MoMA Das "Who is Who" der Modernen Kunst in Berlin


Mehr als 200 Gemälde und Skulpturen des weltberühmten New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) sind ab Freitag für sieben Monate in der Berliner Nationalgalerie zu sehen.

Mehr als 200 Gemälde und Skulpturen des weltberühmten New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) sind ab Freitag für sieben Monate in der Berliner Nationalgalerie zu sehen.

Die Gemälde und Skulpturen des weltberühmten New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) werden nach Deutschland ausgelagert, solange die Ausstellungsräume in New York umgebaut werden. Zu sehen sind unter anderem Werke von Paul Cezanne, Salvador Dali, Edward Hopper, Rene Magritte, Henri Matisse, Claude Monet, Pablo Picasso, Jackson Pollock und Vincent van Gogh. Es ist das erste Mal, dass das New Yorker MoMA so viele seiner Schätze nach Europa auf die Reise schickt.

22 Bilder von Picasso

Peter Raue, der deutsche Hauptinitiator der Ausstellung, spricht von einer Tour d'Horizon durch das verstrichene 20. Jahrhundert. "Man begegnet hier schon sehr vielen Freunden und Bekannten: Der 'Sternennacht' von Van Gogh, den großen Bildern von Cezanne, wir haben 22 Bilder von Picasso und wir haben die schönste Matisse-Ausstellung, die es je in Berlin gegeben hat", sagt der Vorsitzende des Vereins der Freunde der Nationalgalerie. Es seien "Deja-Vu-Bilder - Bilder, die man eigentlich kennt und im Mädchenzimmer hängen hatte", die die Besucher nun im Original erleben könnten.

"MoMA ist der Star"

Schon seit Wochen sollen in ganz Berlin riesige Plakate in pink mit Aufschriften wie "MoMA ist der Star" den Hauptstädtern Lust auf die einzigartige Ausstellung machen. Denn Raue hatte ein Problem: Kaum jemand in Berlin kannte das New Yorker MoMA, dessen Sammlung Moderner Kunst als die weltweit beste gilt. "Wir mussten die Marke platzieren wie etwa VW eine neue Marke einführt", sagt Raue. "Ich will mit dieser Werbung erreichen, dass Leute, die eigentlich Angst vor dem Museum haben, sagen: Da will ich hin, da muss ich hin." Sogenannte "MoMAnizer" sollen die einzelnen Kunstwerke erklären damit sich auch Kunstlaien in der Ausstellung wohl fühlen.

Wie ein Film mit Überlänge

8,5 Millionen Euro kostet die Mammut-Schau, die unter anderem von der Deutschen Bank gesponsert wird. 700.000 Besucher müssen kommen, um die Ausgaben zu decken. Das Risiko sei jedoch überschaubar, auch bei früheren Ausstellungen habe die Nationalgalerie pro Monat 100.000 Besucher angezogen. Sorge, dass sich Kunstinteressierte in der schwierigen wirtschaftlichen Situation das Eintrittsgeld lieber sparen könnten, hat Raue nicht: "Die Leute gehen für zehn Euro auch ins Kino. Wir haben 200 Bilder, wenn man sich für jedes Bild auch nur eine Minute Zeit nähme, müsste man sich drei Stunden hier aufhalten - das ist ein Film mit Überlänge."

Geheime Flüge, Wege und Sicherheitsvorkehrungen

Um die immensen Werte während des Transports und der Schau zu schützen, waren ausgeklügelte Sicherheitsvorkehrungen nötig. So wurde aus Furcht vor einem Anschlag oder einem Absturz stets nur eine gewisse Anzahl von Kunstwerken in einem Flugzeug transportiert. Außerdem wurden nie sämtliche Werke eines Künstlers in eine einzige Maschine verladen, damit nicht bei einem Unglück eine ganze Schaffensphase eines Künstlers vernichtet würde. "Da gibt es genaue statistische Berechnungen. Wir hatten insgesamt 14 Flüge, in denen die Arbeiten ankamen", sagt Raue. "Die Flüge sind geheim, die Wege sind geheim. Wir haben auch keine Lust, auf der Autobahn von irgendwelchen Leuten nach einem Van Gogh befragt zu werden." Während der Ausstellung selbst gilt die höchste Sicherheitsstufe.

Einmaliges Erlebnis

Allerdings dürfte die Schau auch ein einmaliges Erlebnis bleiben. "Wir werden sicher nicht mehr so viele Werke auf einmal verleihen, wenn der Umbau beendet ist", sagt in New York der Chefkurator des MoMA, John Elderfield, während im Hintergrund der Baulärm zu hören ist. "Wir haben versucht, mit 200 Arbeiten die ganze Geschichte der modernen Kunst zu erzählen. Es ist großartig, dass die Werke in Berlin zu sehen sind, solange wir sie hier nicht ausstellen können."

Und auch Raue in Deutschland ist glücklich, selbst wenn das MoMA nicht alle seine Wünsche erfüllen konnte. "Es gibt Bilder, die sind wie sehr, sehr alte Damen - nämlich nicht mehr reisefähig. Dazu gehören 'Les Demoiselles D'Avignon', vielleicht das Bild des 20. Jahrhunderts schlechthin. Die Ikone des 20. Jahrhunderts kann nicht reisen - weder nach Houston, noch nach Chicago, noch nach Berlin. So etwas müssen wir respektieren, das versteht sich", sagt Raue über Pablo Picassos kubistisches Meisterwerk.

Sabine Siebold/Reuters Reuters

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