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MÜNSTER: Kommunikative Erfolgsaussicht

Institut für Kommunikationswissenschaften erhält zwei Stiftungsprofessuren

Institut für Kommunikationswissenschaften erhält zwei Stiftungsprofessuren

Als Kommunikationswissenschaftler steht man nicht selten ratlosen Gesichtern gegenüber. »Was genau studierst du?« Früher war es einfacher. Da hieß das Fach noch Zeitungswissenschaft, und wenn es gar nichts mehr half, sagte man eben Journalismus. Doch die Zeiten ändern sich. Der Weg von der Zeitung und der Zeitschrift »führte« die Kommunikationswissenschaftler auf ihrem Streifzug durch die Massenmedien höchstens ins Internet. Und wenn die Bereiche Public Relations und Werbung thematisiert wurden, dann nur am Rande. Zumindest in Münster soll das jetzt anders werden.

Brückenschlag zur Praxis

Das Institut für Kommunikationswissenschaft (IfK) bekommt zwei Professuren gestiftet: Eine zum Thema Werbekommunikation, die andere für den Bereich Public Relations. Schon im Sommersemester 2003 soll der Lehrbetrieb aufgenommen werden. Die Einrichtung der beiden Professuren ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Den derzeitigen gerade einmal fünf Stellen werden so zwei weitere angegliedert, die einen in Deutschland einzigartigen Schwerpunkt auf die beiden Bereiche legen werden.

Werbekommunikation als Professur ist bisher unbekannt - Münster macht vor, wie es funktionieren soll. Gesponsert werden die mit jeweils 100.000 Euro pro Jahr dotierten C3-Professuren auf der einen Seite von dem Gesamtverband der Kommunikationsagenturen, auf der anderen Seiten von den Agenturen BBDO und JvM, dem PR-Guru Klaus Kocks und der Deutschen Post. Aber als wandelnde Litfasssäulen werden die Professoren demnächst wohl nicht herum laufen.

Konsequenzen für die Studierenden

»Die Förderung durch die Wirtschaft ist unproblematisch«, betont Siegfried J. Schmidt, Geschäftsführender Direktor am IfK. Die Neutralität der Wissenschaft und Lehre sei weiterhin gewährleistet. Die Sponsoren selbst hätten nur beratende Funktionen bei der Besetzung der Stelle und könnten nicht direkt eingreifen. Darüber hinaus sei die Finanzierung lediglich auf fünf Jahre angesetzt, danach würden die Professuren als Planstellen in der normalen Betrieb übernommen. Schmidt selbst war es, der vor drei Jahren beim Rektorat ein Gesamtentwicklungskonzept vorgelegt hat, in dem auch dieses Projekt verankert war.

Weitere Vorhaben für das IfK: die Einrichtung eines englischsprachigen Curriculums, Vermarktung der Lehre über das Internet und Etablierung von Master- und Bachelor-Abschlüssen. Den Studenten kommen diese Entwicklungen natürlich zu Gute. Bessere Anbindung an die Praxis, dazu die Vielfalt der Lehre und deutlich mehr Plätze im Lehrbetrieb werden schon bald die Folge sein. Eine Entwicklung, die hin zur PR und Werbung und weg von der traditionellen Journalistik führt.

PR statt Journalismus?

Das sieht Schmidt nicht ganz so. Man müsse den Veränderungen der Kommunikationslandschaft Rechnung tragen. In der modernen Mediengesellschaft seien PR und Werbung eben immer wichtiger. Trotzdem: »Ich denke nicht, dass der Bereich Journalistik geringeres Interesse auf sich zieht.« Die Situation im Lehrbetrieb spricht eher dagegen. Während PR-Projekte wie die aktuellen »Junior Agencies« rasanten Zulauf finden, sind die Seminare im Bereich Journalistik deutlich geringer besucht. Möglicherweise auch eine Folge des Weggangs von Miriam Meckel und Siegfried Weischenberg - sie waren die Aushängeschilder des Instituts in diesem Bereich. Mit den beiden neuen Stiftungsprofessuren bekommt das Institut ein gänzlich neues Gesicht. »Sie sind eine sinnvolle Strategie im Rahmen einer Universitätslandschaft, die von der Landesregierung immer unzureichender alimentiert wird«, so Schmidt. Bleibt zu hoffen, dass das Interesse der Wirtschaftsunternehmen an der Zusammenarbeit von Dauer sein wird. (mk)

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