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Hausaufgaben, Arbeiten, Referate: 20 Tipps fürs Lernen

Hausaufgaben machen, Referate vorbereiten, für Arbeiten lernen - das sorgt in vielen Familien regelmäßig für Stress. Experten sagen, wie Eltern ihre Kinder sinnvoll unterstützen können.

Von Lisa Rokahr

Bis zur siebten Klasse ist etwas Hilfe bei den Hausaufgaben völlig in Ordnung. Ab der Mittelstufe sollten Schüler sie selbstständig erledigen.

Bis zur siebten Klasse ist etwas Hilfe bei den Hausaufgaben völlig in Ordnung. Ab der Mittelstufe sollten Schüler sie selbstständig erledigen.

Manchmal tappen Eltern in die klassische Falle - sie verhalten sich beim Thema Schule so, wie sie es als Kind selbst erlebt haben. Wir haben 20 Fragen an Experten gestellt, wie Sie Ihre Kinder richtig einschätzen und ihnen besser zur Seite stehen können.

1. Was passiert beim Lernen im Gehirn?

Beim Lernen verändern sich die Kontakte zwischen den Nervenzellen, und es kommt hoffentlich zu einem besseren Denken, Handeln oder Fühlen. Um Dinge im Langzeitgedächtnis zu behalten, sind drei Faktoren wichtig: die Intelligenz, die Motivation und der Fleiß. Die Intelligenz können wir nicht beeinflussen, die Motivation schon. Die ist abhängig davon, wie sehr uns ein Thema interessiert oder wie stark wir beim Lernen von jemand anderem motiviert werden.
Gerhard Roth, Neurobiologe

2. Wie lange können sich Kinder konzentrieren?

Das hängt vor allem davon ab, ob sie sich für das Thema interessieren – und natürlich vom Alter: Fünf- bis Sechsjährige können sich ein paar Minuten sehr stark konzentrieren, dann brauchen sie eine Pause. Das ist bei uns Erwachsenen ebenso: Wenn etwas sehr kompliziert ist, brauchen wir schon nach fünf Minuten etwa 15 Sekunden Pause. Beim Vokabellernen ist es sinnvoll, wenn Kinder dreimal zehn Minuten lernen, immer unterbrochen von einer kleinen Pause. Mit einem Abstand von mehreren Stunden sollten sie das Ganze wiederholen.
Gerhard Roth, Neurobiologe

3. Darf Lernen Spaß machen?

Auf jeden Fall. Wir entdecken neue Dinge, manche gefallen uns, andere finden wir langweilig. Die Aufgabe von guten Pädagogen ist es, Kinder anzuregen und ihnen zu zeigen, was für eine Freude es ist, selbst etwas zu lernen.
Nicole Schöfbenker, Lerntherapeutin

4. Soll Lernen immer Spaß machen?

Lernen ist natürlich nicht nur Freude, sondern auch etwas, das wir tun müssen. Nur wenn wir uns unsere Umwelt erschließen, finden wir uns in ihr zurecht. Lernen sollte nicht mit negativen Gefühlen verbunden sein, aber es können auch mal neutrale sein. Umso wichtiger ist es, das Lernen immer wieder spielerisch aufzulockern. Lesen üben klappt nicht nur mit dem Deutschbuch, sondern auch mit Harry Potter.
Nicole Schöfbenker, Lerntherapeutin

5. Lässt sich mit Druck gut lernen?

Das hängt vom Persönlichkeitstyp ab und vom Alter: Zwölfjährige können weniger gut mit Druck umgehen, ältere Jugendliche können das hingegen oft sehr gut. Wichtig ist, dass sie sich ihre Zeit einteilen und dass sie sich den zeitlichen Druck selbst machen. Druck von außen durch die Eltern ist immer ganz schlecht.
Nicole Schöfbenker, Lerntherapeutin

