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LEIPZIG: Ein Universalgenie und seine Stadt

Eine Ausstellung würdigt das Werk Gustav Theodor Fechners

Eine Ausstellung würdigt das Werk Gustav Theodor Fechners

»Es ist lange her, es werden nun ungefähr sechs Jahr sein, das Erstemal, das ich wieder in meinem Beruf als akademischer Lehrer auftrete, und fraglich, ob das, womit ich jetzt beginne, wirklich mein Beruf zu nennen ist.« Mit diesen Worten leitete Gustav Theodor Fechner den Wiederbeginn seiner Vorlesung an der Leipziger Uni im Juni 1846 ein.

Heute, mehr als 200 Jahre später, können Studenten wieder diese Worte vernehmen. Nicht vom Gelehrten selbst, sondern im Rahmen einer Ausstellung anlässlich Fechners 200.Todestages.

In der Galerie im Hörsaalgebäude in Leipzig hängen unzählige Bilder und Schautafeln. Bilder des alten Leipzigs und Gemälde mit Zeitzeugen der Fechner-Ära. Sie alle erzählen die Geschichte Fechner und Leipzig. Oder von Leipzig und Fechner? Eine Trennung ist hier schwer möglich, prägte der gebürtige Niederlausitzer doch das Gesicht der Messestadt nachhaltig. Seit 1817 lebte und arbeite er in der Stadt und führte Tagebuch. In diesen teilweise noch erhaltenen Aufzeichnungen finden sich wichtige zeitgenössische Persönlichkeiten wieder. So beschreibt Fechner zum Beispiel Erlebnisse mit der Familie Mendelsohn oder den Schumanns. Somit entstanden nicht nur wissenschaftliche sondern auch historische Abhandlungen über das Leipzig im 19. Jahrhundert.

Seiner Zeit weit voraus

Und eben solche Schriftstücke hauchen der Ausstellung Leben ein. Neben Dankschreiben an die Stadt Leipzig - zum Beispiel anlässlich seiner Ernennung zum Ehrenbürger 1884 - hinterließ Fechner auch zahlreiche Briefe an verschiedene Gelehrte und kritische Anmerkungen zum Dresdner Kunstleben. Unter dem Synonym »Dr. Mises« schrieb er wissenschaftliche Abhandlungen.

Insgesamt umfassen seine Werke fast alle naturwissenschaftlichen Bereiche wie Medizin, Physik, Chemie, Pharmazie, Astronomie, Botanik. Hinzu kommen noch Schriften über Religion, Ästhetik und Psychologie. Das Experimentierzimmmer in seiner Wohnung in der ehemaligen Blumengasse gilt als die »Wiege der Psychophysik und experimentellen Ästhetik«. Fechner wird oft als Universalgelehrter beschrieben, ein Genie, welches seiner Zeit weit voraus war. Viele seiner Theorien sind sogar heutzutage noch kaum verstanden.

Seit 1990 kümmert sich die »Gustav-Theodor-Fechner-Gesellschaft« um das Werk des berühmten Wissenschaftlers. Neben dem Erhalt und der Verwaltung seines Vermächtnisses sollen auch die Orte seines Wirkens erhalten werden, wie eben jenes Haus in der Blumengasse (heute: Scherlstrasse 2).

So wurde nun in diesem Jahr die Ausstellung zu Ehren Fechners organisiert. Eigentlich sollte die Ausstellung mit dem 30. November 2001 schließen, doch man entschloss sich, sie um mindestens ein bis zwei Wochen zu verlängern.

Leider nehmen die Leipziger Studenten kaum Notiz von der Ausstellung. Und so bleibt das Universalgenie auch 200 Jahre nach seinen Tod für viele nur ein Name aus der Verlesung über die Geschichte der Psychologie. (jo)

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