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MÜNSTER: Die AIESEC zwischen sozialem Engagement und Firmennähe

Nachdem die Studentenorganisation AIESEC in die Kritik geraten ist, versucht das Lokalkomitee Münster zwischen Lehrstuhl und Firmensitz zu vermitteln. Eine Messe soll die Wogen glätten.

Nachdem die größte internationale Studentenorganisation AIESEC in den letzten Wochen in die Kritik geraten ist, versucht das Lokalkomitee Münster zwischen Lehrstuhl und Firmensitz zu vermitteln. Eine Messe soll die Wogen glätten.

Die Vorbereitungen AIESECs für das 50-jährige Bestehen werden überschattet von der Kritik an der Studentenorganisation. Die Unternehmen werfen der AIESEC vor, sie werde ihrer Funktion als Brücke zwischen Lehre und Wirtschaft nicht gerecht. Die Studenten würden zu viel Pressearbeit für sich selbst betreiben.

Die Wirtschaft sieht sich zunehmend als eine Art Mäzen, nicht als Partner, der von seinem Engagement mit AIESEC profitiere. Auf der jüngsten deutschlandweiten Zusammenkunft der AIESEC ging es zwischen den Studenten und den Kuratoren heiß her. Die AIESEC Münster übt sich nun in Wiedergutmachung, eine von ihr organisierte Firmenkontaktmesse soll helfen, die Beziehung zu den Unternehmen zu verbessern.

Engagement für alle

Hauptgrund für die Verstimmungen waren die verschiedenen Vorstellungen über die Funktion der AIESEC. Die Firmen erhofften sich von der AIESEC in erster Linie die Vermittlung von Wirtschaftswissenschaftler für ihre Unternehmen. Doch die Organisation will für Studenten aller Studienrichtungen offen sein: Sozialarbeiter in Malaysia genauso wie für den Unternehmensberater in Neu Delhi – es sollten für alle Berufsgruppen Praktika organisiert werden. Einige Lokalkomittees in Deutschland beschlossen deshalb, die Firmenkontaktmessen abzuschaffen, weil durch diese lediglich deutsche Studenten an deutsche Unternehmen vermittelt werden. Diese Entscheidung sorgte bei den Wirtschaftspartnern für Verdruss.

Soziale Aspekte oder Firmennähe? Die AIESEC Münster entschied sich mit der Messe für die Firmennähe. ck

Hintergrund: Völkerverständigung als Grundidee

Der Zweite Weltkrieg ist erst drei Jahre zu Ende, da gründen in Frankreich Studenten aus sieben europäischen Ländern eine neue Studentenorganisation. Heute ist die »Association Internationale des Etudiants en Sciences Economiques et Commerciales« die weltweit größte internationale Studentenvereinigung. Ihr Ziel ist die Völkerverständigung. Mit der Vermittlung von Auslandspraktika an Studenten verschiedener Länder sollen Vorurteile abgebaut und Aufgeschlossenheit für kulturelle Unterschiede erzeugt werden, bei den Studenten wie in den Chefetagen der Firmen. Bereits vier Jahre nach der Gründung, 1952, wird Deutschland offizielles Mitglied und setzt sich direkt mit 89 von 418 Plätzen an die Spitze des Praktikantenaustauschs. Direkt im darauffolgenden Jahr entsteht das erste Lokalkomitee in Münster. In der Politik und der Wirtschaft kommt das Konzept Aisesecs und das deutsche Engagement sehr gut an. Mittlerweile engagieren sich über 50.000 Studenten in mehr als 80 Ländern ehrenamtlich bei AIESEC.

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