HOME

Urteil: Wer schmiert, fährt heim

Ein Schüler, der antisemitische Parolen im Gästebuch des gerade besuchten ehemaligen KZs hinterlassen hatte, klagte, weil er vom Rest der Klassenfahrt ausgeschlossen wurde. Das Gericht gab den Lehrern recht.

Antisemitische Parolen eines Schülers rechtfertigen laut einem Urteil des Verwaltungsgerichts Göttingen den Ausschluss von einer Klassenfahrt. Ein Realschüler hatte auf einer Fahrt nach Tschechien in das Gästebuch des Museums des ehemaligen Konzentrationslagers Theresienstadt unter anderem "heil Hitler, schlag die Juden tod" geschrieben und war danach von der weiteren Klassenreise ausgeschlossen worden. Mit dem am Donnerstag bekannt gewordenen Urteil wies das Gericht in Göttingen eine Klage der Eltern gegen den Ausschluss ab.

Der Ausschluss des seinerzeit 14-jährigen Schülers von der Klassenfahrt im Juni 2001 sei nicht zu beanstanden, heißt es in dem Urteil. Das Thema Nationalsozialismus sei im Unterricht der Schule vor der Fahrt mehrfach behandelt worden. Im ehemaligen Lager Theresienstadt habe eine eineinhalbstündige Führung stattgefunden.

Ein 14-jähriger Schüler, der nach einer solchen Führung in das Gästebuch einer Gedenkstätte für NS-Opfer einen Spruch antisemitischen Inhalts eintrage, begehe "einen gravierenden Pflichtverstoß". Der Ausschluss von der weiteren Klassenfahrt stelle ein Erziehungsmittel dar und sei aus pädagogischen Gründen durchaus ermessensgerecht.

Das Urteil der 4. Kammer des Verwaltungsgericht Göttingen wurde bereits am 3. April 2003 verkündet und erst jetzt veröffentlicht. (Az.: 4 A 4139/01)

Wissenscommunity