HOME

Zerstörtes Weltkulturerbe: Das ganze Ausmaß der Zerstörung von Palmyra

Die antike Wüstenstadt Palmyra ist eine der wichtigsten Kulturstätten der Welt - heute liegt sie in Trümmern. Es ist das Ergebnis von zehn Monaten IS-Terrorherrschaft. Die stern-Fotostrecke zeigt Palmyra nach der Befreiung - mit tiefen Narben, die wohl nie ganz verheilen werden.

Ein Foto zeigt den Baaltempel von Palmyra im April 2014  - heute ist das historische Bauwerk nun noch ein Schatten seiner selbst: Von dem Tempel steht nur noch der Torbogen. Die Terrormiliz IS hatte den Baaltempel im August 2015 gesprengt - vorher stand er seit fast 2000 Jahren im Sand der syrischen Wüste.

Ein Foto zeigt den Baaltempel von Palmyra im April 2014  - heute ist das historische Bauwerk nur noch ein Schatten seiner selbst: Von dem Tempel steht nur noch der Torbogen. Die Terrormiliz IS hatte den Baaltempel im August 2015 gesprengt - vorher stand er seit fast 2000 Jahren im Sand der syrischen Wüste.

Umgerissene Statuen, zerstörte Tempelmauern, beschmierte Wände: Die antike Wüstenstadt Palmyra, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, ist eine der bedeutendsten archäologischen Stätten des Mittleren Ostens. Im Mai 2015 fiel sie unter die Kontrolle der Terrormiliz Islamischer Staat - und wird wohl nie wieder das sein, was sie früher einmal war.

Nach der Rückeroberung durch syrische Truppen wurde nun das ganze Ausmaß der Zerstörung durch die Dschihadisten deutlich: Viele Monumente, unter anderem der rund 2000 Jahre alte Baal-Tempel, wurden zerstört - andere schwer beschädigt. Syriens Machthaber Baschar al-Assad hat an die Vereinten Nationen (UN) appelliert, den Wiederaufbau der Stadt zu unterstützen. Syrische Militäringenieure durchkämmen nun die Ruinen nach Minen, die der IS hinterlassen haben könnte.

Massengrab mit 42 Leichen entdeckt

Schlimmer als die Zerstörung wichtiger Kulturschätze in Palmyra ist der Verlust an Menschenleben: Während der Besatzung töteten die Extremisten laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 280 Menschen. Unter den Ermordeten ist auch der Archäologe Khaled Asaad, der die Erforschung und Erhaltung Palmyras mehr als 40 Jahre lang geleitet hatte. Die syrische Armee hat nach eigenen Angaben ein Massengrab mit 42 Leichen gefunden. Darin seien die Überreste von 24 Zivilisten, darunter drei Kinder, und 18 Soldaten entdeckt worden, hieß es. Sie seien von den Dschihadisten "geköpft oder erschossen" worden.

Überhaupt ist das Ruinengelände gesäumt von beigen und ockerfarbenen Steinen, die einst Säulen und Bögen formten. Das noch intakte Römische Theater - ein prachtvoller Bau aus dem zweiten Jahrhundert - missbrauchten die Dschihadisten für ihre öffentlichen Hinrichtungen. Eine Wand ist mit Namen der Kämpfer beschmiert, eine andere von Kugeleinschlägen übersät. Auch die Überreste des prachtvollen Triumphbogens liegen in Haufen auf dem Boden.

"Es wird nicht schwer sein, das wieder aufzubauen, denn alle Steine sind noch da", sagte Syriens Altertümerchef Maamun Abdulkarim der Nachrichtenagentur AFP. Altertumsexperten Udo Hartmann sagte dem Magazin "Der Spiegel", den Wiederaufbau sollte ein Team von Spezialisten steuern. "Wir brauchen die Kompetenz aller Palmyra-Forscher, ein internationales Team unter der Schirmherrschaft der Unesco". Zugleich schränkte er ein: "Bevor sich nicht feste staatliche Strukturen in Syrien einstellen und solange Millionen auf der Flucht sind, ist nicht daran zu denken, alte Tempel auszubessern." Experten schätzen, dass der Wiederaufbau viele Jahre dauern wird - und dass Palmyra trotzdem nie wieder genau so wird wie vorher.

400 "schönsten Stücke" in Sicherheit gebracht

Im Nationalen Museum von Palmyra haben die Dschihadisten ebenfalls gewütet. Sie köpften Büsten geschmückter Frauen, rissen Bilder von den Wänden und entstellten Steinskulpturen von unschätzbarem Wert. Zur Zeit ihrer Herrschaft in Palmyra diente das Museum den Dschihadisten als religiöse Gerichtsstätte. Er sei nur "glücklich", sagte Provinzgouverneur Talal Barasi, dass es gelungen sei, die 400 "schönsten Stücke" des Museums in Sicherheit zu bringen, bevor der IS einfiel.

Experten schätzen laut Gouverneur Barasi, dass 30 Prozent der Altstadt zerstört sind. Und um ein Haar wäre es wohl noch schlimmer für Palmyra ausgegangen: Der IS verminte das Gelände mit 4500 Sprengsätzen. "Einer von uns hat sich als Dschihadist verkleidet und denjenigen getötet, der sie auslösen sollte", erzählte ein vom IS inhaftierter Angestellter von Palmyra. Nun werden die Sprengsätze nach und nach entschärft. Die stern-Fotostrecke zeigt das immense Ausmaß der Zerstörung. Irgendwann werden die meisten antiken Bauwerke Palmyras wieder stehen. Doch die Opfer des IS werden leider kein zweites Leben bekommen.

amt / AFP / DPA / Reuters