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Kampf um Al-Bab in Syrien: Türkei verliert drei Leopard 2 – erste Schlacht des deutschen Panzers wird zum Desaster

Deutsche Panzer vom Typ Leopard 2A4 sollen der Türkei helfen, den IS aus Al-Bab in Syrien zu vertreiben. Das ist der erste große Kampfeinsatz für den Leopard, doch in nur zwei Tagen wurden drei Panzer abgeschossen.

Der Screenshot zeigt, wie sich die Rakete (roter Punkt) den beiden Panzer nähert.

Der Screenshot zeigt, wie sich die Rakete (roter Punkt) den beiden Panzer nähert.

Die Welt blickt nach Aleppo, aber auch an anderen Orten in Syrien finden schwere Kämpfe statt. In der Wüstenstadt Palmyra mussten die Truppen Assads eine Niederlage hinnehmen. (Wir berichteten:  Der Fall von Palmyra - Putins erste große Niederlage in Syrien) Von der Weltöffentlichkeit kaum bemerkt, wird nördlich von Aleppo um die Stadt Al-Bab gekämpft. Noch wird die Stadt von der Terrorgruppe IS gehalten, türkische Truppen und verbündete Milizen versuchen jedoch, die Stadt von drei Seiten einzunehmen.

Die türkischen Truppen der Operation "Euphrat Shield" treffen auf zähen Widerstand der Islamisten. Etwa 50 deutsche Panzer vom Typ Leopard 2A4 sollen helfen, diesen Widerstand zu brechen. Zur Einordnung: Die Bundeswehr besitzt insgesamt keine 300 Kampfpanzer - allerdings modernere Versionen des Leopard 2.

Al-Bab ist der Ort, an dem die türkische Armee am tiefsten nach Syrien vorgestoßen ist. Die Stadt ist ein idealer Ausgangspunkt für weitere Offensiven ins syrische Kerngebiet. Um der Türkei dieses Sprungbrett ins Landesinnere zu verwehren, nehmen auch kurdische Kämpfer und Truppen Assads am Rennen nach Al-Bab teil.

Treffer und anschließende Explosion des hinteren Leopard 2.

Treffer und anschließende Explosion des hinteren Leopard 2.

Die erste Schlacht des Leopard 2

Hier rollt der hochgelobte deutsche Panzer zum ersten Mal in eine Schlacht. In Afghanistan haben kanadische Truppen den deutschen Panzer bereits genutzt, dort geriet er aber nur in kleinere Gefechte. Bis zum Erscheinen des russischen T-14 Armata wurde der Leopard 2 in deutschen Medien gern als bester Panzer der Welt geführt. In seiner Zeit war auch der Leopard 2A4 sehr leistungsstark, inzwischen ist er allerdings runde 30 Jahre alt. Umso erschreckender ist seine Performance auf dem Schlachtfeld. Der IS behauptet, in nur zwei Tagen drei Leopard-Panzer abgeschossen zu haben. Eine offizielle türkische Bestätigung gibt es nicht, aber die Kämpfer der Terrororganisation dokumentieren ihre Abschüsse mit Fotos und Videos. Darauf zeigt sich, dass der 62 Tonnen schwere Kampfpanzer eine leichte Beute für Panzerabwehrraketen ist. Der erste Abschuss soll durch eine amerikanische TOW-2 erfolgt sein, die beiden anderen durch Fagot- oder Kornet-Raketen russischer Bauart.

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M1A2 des 3. gepanzerten US-Kavallerieregiments in Tal Afar/Irak.

M1A2 des 3. gepanzerten US-Kavallerieregiments in Tal Afar/Irak.

Die Aufnahmen deuten darauf hin, dass die Anti-Panzer-Crews besser ausgebildet sind als die türkischen Panzerbesatzungen. Der Leopard 2 wurde für das klassische Panzergefecht des kalten Krieges entwickelt. Daher erhielt er eine besonders starke Frontpanzerung. Um das Gewicht des Kolosses einigermaßen unter Kontrolle zu halten, wurde an anderen Stellen gespart. Schwachstelle des Leopard 2 sind die steilen Seiten des Turms. Und genau dort wurden die Panzer unter Feuer genommen.

Angriff aus günstiger Schussposition

Dafür müssen die Panzer-Kommandanten zu weit vorgestoßen sein. Die Kämpfer des IS hingegen müssen kaltblütig in ihrer Stellung ausgehalten haben, als der Gegner drohte, sie abzuschneiden. Alle drei Panzer haben Wirkungstreffer erhalten, in zwei Fällen explodierten die Leopard-Panzer – bei ihnen gibt es keine Überlebenschance für die Besatzung.

Wie schon bei Abschüssen des amerikanischen Abrams-Panzers (Wir berichteten:  Tödlicher Raketentreffer – so verwundbar sind die schweren Panzer) zeigt sich nun auch beim Leopard 2, das einst moderne, aber heute veraltete Panzer Abwehrraketen nichts entgegenzusetzen haben. Der Leopard 2A4 wurde von 1985 bis 1992 gebaut. Ohne entsprechendes Upgrade muss er ohne Elektronik zum Stören von Feindraketen und ohne reaktive Panzerung auskommen. Eine reaktive Panzerung soll einen Treffer im letzten Moment mit einer Explosion absprengen. Auch ist die Art der Panzerung des Leopard 2A4 insgesamt veraltet.

Sollten die Leopard 2A4 tatsächlich durch Raketen vom Typ 9K111 Fagot abgeschossen worden sein, wurden sie Opfer einer noch älteren Waffe. Die von einem Draht gesteuerte Rakete wird seit 1970 verwendet und entspricht in etwa der Milan der Bundeswehr.


Ergänzung: Die Bundeswehr benutzt keine Leopard 2A4 sondern modernere Varianten. 

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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?