischen Krankheiten wie Magersucht und manischen Depressionen das kleine Beratungszimmer an der Philip-Rosenthal-Straße: »Wenn ich aber eine schwere psychische Störung feststelle, dann gebe ich meistens den Rat, sich an eine psychologische Praxis zu wenden. Dort kann dann eine Therapie durchgeführt werden.« In den meisten anderen Fällen wie Prüfungsangst oder Ärger mit den Eltern tut schon das Gespräch mit einem unabhängigen Partner so richtig gut. »Ich bin aber nicht die Lösung. Es wäre schön, wenn ich einen Anschub geben kann, die Probleme in die Hand zu nehmen«, hofft Solisch. Wer schon richtig lange über einer Frage grübele, schmore oft schon so sehr im eigenen Saft, dass der Blick für den richtigen Weg versperrt sei. »Zum Schluss muss sowieso jeder seinen eigenen Weg finden«, rät der Leipziger Psychologe.

Den Weg ins Beratungszimmer finden seit 1995 immer mehr Leipziger Studenten, und in den vergangenen Jahren etwas mehr weibliche Besucherinnen als Besucher. Die Hemmschwelle, zu einem Beratungsgespräch zu gehen, habe sich anscheinend verkleinert: »Das liegt wohl an den ganzen Fernsehsendungen. Ich würde mir trotzdem seriösere Sendungen wünschen, bei denen auf diese Esotherikschiene verzichtet wird.« Prüfungsangst ist für Solisch nur die Spitze eines Eisberges aus tiefer gehenden Problemen. Einige Studenten nutzen die Angst vor der Abschlussarbeit als Angelhaken, um einen guten Einstieg ins Gespräch zu finden: »Manchmal sind es dann eigentlich die Eltern, die sich in die Studienbedingungen gar nicht mehr hineinversetzen können. Oder es gibt Probleme mit dem Freund. Die Palette an Fragen und Sorgen ist riesig. Die Studienzeit ist überhäuft mit Fragen der Sinnsuche.«

Für Studenten, die nicht wissen, ob ihr Studiengang der richtige ist, oder ob sie sich doch dem Willen ihrer Eltern beugen sollen, hat der Psychologe den Rat: »Wenn man genau weiß, was man will, dann kann man es auch schaffen. Jeder sollte immer zu seinen Wünschen stehen, auch wenn es gegen die Normen und Werte der Gesellschaft sein sollte.« Die Angst, an der Uni als ein kleines Rädchen unter vielen unterzugehen, sieht Solisch als unbegründet an: »Dieses Anonymgequatsche ist doch Blödsinn. Die Uni ist immer nur so anonym, wie ich es selber zulasse.« Und was könnte nun helfen, wenn der Weg zurück an die Bücher einfach unüberwindbar lang erscheint? »Am allerbesten wäre es, sich selber einen Tritt in den Arsch zu geben. Das stärkt das Selbstbewusstsein und gibt Motivation. Bei Problemfällen wie der Diplomarbeit wäre es sinnvoll, den großen Berg an Arbeit in viele kleine Berge aufzuteilen.« Kay-Uwe Solisch würde sich wünschen, wenn schon Schüler ein Seminar über Zeitmanagement belegen müssten: »Ein sinnvoller Arbeitsplan ist ein toller Anfang für effektives Arbeiten. Und zwischendurch hilft es auch, sich etwas Gutes zu tun.«

In Leipzig gibt es neben Kay-Uwe Solisch noch Beratungsstellen der evangelischen und katholischen Studentengemeinde sowie das Café Kaktus. Kay-Uwe Solisch ist über das Studentenwerk Leipzig unter 0341 / 96595 zu erreichen. Seine Beratungsgespräche sind für Leipziger Studenten übrigens kostenlos. Neben der studentischen Beratung bietet Solisch auch Personaltraining und weiterführende Beratungen an. Informationen gibt es unter: www.hms-einzelcoaching.de oder Kay-Uwe.Solisch@t-online.de. (sh)


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