Mäuse, Käfer, Kakerlaken Mietminderung bei Ungeziefer


Mäuse, Kakerlaken und anderes Ungeziefer in der Wohnung sind nicht nur eklig - sie sind vor allem auch ein ernsthafter Wohnungsmangel. Und der berechtigt den Mieter, die Miete zu mindern.

Beim Ungezieferbefall einer Wohnung geht die aktuelle Rechtssprechung von einer zehnprozentigen Reduzierung der Miete aus, darauf weist der Deutsche Mieterbund (DMB) hin. Dabei ist der Vermieter verpflichtet, den Mangel abzustellen. Das ist auch der Fall, wenn im Mietvertrag eine Klausel enthalten ist, wonach der Mieter seine Wohnung auf eigene Kosten ungezieferfrei halten muss. So eine Klausel ist unzulässig, urteilte schon vor Jahren das Amtsgericht Bonn (AZ: 6 C 277/84).

Mieterpflicht: Sauberkeit

Der Vermieter ist allerdings erst dann in der Pflicht, wenn der Schädlingsbefall eine bestimmte Intensität erreicht. Um einzelne Kakerlaken, Silberfische oder Ameisen in der Wohnung muss sich der Mieter schon selbst kümmern. Er ist verpflichtet, seine Wohnung sauber zu halten, damit sich Ungeziefer erst gar nicht verbreiten kann.

Hat er trotzdem Fliegen, Motten, Käfer oder andere Tierchen in seinen vier Wänden, sollte er umgehend versuchen, sie loszuwerden. Dazu gibt es diverse mechanische und chemische Mittel. Experten raten, es zunächst mit mechanischen Hilfsmitteln zu versuchen, wie Fliegengitter oder Insektenfallen. Insekten lassen sich auch fernhalten, wenn alle Hohlräume und Ritzen nach außen fest verschlossen werden. Lebensmittel sollten nicht offen stehen gelassen werden, damit die lästigen Gäste erst gar nicht angelockt werden.

Bei Plage, Vermieter rufen

Hilft das alles nicht und nimmt der Schädlingsbefall das Ausmaß einer Plage an, bleibt nur, den Vermieter zu informieren. Der ist dafür zuständig, dass das Problem gelöst wird, egal wer es verursacht hat. Allerdings müssen die Mittel dabei angemessen und das Wohl der Bewohner gewahrt sein.

Eine Vermieterin wurde zur Zahlung von Schmerzengeld an ihre Mieter verurteilt, weil der Hausmeister eine aggressive Chemikalie in deren Wohnung versprüht hatte. Die durfte in Wohnungen gar nicht verwendet werden. Die Bewohner litten monatelang unter Atembeschwerden, Übelkeit und Herzbeklemmungen. Das Amtsgericht Köln wertete diese Art von Schädlingsbekämpfung als Körperverletzung (AZ: 207 C 09/93).

Bei Gesundheitsgefährdung fristlose Kündigung

Die meisten Insekten und Nager, die in Wohnungen eindringen, sind zwar lästig, aber harmlos. Sie richten keinen Schaden an. Aber es gibt auch Motten und Käfer, die Polstermöbel, Teppiche und Kleidung zerstören. Wer den Holzbohrkäfer im Haus hat, muss sogar befürchten, dass dieser den Dachstuhl beschädigt oder gar völlig zerstört. Deshalb ist in jedem Fall schnelles Handeln angesagt, wenn sich Ungeziefer in der Wohnung zeigt.

Liegt eine erhebliche Gesundheitsgefährdung vor, haben Mieter das Recht, ihre Wohnung fristlos zu kündigen. Das kann zum Beispiel bei einer lang andauernden Mäuseplage der Fall sein, urteilten sowohl das Amtsgericht der Stadt Brandenburg (AZ: 32 C 520/00) als auch das Amtsgericht Berlin-Tiergarten (AZ: 6 C 177/96). Wer nicht ausziehen will, darf in solch schweren Fällen zumindest die Miete auf Null kürzen.

Reiner Fischer/DDP DDP

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