muenchen Wohnungssuche »Münchner Art«

Männlich, ledig, jung sucht ...

Männlich, ledig, jung sucht ...

»Ja, ich bin Student, aber meine Eltern würden für die Miete bürgen ... KLICK ... Hallo?«

Wenn man etwas nicht hat, hat man es nicht nicht.

Es ist ja da. Nur nicht da, wo man selber gerade ist.

Es existiert in seiner eigenen Wirklichkeit.

Für uns unsichtbar.

Makler führen uns in diese andere Wirklichkeit.

In eine Wirklichkeit, in der Rost als Wandbemalung gilt und Schimmelflächen als Parkettfußboden.

Das Problem ist also nicht, die Wohnung zu finden, sondern den Makler.

Man findet ihn hinter dubiosen Anzeigen in seriösen Tageszeitungen. Mit Abkürzungen wie: »ZKB --- Prov 2 ¿ MM ---- ab sof. ---«, da läuft er herum.

Gefunden habe ich ihn aber erst, als man mir gesagt hat, dass man in München die Zeitungen von morgen einfach schon am Vortag kaufen muss.

Ich habe bis heute nicht genau verstanden, wie das gehen soll, glaube aber inzwischen, dass die Zeitungen durch ein temporäres Dimensionsloch fallen.

Sicher bin ich mir nicht. Ich weiß nur, dass sie pünktlich um 19 Uhr am Marienplatz landen.

Meistens auf einem Herrn aus Pakistan.

Der hat sich seinen Kopf gepolstert, damit er die Dinger dann noch bei vollem Bewusstsein verkaufen kann.

Soweit hab ich's begriffen.

Den Rest des Wohnungssuchrituals hab ich mir dann wieder von anderen Leuten abgeschaut:

Man muss die Zeitung aufschlagen, allerlei Telefonnummern mit einem lustigen Stift ausmalen und sich dann um rosa Telefone prügeln - wenn man kein Handy hat.

Ich hatte keins. Wozu auch?

Wenn man irgendwo angerufen hat, war entweder die Wohnung schon weg, die Dame an der andern Leitung schon ganz feucht ... oder der Makler konnte nicht sprechen.

Letzteres war der Normalfall:

Makler:

»Besichtigung? Ja. Schon. Äähh ... ich sag ihnen dann Bescheid.

Ääh ... Was? Wie die Wohnung geschnitten ist? Das weiß doch ich nicht.

Ähh, ich hab gedacht sie wollen sie sich anschauen ... Ja mei, die ist halt ...

Also, dem einen gefällt sie, der andere schreit Juchhe ... das ist Geschmacksache ...»

Wow. Hab ich mir gedacht: Auch Inkompetenz hat Berufschancen. Zumindest in München.

Nie werde ich die Maklerin Frau Musterfrau vergessen.

Diese Baroness von Münchhausen führte mich durch eine ... Abstellkammer. Wenn Brechreiz ein Zuhause hätte, dies wäre sein Erstwohnsitz.

Und dann sagte sie tatsächlich folgenden Satz: »Ach, da draußen: ein Eichhörnchen ...!«

Sie hat versucht mir die Natur schmackhaft zu machen.

Die Natur, die ich aufgrund der vergammelten Fenster nur teilweise bewundern konnte.

Von schräg unten.

Außerdem war es ein Ratte ...

Liebe Frau Mustermann!

Frauen, bei denen ich bereit wäre 1000 Mark dafür zu zahlen, dass ich mit in ihre Wohnung kommen darf, um von ihnen erniedrigt zu werden:

Verkaufen keine Wohnung!

Wo ich jetzt wohne?

In einem 2-Zimmer-Appartement, 53 m², Südlage mit Balkon. Für 439 DM warm!

In Augsburg.(cw)


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