HOME

Stern Logo Schule

Schulnoten aufpolieren: Eltern, Finger weg von den Hausaufgaben!

Noten sind zu wichtig, als das man sie den Kindern überlassen kann. Viele Eltern erledigen mit Eifer die Hausaufgaben ihrer Kinder. Auf der Strecke bleibt die Lust der Kinder am eigenständigen Lernen.

Von Kristina Kroemer

Wenn die Hausaufgaben ein Kind überfordern, sollten nicht die Eltern einspringen, sondern das Gespräch mit der Schule gesucht werden.

Wenn die Hausaufgaben ein Kind überfordern, sollten nicht die Eltern einspringen, sondern das Gespräch mit der Schule gesucht werden.

Mami, ich muss nächste Woche ein Referat über Wale halten, mit Cassian zusammen." "Okay, dann setzen wir uns da gleich mal dran". Und dann googelt Mami wie wild, die Mami von Cassian wird angerufen und es entsteht ein wunderbares Teamwork - zwischen den Müttern. Die Präsentation der zwei Sechstklässler im Bio-Unterricht wird dann mit einer glatten Eins bewertet. Und die Mamis freuen sich, dass sie es geschafft haben.

Schule bestimmt den Alltag in Familien

Immer mehr Mütter und Väter machen für ihre Kinder die Hausaufgaben, üben Vokabeln und Mathe-Formeln, erarbeiten mit ihnen Referate und legen auch mal selbst Hand an. Schule bestimmt den Alltag in Familien, immer mehr und immer intensiver. Klar, denn ein guter Abschluss ist wichtig in unserer heutigen Leistungsgesellschaft. Ohne Abschluss gibt’s später keinen guten Job, das wissen schon die Kleinsten.

Eltern klagen darüber, dass das Schulsystem sie dazu zwingen würde, ihre Kinder mit allen Mitteln zu unterstützen. "Lucia geht jetzt in die siebte Klasse auf dem Gymnasium", erzählt Anne Rieper aus Hamburg, "Ich muss sehr oft helfen, denn die Anforderungen sind hoch". Sie gibt zu: "Manchmal mache ich auch die Hausaufgaben für sie, diktiere ihr einen Aufsatz oder so. Sie soll doch gute Noten haben."

Dass sie ihren Kindern mit ihrer tatkräftigen Hilfe auf die Dauer nichts Gutes tun, ahnen viele Eltern. Aber der Bitte der Lehrer, die Kinder ihre Aufgaben allein machen zu lassen, müsse man leider ab und zu ignorieren, denn Hausaufgaben und Mappenführung würden eben doch bewertet und können die Gesamtnote verschlechtern. Also greifen die Eltern ein.

Der mit den klügeren Eltern gewinnt

Katrin Janz, Gymnasial-Lehrerin für Deutsch und Spanisch an der Elsa-Brandström-Schule in Hannover, kann ein Lied davon singen: "Neulich saß mir beim Elternsprechtag tatsächlich eine Mutter gegenüber, die über die vielen Hausaufgaben schimpfte und mir erklärte, sie wüsste nicht mehr, wie sie das alles schaffen sollte." Nach ihrer Erfahrung ist das kein Einzelphänomen: "Ich sehe, dass immer mehr Eltern die Aufgaben für ihre Kinder erledigen. Man könnte das auch so formulieren: Oft fließen die Talente der Eltern in die Leistungsbeurteilung der Schüler mit ein." Ihrer Meinung nach ist Elternhilfe jedoch fatal für die Kinder: "Sie werden träge, der Antrieb zum Lernen ist nicht mehr da. Ihnen wird alles abgenommen, sie kennen nicht das Gefühl, sich durchbeißen zu müssen. Sie kennen auch nicht das Erfolgserlebnis, wenn sie etwas geschafft haben."

Gerade in der Oberstufe bekommt sie oft Hausarbeiten vorgelegt, die eindeutig nicht von den Schülern stammen: "Ich merke sofort, wenn die Eltern ihre Hand im Spiel hatten", sagt sie, "ich kenne doch meine Kinder aus dem Unterricht, ich weiß genau, was sie leisten können". Aber: "Ich kann das ja nicht beweisen". Was sie kann: Im Unterricht nachforschen, wie weit der Schüler die Interpretation verstanden hat, die er da so brilliant niedergeschrieben haben will.

Hausaufgaben von Mama sind für die ganze Klasse fatal

Auch Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, hält die Mitarbeit der Eltern bei den Schulaufgaben für grundsätzlich falsch: "Hausaufgaben sind ein Kontrollmittel, mit dem der Lehrer sehen kann, ob die Kinder den Stoff verstanden haben", sagt er. "Hausaufgaben werden nicht bewertet. Sie sind Teil des Lernprozesses und ganz wichtig für die Eigenkontrolle der Schüler. Wenn sie von den Eltern gemacht werden, bekommt der Lehrer ein falsches Bild vom Leistungsstand der Klasse". Natürlich sollten Eltern darauf achten, dass ihre Sprösslinge ihre Hausaufgaben gut und richtig erledigen: "Man kann Tipps und Anregungen geben, den Rest müssen die Kinder allein machen".

Die Schüler selbst erkennen durchaus, dass es nicht immer gut ist, wenn ihnen die Eltern helfen: "Meine Mutter macht die Referate für mich“, erzählt der 17-Jährige Julian aus Hamburg, "sie wird schnell ungeduldig, wenn ich nicht weiß, wo ich nach Infos suchen muss und keine ordentliche Gliederung hinkriege."

Er lacht: "Neulich musste ich eins über Kommunismus machen, viel Stoff und echt anstrengend. Ich habe hinterher auswendig gelernt, was sie geschrieben hat. Dann hab’ ich noch ein paar Sätze umgestellt und Fehler eingebaut, damit die Lehrerin nicht merkt, dass der Text nicht von mir ist. Ich habe zwar eine Eins bekommen - aber gleich alles wieder vergessen. In der Arbeit über Kommunismus habe ich dann eine Fünf geschrieben ..."

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.