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Katastrophe in Syrien: Massaker droht - IS marschiert in Stadt mit 100.000 Zivilisten ein

Die Terrormiliz IS konnte in die belagerte syrische Stadt Deir ez-Zor eindringen. Sofort sollen die Islamisten Zivilisten enthauptet und entführt haben. Nun wird die Lage kritisch für die Kämpfer Assads, die den restlichen Kessel verteidigen.

Das Foto aus dem Dezember 2016 zeigt syrische Truppen in  der belagerten Stadt Deir ez-Zor.

Das Foto aus dem Dezember 2016 zeigt syrische Truppen in  der belagerten Stadt Deir ez-Zor.

Seit Jahren werden die Stadt Deir ez-Zor und ihre Umgebung von den Kämpfern des IS belagert. Mehr als 100.000 Zivilisten halten sich noch in dem Kessel auf. Versorgt werden sie und die Truppen Assads, die die Enklave verteidigen, durch Abwürfe aus der Luft. Menschenrechtler sprechen von bis zu 250.000 Zivilisten im Kessel, Blogger, die Assad unterstützen, von etwa 130.000.

Aufspaltung des Kessels

Fast unbemerkt von der Weltöffentlichkeit gelang dem IS in den letzten Tagen ein entscheidender Vorstoß. Die Terrormiliz konnte den Kessel aufspalten und das Stadtgebiet vom Flughafen trennen. Bei dem Vorstoß nahm der IS auch Anhöhen in Besitz, von denen aus man die Stadt einsehen kann. Nachdem vorhergehende Attacken des IS zurückgewiesen werden konnten, starteten die Islamisten am Montag den Überraschungsangriff, sie setzen dabei auch mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge ein.

Durch das Gebiet des Friedhofs stießen die IS-Kämpfer auf den Junayd-Bezirk und eine wichtige Straßenkreuzung vor. Bei diesem Einbruch in das Stadtgebiet soll der IS 55 Zivilisten erschossen oder enthauptet haben, das berichten übereinstimmend die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Zusätzlich sollen 80 Assad-Kämpfer getötet und etwa 400 Zivilsten entführt worden sein.

Luftwaffe als einzige Hoffnung

Die Loyalisten sind seitdem in einer schwierigen Lage. Eine Kapitulation kommt angesichts des mörderischen IS kaum in Betracht, die christlichen Zivilisten und die überlebenden Soldaten müssten mit dem Schlimmsten rechnen. Die Truppen Assads werden von einem Vorzeigegeneral des Regimes angeführt. Generalmajor Issam Zahreddine gilt als Kultfigur und entschlossener, charismatischer Anführer. Er gehört zur Minderheit der Drusen und neigt zu medienwirksamen Selbstinszenierungen. Bekannt wurde ein Video, auf dem der General hunderte von toten IS-Kämpfern in der Wüste aufreihen ließ, an denen er vorbeimarschierte.

Generalmajor Issam Zahreddine  marschiert an gefallen IS-Terroristen vorbei.

Generalmajor Issam Zahreddine  marschiert an gefallen IS-Terroristen vorbei.

Die syrische und die russische Luftwaffe sollen seit Montag unentwegt im Einsatz sein, um den IS zu schwächen. Doch nur mit Kräften aus der Luft kann ein Gegenschlag nicht gelingen. Ein Gegenstoß auf dem Boden ist schwierig, weil es kaum möglich ist, Soldaten in nennenswerter Anzahl in den umkämpften Kessel zu bringen. Das Regime soll angeblich "Dutzende" von Soldaten mit Hubschraubern eingeflogen haben, sie dürften aber kaum die jüngsten Verluste ausgleichen.

Ein Entsatz von außen ist praktisch unmöglich, weil es keine Regierungstruppen in der Nähe gibt. Der nächste Stützpunkt der Assad-Tuppen war die Wüstenstadt Palmyra, die schon vor einiger Zeit an den IS verloren ging. Zwar gelang es inzwischen, die Situation um Palmyra zu beruhigen, die Stadt selbst konnte aber noch nicht zurückerobert werden. Und selbst wenn die Rückeroberung gelänge, liegen zwischen Palmyra und Deir ez-Zor 200 Kilometer feindliches Gebiet.

Kaum Aufmerksamkeit für die Kämpfe

Über die Kämpfe um Deir ez-Zor wird nur selten berichtet. Vermutlich auch, weil die Enklave von Assad-Truppen gehalten wird. In die Medien schaffte es Deir ez-Zor nur, als die US-Koalition Mitte September 2016 eine wichtige Verteidigungsstellung der Loyalisten bombardierte und dabei viele Soldaten töteten. Durch das Frontloch rückte damals der IS auf die Stadt vor. Die USA behaupteten, der Angriff sei ein Versehen gewesen. Russland und Assad sehen das anders.

Sollte Deir ez-Zor fallen, erwartet die Eingeschlossenen ein Massaker. Nach dem Verlust von Palmyra (Der Fall von Palmyra - Putins erste große Niederlage in Syrien) wäre eine weitere Niederlage aber auch ein schwerer Schlag für die russische Strategie in Syrien. Vermutlich wird Russland daher alles Erdenkliche unternehmen, um einen Erfolg des IS zu verhindern.

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