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NEBENJOB: Ferien: Zeit zum Jobben

In Deutschland sind derzeit wieder Tausende von Schülern und Studenten auf Ferienjob-Suche. Im Gegensatz zum »echten« Arbeitsmarkt gibt es bei den Nebenjobs ausreichend Angebote, nur die Bezahlung ist geringer als früher.

»Ich habe super lange nach einem Job gesucht«, seufzt Jessica Barr, während sie Croissants über die Theke in Berlin-Mitte reicht. Die 19-jährige Verkäuferin arbeitet gerade erst zwei Tage bei einer Backwaren-Kette. Bereits Ostern habe sie angefangen, Anzeigen zu studieren und herumzutelefonieren. Kleine Jobs habe sie hier und da bekommen, sagt sie. »Aber es ist voll schwer, ohne Beziehungen eine Arbeit zu finden.«

In Deutschland sind derzeit wieder Tausende von Schülern und Studenten auf Ferienjob-Suche. Im Gegensatz zum »echten« Arbeitsmarkt gibt es bei den Ferienjobs ausreichend Angebote, nur die Bezahlung ist geringer als früher. Schüler berichten, dass sie kaum über 5,50 Euro pro Stunde kommen. Studenten erreichen eigenen Angaben zufolge in Berlin auch nur 6 Euro.

Während das Arbeitsamt behauptet, der Schnitt liege bei acht bis zehn Euro, bestätigt die Zeitarbeitsfirma Arwa den Trend zu niedrigeren Löhnen. »Die Firmen wollen immer weniger zahlen«, sagt Kerstin Bergner, Arwa-Regionalleiterin für Norddeutschland in Magdeburg.

Jobvermittler halten eine so langwierige Suche wie die von Jessica für nicht normal. »Wenn ein Student zu uns kommt, dann kann es schon Mal zwei Wochen dauern, bis er was hat - aber viel länger nicht«, sagt Marianne Koch. Sie ist schon seit Jahren bei der Job- Studenten-Vermittlung des Berliner Arbeitsamtes tätig.

Für Schüler unter 18 Jahren gelten besondere Bestimmungen

Trotz hoher Erwerbslosigkeit in Deutschland hat sich für Schüler und Studenten wenig verändert. »Die meisten bekommen einen Job, aber natürlich nicht immer den, der ihren Vorstellungen ganz entspricht«, sagt Koch. In Berlin werden im Sommer etwa 2.000 Studenten oder Schüler pro Monat in Ferienjobs vermittelt.

Typisch für Studenten und Schüler sind Jobs als Umzugshelfer, Zeitungsausträger, häufig aber auch Arbeiten in Restaurants, in Hotels, in Boutiquen sowie Pflege und Betreuung. Oftmals angeboten werden Promotion- und Call-Center-Jobs. »Das ist aber das Letzte. Man muss den Leuten Zeug andrehen, egal, ob sie es brauchen oder nicht«, meint der Berliner Theologiestudent Philip Thomas.

Schülern unter 18 Jahren wird die Suche nach dem geeigneten Ferienjob erschwert, weil viele Jobbörsen sich nur an Studenten richten. »Stellen für Schüler laufen über Beziehungen, Zeitungsanzeigen und übers Internet, aber nicht über den Arbeitsmarkt«, sagt Klaus Pohl, Sprecher des Landesarbeitsamtes Berlin-Brandenburg. »Wir können daher immer nur empfehlen: Geht zu den Supermärkten und fragt, ob ihr Regale einräumen dürft.«

Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums liegt die Zurückhaltung der Arbeitgeber an den Bestimmungen zum Jugendarbeitsschutz. »Schüler unter 15 dürfen nur zwei Stunden am Tag arbeiten. Ab 15 Jahren können sie dann vier Wochen im Kalenderjahr jobben«, erläutert eine Sprecherin des Ministeriums. Überstunden und schwere körperliche Arbeit sind grundsätzlich ausgeschlossen.

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