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MÜNSTER: Digitales Wonderland

Nichts für labile Studentengemüter

Nichts für labile Studentengemüter

Es gibt an jeder Universität zahlreiche Möglichkeiten, soziale Kontakte zu pflegen. Mensen, Vorlesungen und Studentenpartys, wer will bleibt nicht allein bleibt. Zumindest solange man sich nicht in die frei zugänglichen Computerräume begibt: Orte gemeinschaftlicher Einsamkeit.

Digitaler Untergrund

Auch in Münster findet man an nahezu jedem Institut einen Computerräume. In der Regel versteckt in irgendwelchen dunklen Ecken, im Keller oder in alten Nischen.

Mein Lieblinsraum befindet sich in einem Institut direkt zwischen Toilette und Kellermensa. Und genau so riecht es dort. In der Regel ist der Raum total überfüllt und viel zu kalt oder viel zu warm. Oder er ist menschenleer. Findet man keinen Platz, brodelt es im Kopf, warum man nicht viel früher gekommen ist. Ist der Raum leer, ist es nicht besser: Kommt jemand vorbei, nimmt er garantiert den Platz direkt neben dir. Man ist ja nicht zum Sprechen und Unterhalten, sondern höchstens zum Chatten gekommen. Und da will man von keinem Menschen gestört werden.

Digitale Gemütlichkeit

Selbst wer nur zwei mal pro Semester im Computerraum sitzt, trifft immer die gleichen Leute: Ein bis zwei bemitleidenswerte Alt-Studenten, die immer hektischen Mitarbeiter und mindestens einen, der noch nie da war. Letzter outet sich durch seine Versuche, ohne Passwort in das System zu gelangen. Obwohl diesem die Verzweiflung im Gesicht steht und er durch heftigeres Tastenanschlagen versucht, den elenden Rechner doch noch zu überlisten, wird ihm nicht geholfen. Man tut so, als wenn man die Fehlermeldung auf seinen Monitor, der nach DIN-Norm nur 8,7 Zentimeter vom eigenen entfernt steht, nicht sehen würde. U-Bahn-Fahrer-Mentalität: Blickkontakt unerwünscht, auch wenn nach sechs Minuten erst 11 Prozent des Downloads abgeschlossen sind und man sich fürchterlich langweilt.

Digitale Lebenshilfe

Wie man sich statt dessen zu verhalten hat, haben die netten Mitarbeiter des Computerraumes auf riesige Transparente geschrieben. Die kahlen Wände sind verziert mit Viren-Warnungen, Computer-Comics und Hinweisen zur Benutzung. Das größte Schild aber ist: »Broschüren und Aushänge bitte lesen.« Na bitte. Um Studentenklischees über die Zeit zu retten, hat man sich dort übrigens auch was besonders Nettes ausgedacht: Seit Jahren wird man von einem fröhlichen Button begrüßt, der »Frohe Semesterferien!« wünscht. Und es passt immer. Nur ein Schild fehlt: »Nicht sprechen, böse gucken.« Da klappt auch so. (mk)

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