6. Brauchen Kinder Noten?

Nein, die Schule sollte eine notenfreie Zone sein. Es gibt viele wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass Noten Unsinn sind. Sie sind lediglich ein Selektionssystem, um die Chancen in unserer Gesellschaft zu verteilen. Sie haben nichts mit dem Lernen zu tun und sind auch nicht vergleichbar, nicht innerhalb einer Schule und noch nicht einmal innerhalb einer Klasse. An unserer Schule erstellen wir ausführliche Lernentwicklungsberichte.
Wolfgang Vogelsaenger, Schulleiter Integrierte Gesamtschule Göttingen

7. Wie sieht der perfekte Arbeitsplatz aus?

Wichtig ist, dass Kinder ihren Arbeitsplatz selbst gestalten können. Sie entscheiden, ob sie im Stehen oder im Sitzen arbeiten wollen, am Schreibtisch oder draußen. Das motiviert mehr als ein Designerstuhl.
Wolfgang Vogelsaenger, Schulleiter Integrierte Gesamtschule Göttingen

8. Wann ist die beste Zeit, um Hausaufgaben zu machen?

Wichtig ist, dass Kinder lernen, ihren Tag zu organisieren. Und wann die beste Zeit für Hausaufgaben ist, hängt bei jedem Kind von dessen Biorhythmus ab. Das eine Kind ist nach dem Essen müde, das andere dreht dann richtig auf. Am besten ist es, wenn die Kinder sich einen Plan machen: Bis wann muss ich Englisch erledigt haben, bis wann die Deutsch-Hausaufgabe. Es kann durchaus mal sinnvoll sein, abends noch ein paar Vokabeln zu lernen.
Antje Malycha, Leiterin Geschwister-Scholl-Gymnasium Lüdenscheid

9. Wie lange sollten Hausaufgaben dauern?

Laut Kultusministerium in Nordrhein-Westfalen: in der ersten und zweiten Klasse 30 Minuten, in der dritten und vierten eine Stunde. In der fünften und sechsten Klasse sollten Schüler 90 Minuten einplanen und in den Jahrgangsstufen sieben bis zehn etwa 120 Minuten. Für die Oberstufe im Gymnasium gibt es keine Begrenzung.

10. Dürfen Eltern bei den Hausaufgaben helfen?

Natürlich. Aber spätestens ab der 7. Klasse sollten Schüler allein arbeiten. Hausaufgaben bringen oft Spannung und Konflikte in die Familie. An unserer Schule bieten wir deshalb Betreuung durch Lehrer und ältere Schüler an.
Antje Malycha, Leiterin Geschwister-Scholl- Gymnasium Lüdenscheid

11. Wie können Eltern ihrem Kind bei den Hausaufgaben helfen?

Sie können ihm dabei helfen, seine Arbeit zu planen, für eine ruhige Atmosphäre sorgen. Aber Eltern sollten nicht ihre Freizeit mit den Hausaufgaben ihrer Kinder verbringen. Sie wissen nicht unbedingt, welche Lernstrategie am besten zu ihrem Kind passt. Es muss selbst lernen, wie es am effizientesten arbeitet, Lehrer können es dabei besser unterstützen.
Antje Malycha, Leiterin Geschwister-Scholl-Gymnasium Lüdenscheid

12. Wann dürfen keine Hausaufgaben aufgegeben werden?

Feiertage, Wochenenden und Ferien sollten frei von Aufgaben sein. Auch an Tagen mit mehr als zwei Stunden Nachmittagsunterricht sollten keine Aufgaben für den folgenden Tag gestellt werden. Das heißt aber, dass ein Lehrer an einem Freitag sehr wohl Hausaufgaben für Montag aufgeben darf – vorausgesetzt, seine Schüler haben dann keinen Nachmittagsunterricht.
Empfehlung des Schulministeriums in NRW

13. Was sollen Eltern tun, wenn ihr Kind die Hausaufgaben nicht bewältigen kann?

Es geht nicht darum, dass ein Kind so lange zu Hause vor dem Schreibtisch sitzen bleibt, bis alles erledigt ist. Wenn es die Aufgaben nicht schafft, sollte es am nächsten Tag beim Lehrer nachfragen.
Antje Malycha, Leiterin Geschwister-Scholl-Gymnasium Lüdenscheid

