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Tierbestattungen: Ein Grab für "Schnuffi"

Was geschieht mit "Bello", "Mieze" und Co., wenn sie tot sind? Diese Frage bewegt viele Haustierbesitzer. Findige Tierbestatter bieten ungewöhnliche Lösungen an - und verzeichnen regen Zulauf.

Lange Zeit war es üblich, Haustiere nach der Einschläferung vom Tierarzt in die Tierkörperbeseitigungsanlage (TBA) überführen zu lassen. Dort werden die Kadaver auf 133 Grad Celsius erhitzt, getrocknet und zu Tiermehl verarbeitet. Dieses Pulver wird unter anderem zur Herstellung von Seife und Schmierstoffen verwendet. Immer mehr Tierhalter aber wollen ihrem geliebten Vierbeiner ein solches Schicksal ersparen.

Einziges Tierkrematorium steht in München - noch

Walter Rupff ist Tierbestatter. Vor acht Jahren hat er in Winnenden (Baden-Württemberg) die Firma "Tieba" gegründet. Seitdem überführt der 49-Jährige die toten Tiere seiner Kunden im Wochenrhythmus ins Heimtierkrematorium "Tiertrauer" nach München, dem bisher einzigen seiner Art in Süddeutschland. Angesichts der dort hohen Preise und immer längeren Wartezeiten baut Rupff nun im Gewerbegebiet Aldingen bei Ludwigsburg eine eigene 400.000 Euro teure Verbrennungsanlage. "Am Anfang rechne ich mit 3-5 Tieren pro Tag, später sogar mit bis zu 800 Hunden und Katzen pro Monat", sagt der gebürtige Schweizer.

Wer nicht will, dass sein Tier zu Asche wird, kann einen Tierfriedhof aufsuchen. Dort werden die Begleiter auf vier Pfoten im Einzel- oder Massengrab bestattet. Auf Wunsch spielt bei der Beerdigung ein Trompeter. Das Konzept kommt an - so liegen etwa auf dem Tierfriedhof Karlsruhe derzeit rund 1500 Haustiere begraben, Tendenz steigend.

Emotionen werden nicht verletzt

"Eine sehr erfreuliche Sache" ist die Tierbestattung für Eberhardt Rösener, Geschäftsführer der Bundestierärztekammer. Durch die unwürdige Entsorgung der Kadaver seien früher Emotionen bei den Tierhaltern verletzt worden. Wichtig sei zwar, dass Gesetze wie das Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz eingehalten würden, das auf einer EU-Richtlinie beruht. Doch könnten nun die Tierärzte durch einen Verweis auf die Heimtierbestatter besser bei der Trauerarbeit helfen, glaubt Rösener.

So richtig durchgesetzt haben sich Tierbestattungen dennoch nicht. "Nach wie vor landen 90 Prozent der verstorbenen Tiere in der TBA", sagt Reinhard Feldkamp, Vorsitzender des Bundesverbands Tierbestatter, "aber in letzter Zeit verzeichnen wir einen gewaltigen Anstieg an Anfragen. Das Haustier ist zu einem Stück Familie, zum Sozialpartner geworden." Gerade deshalb erkundigen sich immer mehr Tierhalter nach alternativen Bestattungsmöglichkeiten.

Es geht auch virtuell

Doch die Tierbestattung hat ihren Preis. Eine Urne kostet zwischen 30 und 250 Euro, die Kosten für die Verbrennung reichen von 68 Euro für eine einfache Einäscherung mit anschließender Bestattung im Sammelgrab bis zu 325 Euro für eine so genannte Einzelkremierung schwerer Hunde. Begräbnisse auf Tierfriedhöfen sind in der Regel teurer. Wer nicht so viel Geld ausgeben will, wird bei der Suche nach einem Gedenkort vielleicht im Internet fündig. Auf dem virtuellen Tierfriedhof sind "Gräber" schon ab 9,99 Euro zu haben.

Benedikt von Imhoff/DPA / DPA

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