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Haustierboom Lieber keinen Hund als einen Lockdown-Hund

Eine Hundewelpe wird aus einem Transportkasten gehoben
Der illegale Welpenhandel boomt – allein im Februar wurden laut Polizei dutzende Hundewelpen illegal nach Deutschland gebracht und verkauft
© dpa/Polizei Dresden / Picture Alliance
"Wühltischwelpen" für den sonntäglichen Spaziergang: Aus Lockdown-Langeweile schaffen sich zu viele Menschen Hunde an, die später im Tierheim landen und oft schon unter schlechten Bedingungen auf die Welt gekommen sind.

Es hechelt, bellt , wedelt und knurrt – ganz Deutschland scheint auf den Hund gekommen zu sein. Bei meiner aktuell liebsten (weil einzigen) Freizeitbeschäftigung, dem Spazierengehen, wuseln die wuscheligen Vierbeiner jedenfalls überall herum. Ob Schäferhund, Schnauzer oder Spaniel: Rasse und dazugehörige Eigenschaften scheinen nahezu egal. Hauptsache Hund, Katze oder anderes Kuscheltier, das Kind bettelte doch sowieso schon lange. Wer vorher zu beschäftigt war, ist auf einmal viel zu Hause. Die zu kleine Wohnung — egal. Und im Urlaubsfall? Der nächste Urlaub ist sowieso weit weg.

Dabei reden sich Besitzer:innen gerne ein: Ich tu dem Tier ja etwas Gutes. Straßenhunden ging es vorher schlechter, Tierheimhunde werden aus dem Heim "gerettet". Ein Gewinn für beide Seiten, ist das nicht toll? Und ein paar neue Follower auf Instagram gibt es gratis dazu. Dabei scheinen einige Haustierhalter:innen zu vergessen, dass gerade Hunde und Katzen nicht nur zwei oder drei, sondern zehn bis 20 Jahre alt werden. Im besten Fall ist das Tier also auch nach der Corona-Pandemie noch eine ganze Weile da.

Ein Hund als Lockdown-Hobby

Der Tierschutzbund warnt vor der leichtfertigen Anschaffung eines Tieres: "Ein Tier braucht volle Aufmerksamkeit – auch nach Lockdown, Homeoffice und Homeschooling, wenn Bars und Cafés wieder öffnen und man wieder verreisen möchte. Sie sind nicht nur ein Zeitvertreib in Pandemiezeiten, sie sind eine Verantwortung fürs Leben", so der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes Thomas Schröder.

Links ein  magerer Hund mit struppigem Fell, rechts der selbe Hund mit glänzendem Fell

Jetzt ist die Nachfrage nach Haustieren groß, aber nach der Pandemie? Tierheime befürchten die große Rückgabe-Welle. Aus dem Tierheim nach Hause — und wieder zurück. Mit dem Unterschied, dass Tierheime nach dem Lockdown finanziell noch schlechter gestellt sein werden als vorher. Das Tierheim Bergheim beispielsweise sorgt sich jetzt schon auf Instagram: "Wir haben jedenfalls bestimmt nicht genug Plätze, um all die Spontankäufe dann zu versorgen. Und eBay nimmt keine Retouren …".

Online-Handel mit Welpen: vom Schwarzmarkt zurück ins Tierheim

Besonders perfide: Manche Menschen kaufen sich für teures Geld über das Internet einen Welpen, der illegal ins Land geschafft wird und unter unzumutbaren Bedingungen aufwuchs. So warnte Mike Ruckelshaus von Tasso in einer Pressemitteilung des Verbands für das Deutsche Hundewesen: "Gerade der illegale Online-Welpenhandel boomt. […] Fast alle Tiere sind krank, viel zu früh von der Mutter getrennt, ungeimpft und überleben häufig die ersten Lebensmonate nicht. Auch das Leid der Muttertiere und Deckrüden ist unermesslich."

Aber Hauptsache, der Lockdown-Hund teilt die Couch. Auch noch nach der Pandemie? Die wenigsten Neu-Hundebesitzer werden dem Tier etwas Schlechtes wollen. Einige dieser Tiere werden sicherlich auch aus prekären Zuständen befreit. Doch sollte man sich ausgerechnet jetzt für einen Hund entscheiden, sollte man auch die Gründe im Hinterkopf behalten, die vorher immer gegen ein Haustier sprachen. Denn diese Gründe werden irgendwann, nach der Corona-Pandemie, mit dem Hund auf dem Sofa liegen. So laut mein Hundeherz schlägt: Lieber keinen Hund als einen Lockdown-Hund.

Quellen: "Tierschutzbund" / "Verband für das Deutsche Hundewesen"


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