14. Ab welchem Alter soll ein Kind sein Lernen selbst organisieren?

So früh wie möglich. Manche Kinder organisieren sich und ihr Leben schon mit fünf Jahren, manchmal braucht aber auch ein 17-Jähriger noch Unterstützung. Verallgemeinern lässt sich das nicht.
Antje Malycha, Leiterin Geschwister-Scholl-Gymnasium Lüdenscheid

15. Sollten Eltern ihre Kinder fürs Lernen belohnen?

Bei Erfolgen zu loben und bei Misserfolgen aufzumuntern funktioniert überall. Schwierig wird es, wenn ein Kind etwas nur noch macht, weil es dafür belohnt wird. Eltern sollten ihr Kind dazu bringen, dass es von allein lernt. Eine kleine Belohnung kann sein, zu sagen: Wenn du mit Lernen fertig bist, können wir zusammen einen Film schauen.
Wolfgang Vogelsaenger, Schulleiter Integrierte Gesamtschule Göttingen

16. Wann ist Nachhilfe sinnvoll?

Zeigt ein Kind anhaltende Lernhemmungen, die weder zu Hause noch in der Schule behoben werden können, oder hat es Lücken durch lange Krankheit, kann individuelle Nachhilfe sinnvoll sein. Diese sollte sich aber nur auf ein bis zwei Fächer beziehen. Und die Nachhilfe sollte nur vorübergehend sein, damit sich ein Jugendlicher nicht darauf verlässt.
Antje Malycha, Leiterin Geschwister-Scholl-Gymnasium Lüdenscheid

17. Woran erkennen Eltern, ob ihr Kind eine Lernstörung hat?

Wenn Kinder über einen längeren Zeitraum immer mit den Fingern zählen, sie nicht aus dem Zehnerraum herausgehen können und auch bei Spielen immer die Hände zu Hilfe nehmen, sollten Eltern aufmerksam werden. Oder wenn Kinder Schwierigkeiten haben, beim Lesen Buchstaben zu Silben und Silben zu Wörtern zu verknüpfen. Hält das über mehrere Wochen an, könnte das ein Signal sein.
Annette Höinghaus, Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie

18. Welche Lernstörungen können auftreten?

Neben einer Rechenstörung, der Dyskalkulie, oder einer Lese-Rechtschreib- Störung, der Legasthenie, können auch ADHS oder Wahrnehmungsstörungen der Grund dafür sein, dass ein Kind schlechter lernt als andere. Deshalb ist es wichtig, die Ursachen medizinisch abzuklären. Ein Kinder- und Jugendpsychiater kann mit entsprechender Diagnostik feststellen, ob das Kind eine Lernstörung hat.
Annette Höinghaus, Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie

19. Wer hilft, wenn ein Kind an einer Lernstörung leidet?

Bei der Suche nach einem qualifizierten Therapeuten können der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie oder seine Landesverbände helfen. Jemand, der nur den Schulstoff mit dem Kind wiederholt, hat keinen Erfolg. Wenn ein Kind nicht weiß, dass sieben kleiner als neun ist, muss das Verständnis dafür vermittelt werden. Außerdem braucht das Kind einen Nachteilsausgleich in der Schule. Dann darf es zum Beispiel einen Taschenrechner benutzen oder einen PC mit Rechtschreibprogramm. Dafür müssen die Eltern mit Verweis auf die Diagnose bei der Schule einen formlosen Antrag stellen.
Annette Höinghaus, Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie

20. Wie können Eltern ein Kind mit Lernstörung motivieren?

Bei mir dürfen die Schüler entscheiden, ob sie lesen, etwas rechnen oder ein Diktat schreiben wollen. Die Kinder schätzen das, weil sie diese Wahlmöglichkeit in der Schule normalerweise nicht haben. Wenn ein Kind nach etwa 20 bis 30 Therapiestunden besser wird, überträgt sich das auf die Schule. Eltern sollten immer daran denken, ihr Kind zu loben.
Nicole Schöfbenker, Lerntherapeutin

Die Tipps haben wir dem stern-Extra "Schule & Erziehung " entnommen. Das Heft ist seit dem 29. September im Handel.

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