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Krieg in der Ukraine Keine Leopard-2-Panzer für Kiew aus Spanien – darum scheiterte der Deal

Bei den spanischen Leopard 2A4 handelt es sich um Modelle, die seit 2008 vor sich hingammeln.
Bei den spanischen Leopard 2A4 handelt es sich um Modelle, die seit 2008 vor sich hingammeln.
© Wikipedia / Commons
Madrid wollte 40 Leopard-2-Panzer für Kiew spenden, nun wird die Offerte abgeräumt. Hat die Bundesregierung die Lieferung torpediert oder sind die alten Panzer einfach nur noch Schrott?

Am Pfingstwochenende elektrisierte eine Meldung die Welt: Spanien war angeblich bereit, der Ukraine 40 Leopard 2A4 Kampfpanzer zu liefern – teilweise war sogar von 54 die Rede. Die Aufregung war groß, denn das wäre das erste Mal gewesen, dass ein ausgewachsener Kampfpanzer – Main Battle Tank – aus westlicher Produktion in die Ukraine geliefert worden wäre. Angeblich sei Berlin von der Idee von Anfang nicht begeistert gewesen, wurde mit Hinweis auf anonyme Quellen berichtet. Nun wurde der Deal endgültig beerdigt. Die offizielle Begründung aus Spanien lautet, die Panzer seien zu marode, um in den Kampf geschickt zu werden. Mehr noch: Auch ohne Feindeinwirkung stellen sie eine Gefahr für die Besatzung dar.

Blickt man auf die spanische Offerte, fällt auf, dass Madrid von Anfang nicht vorhatte, irgendetwas von Wert abzugeben. Aktive Panzer des spanischen Heeres standen nicht zur Debatte, anders also als bei polnischen T-72. Für Madrid haben die ausrangierten Leos nur noch Schrottwert, vielleicht wurden sie auch als Teilespender verwendet. Die fraglichen Panzer wurden bereits 2008 von der Armee in einem Militärstützpunkt in Saragossa eingelagert. Zwischendurch wollte man sie zu Bergepanzern umbauen, gab das Vorhaben aber auf. Vor Jahren wollte Madrid sie an Peru loswerden. Bei der Ankündigung des Kiews-Deals titelte die Zeitung "El Periódico": "Die Leopard-Panzer, die Spanien der Ukraine spenden könnte, wollte Peru nicht mal zum Schnäppchenpreis haben". Die Panzer sind nicht nur 14 Jahre abgestellt, unter ihnen befinden sich auch die 20 Leopard der Brigade Extremadura XI., die, kaum dass sie geliefert worden waren, 1997 von einer Schlammlawine überflutet wurden.

Aufwand von null Euro

Das finanzielle Opfer kann man also mit "null Euro" ansetzen. Auch die notwendige Aufarbeitung wollte Madrid nicht übernehmen – Kiew übrigens auch nicht. Die dafür angesetzten 15 Millionen Euro sollten aus einem Hilfspaket der EU stammen. Der Betrag von knapp 400.000 Euro dürfte auch nur für eine umfassenden technische Überholung ausreichen, aber nicht für eine Modernisierung oder Kampfwertsteigerung. Ungeklärt blieb, wer die weiteren Kosten tragen sollte. Die da wären: Ersatzteile, Munition und Ausbildung der ukrainischen Besatzungen.

Für das Scheitern sind theoretisch mehrere Gründe oder eine Kombination von ihnen denkbar:

1. Hinter den Kulissen hat Berlin deutlich gemacht, dass es dem Export nicht oder nur äußerst ungern zustimmen würde. Um den Verbündeten nicht unter Druck zu setzen, hat sich Madrid eine Ausrede einfallen lassen.
2. Es haperte am Geld. Madrid war nicht bereit, größere Summen aufzubringen. Woanders ließen sich die notwendigen Mittel nicht auftreiben.
3. Der Zustand der Panzer war schlechter als zunächst erwartet und/oder die Aufarbeitung zeitraubender und aufwendiger als erwartet.
4. Die angebliche Übereinkunft, keine westlichen Panzer zu liefern, existiert tatsächlich und Spanien rudert zurück auf die Linie der Verbündeten.

Doch am wahrscheinlichsten ist es, dass Madrid einfach die Wahrheit sagt, und die Panzer Schrott sind. Die Panzer vom Typ Leopard 2A4 hat Spanien in den 90er Jahren zuerst von Deutschland geleast und dann für eine kleine Summe gekauft. Sie waren der Grundstock für eine Modernisierung des Heeres. Hauptaugenmerk lag aber auf dem folgenden Bau einer spanischen Variante des Leopard – dem sogenannten Leopard 2 "ES". Die deutschen Typen wurden dann auch schon vor 14 Jahren außer Dienst gestellt. Auf der Seite des spanischen Heeres werden sie nicht mehr unter den Waffentypen aufgeführt. Offenbar hat man der Ukraine zunächst einfach Panzer versprochen, ohne sie vorher anzusehen. Mitte Juni wurden die alten Leos dann inspiziert. Daraufhin schrumpfte der Umfang von 40 auf nur noch zehn Stück zusammen. Der Rest war nicht zu retten. Es ist denkbar, dass sie als Teilespender kannibalisiert wurden. Und auch die übrigen zehn waren "völlig marode", berichtete Business Insider damals mit Hinweis auf spanische Regierungsbeamte. Vermutlich ist die Zahl seitdem weiter zusammengeschrumpft, bis der Deal keinen Sinn mehr macht.

Zustand war in Spanien bekannt

Auffällig auch, dass Madrid nicht die Idee kam, das ursprüngliche Angebot dadurch einzulösen, dass man aktive Leopard 2ES anbietet, wo die andere Charge unbrauchbar war. Die Salon-Bellizisten in deutschen Talkshows werden weiterhin an eine Scholz-Verschwörung glauben, durch die die Lieferung verhindert wurde. Doch Spanien ist eine Demokratie, wenn die alten Leopard 2A4 tatsächlich in einem guten Zustand sind und munter in einer Kaserne herumfahren können und die Schrott-Story nur eine Ausrede war, würde das schnell durchsickern, weil irgendeiner der beteiligten Regierungsbeamten und Soldaten nicht schweigen würde.


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