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Türkei in Syrien: Wie dieser Leopard-Panzer einen Raketentreffer überlebte

Kurdische Kämpfer griffen einen türkischen Leopard 2A4 mit einer Rakete an, sie detonierte am hinteren Turm. Doch dieses Mal wiederholte sich nicht das Desaster von Al-Bab, als die Türkei in wenigen Tagen zehn schwere Kampfpanzer verlor. 

Syrien: Leopard-Panzer überlebt Raketentreffer

Unter dem friedlichen Namen "Operation Olivenzweig" ist die in Syrien einmarschiert. Dort kämpfen nun türkische Truppen mit verbündeten syrischen Milizen gegen die kurdischen Kämpfer der YPG – die wiederum von den USA ausgerüstet und unterstützt werden.

Exportgut schwere Kampfpanzer

Immer mit dabei: Deutsche Panzer vom Typ 2A4, die an den Nato-Partner Türkei geliefert wurden. Nach Ende des Kalten Krieges hat Deutschland seine mächtige Panzertruppe angebaut und einen Großteil des Materials günstig weitergegeben. Die Türkei erhielt 354 Leopard 2AA, Deutschland selbst besitzt keine 300 Kampfpanzer mehr – die allerdings umfassend modernisiert wurden.

Panzergrab in Al-Bab

Die Leopard-Panzer wurden von der Türkei schon gegen den IS im Kampf um die syrische Stadt Al-Bab eingesetzt. Mit wenig Erfolg, innerhalb kurzer Zeit gingen mehrere Kampfpanzer verloren. Insgesamt sollen es zehn Stück gewesen sein.

Die türkischen Streitkräfte setzten die Panzer nicht für bewegliche Gefechte ein, sondern als statische Artillerie, die von einer Position aus die Stellungen der Islamisten unter Feuer nahmen. Denen gelang es dann offenbar, Panzervernichtungsgruppen in dem unübersichtlichen Gelände hinter der Position der Leopard-Tanks zu positionieren.

Mit vermutlich drahtgesteuerten Panzerabwehrraketen wurden die schweren Panzer ein leichtes Ziel.

Das Dementi: Das Foto soll den Leopard nach dem Treffer zeigen. 

Das Dementi: Das Foto soll den Leopard nach dem Treffer zeigen. 

Schuss von hinten

Nun schien sich diese Situation zu wiederholen. Die kurdischen Kräfte zeigten das Video einer Panzerabwehrrakete, die auf einen türkischen Leopard zuflog. Es ist kaum zu sagen, ob es sich um eine amerikanische TOW oder ein russisches Modell handelte. Die Rakete schien einzuschlagen und explodierte am Turm. Es sah auf den ersten Blick aus, als würde der Panzer explodieren. 

Offenbar haben die türkischen Generäle ihre Lektion nicht gelernt. Denn wieder bewegte sich der Panzer nicht, er sollte den Posten schützen. Die Besatzung suchte Deckung nach vorn – aber dem Gegner gelang es erneut, sich hinter der Stellung zu positionieren. Eigentlich ein sicherer Schutz.

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M1A2 des 3. gepanzerten US-Kavallerieregiments in Tal Afar/Irak.

M1A2 des 3. gepanzerten US-Kavallerieregiments in Tal Afar/Irak.

Glück oder Technik?

Dennoch überlebte der . Ein späteres Foto zeigt das Fahrzeug mit oberflächlichen Beschädigungen am Turm. Zwei Möglichkeiten sind denkbar, warum der Panzer entkommen konnte. Theoretisch könnte die Rakete in dem verbauten Gelände kurz vor dem Panzer auf ein Hindernis gegen eine Mauer geprallt sein. 

Andererseits sind die Panzer teilweise besser ausgerüstet. Auf Videos und Fotos des türkischen Einmarsches ist zu erkennen, dass zusätzliche Boxen an die Türme der Leopard Panzer gehängt wurden. In den Kisten befindet sich eine reaktive Panzerung, die sich unmittelbar vor dem Einschlag einer angreifenden Rakete "absprengen" soll.


Außerdem soll das aktive Abwehrsystem Aselsan Akkor bereits in Dienst gestellt worden sein, eigentlich wurde erst in zwei Jahren damit gerechnet. Bei Aselsan Akkor erfasst ein Radar die angreifende und relativ langsame Rakete, kurz vor dem Panzer wird sie mit einer Art von Schrotschuss-Wolke abgeschossen. Die israelische und auch die russische Armee verfügen über ähnliche Systeme, die bereits in Dienst gestellt worden sind. In Russland handelt es sich um das Shtora-Stör-System (Vorhang), das Hardkill-System Afganit, die israelische  Entwicklung trägt den Namen Trophy. 

Auf dem Foto des überlebenden Panzers sind allerdings keine zusätzlichen Reaktivpanzerungen zu erkennen. Die Module des Aselsan-Akkor-Systems wären aus dem Blickwinkel nicht zu erkennen.

Gut möglich, dass die Besatzung einfach nur gehabt hat.

Anmerkung: In diesem Konflikt gibt es keine von unabhängigen Stellen bestätigten Quellen. Diese Einschränkung gilt auch für das erwähnte Video und das Foto.