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Warzenhonigfresser in Australien Dieser bedrohte Singvogel verlernt seine Liebeslieder – und zahlt dafür mit seinem Sex-Appeal

Einst auf fast dem gesamten australischen Kontinent beheimatet, heute akut bedroht: der Warzenhonigfresser
Einst auf fast dem gesamten australischen Kontinent beheimatet, heute akut bedroht: der Warzenhonigfresser
© Dave Watts / Picture Alliance
Der Warzenhonigfresser ist in Australien akut vom Aussterben bedroht. Nur noch 300 Exemplare soll es von dem Singvogel in der Wildnis geben. Und nun macht der sich zu allem Überfluss noch selbst das (Über-)Leben schwer.

Warzenhonigfresser. Obgleich der Name – zumindest in seiner deutschen Fassung – kaum Esprit versprüht, so sind die Männchen dieses Singvogels doch kleine Charmeure. Mit Liebesliedern, ja romantischen Balzgesängen bezirzen sie die Weibchen ihrer Spezies in der Hoffnung, sich ein gemeinsames Nest samt Nachwuchs bauen zu können.

Das ist insbesondere in den letzten Jahrzehnten von im wahrsten Sinne existenzieller Bedeutung für den regent honeyeater, wie er in seiner australischen Heimat genannt wird. Dort war er nämlich einst noch auf dem gesamten Kontinent verbreitet. Seit den 1940ern aber beschnitt der Mensch zunehmend den Lebensraum des etwa 25 Zentimeter großen Vogels. Rodung und die Ausdehnung der Landwirtschaft nahmen den Warzenhonigfressern bis zu 90 Prozent ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes. Lediglich 300 Exemplare sollen aktuell noch in der Wildnis leben.

Der Warzenhonigfresser verlernt seine Liebeslieder

Und genau das führt zu einem neuen Problem, wie Wissenschaftler der Universität Canberra nun herausgefunden haben. Viele der Warzenhonigfresser-Männchen verlernen die klassischen Liebeslieder der Spezies. Denn ähnlich wie Menschen, lernen die Vögel von ihrem Umfeld. Junge Männchen brauchen die Gesellschaft von älteren, bei denen sie sich die Lieder abgucken und sie später nachsingen, um ihrerseits damit das andere Geschlecht zu beeindrucken.

Doch weil es nur noch so wenige Exemplare auf einer so großen Fläche gibt, fehlt es dem Nachwuchs zunehmend an brauchbaren Vorbildern. Das führt wiederum dazu, dass sich viele halbstarke Warzenhonigfresser bei anderen Arten Inspiration holen und letztlich die Balzlieder von anderen Vögeln singen. Die eigenen Weibchen aber scheinen nicht sonderlich offen für fremde Kulturen und so fanden die Wissenschaftler heraus, dass Männchen mit den Fremdsongs kaum Schlag bei den Damen zu haben scheinen. Entsprechend fliegen zahlreiche Warzenhonigfresser solo durchs Leben, ein suboptimaler Zustand für eine akut vom Aussterben bedrohte Art.

Die Forscher um den Ornithologen Ross Crates waren eher zufällig über diese Entdeckung gestolpert. Eigentlich waren sie losgezogen, um überhaupt wilde Exemplare des bedrohten Vogels zu finden. Dabei fanden sie überraschend viele, die unüblich Dialekte sangen. Bei genauerer Untersuchung stellten sie fest, dass mehr als jeder vierte Warzenhonigfresser auch Lieder sang, die nicht zu dem ursprünglichen Portfolio der Art zählten. Bei zwölf Prozent der gefiederten Charmeure fand sich sogar ausschließlich fremdes Kulturgut im Repertoire.

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Forscher wollen gegensteuern

Forscher Crates hat es sich auf die Fahnen geschrieben, etwas gegen das von ihm entdeckte Problem zu tun. So gibt es zwar schon zahlreiche Projekte, die bedrohten kleinen Vögel zu züchten, um sie in die Wildnis zu entlassen. "Aber wenn die dann seltsame Lieder singen, will sich vielleicht kein Weibchen mit ihnen paaren", befürchtet der Vogelexperte. Also will er die auszuwildernden Tiere vorher zum Gesangsunterricht schicken. Vom Band sollen sie mit traditionellem Warzenhonigfresser-Gesang beschallt werden. Crates hofft, dass sich der Sound verfängt und die Vögel in freier Wildbahn dann die Damen ihrer Gattung gewohnt charmant überzeugen können.

Quellen:  Studie auf The Royal Society / BBC / Sky News


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