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Rüstungsexport: Der Radpanzer Boxer ist Deutschlands heimlicher Exportschlager

Acht Räder, hohe Mobilität und eine wegweisendes Modulkonzept - damit punktet der Boxer. Nach langem Zögern bestellten die Briten über 500 Fahrzeuge.

Der Boxer ermöglicht eine hohe Mobilität mit einem vergleichsweise kleinen logistischem Fußabdruck.

Der Boxer ermöglicht eine hohe Mobilität mit einem vergleichsweise kleinen logistischem Fußabdruck.

Commons

Bei der Bundeswehr wird meist über Pleiten, Pech und Pannen berichtet. Dabei gibt es durchaus Erfreuliches. Etwa der Radpanzer Boxer – einem gepanzerten Fahrzeug, mit dem die Bundeswehr beziehungsweise der Hersteller Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall einen weltweiten Meilenstein gesetzt haben. Entwickelt wurde der Boxer unter Koordination der internationalen Beschaffungsagentur OCCAR.

In der Öffentlichkeit steht der hochmoderne Panzer jedoch im Schatten des betagten Leopard II, dessen geringe Einsatzbereitschaft immer mal wieder für Schlagzeilen sorgte. Auch die Entwicklung des Boxers wurde von Problemen begleitet. Doch inzwischen wurde der Radpanzer mit 1400 ausgelieferten und bestellten Fahrzeugen zur Erfolgsstory. Jüngster Coup: Großbritannien hat über 500 Fahrzeuge geordert.

Achträdriger Radpanzer

Im Aussehen erinnert der Boxer entfernt an die Radpanzer des Zweiten Weltkrieges, wie dem Puma (Panzerspähwagen Sd.Kfz. 234). Mit einem Leergewicht von 25 Tonnen ist der Radpanzer sehr viel leichter als kettenbetriebene Schützenpanzer oder erst recht als die schweren Kampfpanzer. Für einen Radpanzer ist der Boxer allerdings relativ schwer. Dazu bietet das Fahrzeug eine enorme Nutzlast von über 10 Tonnen.

Radpanzer gab es schon immer. Die Streitkräfte der Warschauerpaktstaaten hatten gepanzerter Fahrzeuge mit Rädern im Dienst und nach dem Ende des Kalten Krieges war der Boxer nicht die einzige Neuentwicklung. Doch revolutionär an ihm ist die Trennung von einem Fahrmodul und einem separaten Missionsmodul. Bei einem Fahrzeug kann man die Aufbauten austauschen. Diese Trennung ermöglicht es, gänzlich unterschiedliche Aufbauten für das Fahrgestell zu entwickeln. Das Modul-Konzept des Boxers geht wesentlich weiter, als die russische Entwicklung der Armata-Plattform, die als Basis für verschiedenen schwere Kampfwagen dient.

Briten wieder an Bord

Nun hat auch Großbritannien 523 Boxer bestellt. Dafür mussten die Briten über ihren Schatten springen, denn im Jahr 2003 verließen sie die gemeinsame Entwicklung. Dafür mussten die Soldaten ihrer Majestät einen hohen Preis bezahlen, sagt der britische Militärexperte Nicholas Drummond im Gespräch mit dem stern.

"2011 kam der Boxer nach Afghanistan, wo er eine beeindruckende Leistung zeigte", so der ehemalige Kommandant einer Panzereinheit. "Kein deutscher Soldat wurde in einem Boxer getötet oder verletzt. Im Vergleich dazu erlitt die britische Armee weiterhin Verluste." Denn auch wegen der Trennung von Bodengruppen und dem Modul der Besatzung sei der Boxer weit besser als ältere Fahrzeuge vor Minen und Sprengsätzen geschützt. "Wir hätten den Boxer auch in Afghanistan einsetzen können, anstatt anderer Fahrzeuge mit unzureichendem Schutz."

Für die Briten war 2003 die Frage der Lufttransporte entscheidend gewesen und dort habe sich die Situation verändert. Für die älteren Transporter vom Typ Lockheed C-130-Flugzeug war der Boxer zu schwer. "Nun verfügt Großbritannien über das Transportflugzeug A400M Atlas mit einer Nutzlast von 37 Tonnen, also werden die Boxer luftverladbar sein, so wie wir uns das immer gewünscht hatten."

"Der Boxer definiert eine neue Klasse von gepanzerten Radfahrzeugen, die außergewöhnliche Geländemobilität mit einem hohen Maß an gepanzertem Schutz kombiniert", so Drummond. Die beachtliche Spitzengeschwindigkeit von 105 km/h ist nur ein Indikator, für die Fähigkeiten des Boxer. Neben dem Transporter (APC), dem Sanitäts- und dem Führungsfahrzeug wurden bereits zwei Prototypen eines Schützenpanzers gezeigt. Diese Varianten wären mit einer Maschinenkanone im Kaliber von 30 Millimetern bewaffnet.

Hohen Grad an Einstatzfähigkeiten

Die Entwicklung der vergleichsweise leichten Radpanzer basiert auf einem Schock. Nach dem Ende des Kalten Krieges waren die Brigaden der US-Armee mit überschweren Kampfpanzern und ungepanzerten Humvees ausgestattet. Im Kosovo und später im Irak und Afghanistan bemerkte man, dass man damit zwei gewaltige Nachteile kombinierte. Die schweren Kampfpanzer waren unbeweglich und auf vielen Straßen und Brücken gar nicht einzusetzen, während die meisten Soldaten in ihren Geländewagen weder vor Sprengsätzen, noch vor Mörser- oder MG-Feuer geschützt wurden.

Radpanzer kombinieren dagegen eine hohe Beweglichkeit, einen weitgehenden Schutz der Besatzung und je nach Ausstattung eine vergleichsweise hohe Feuerkraft. Einheiten aus Radpanzern können zudem auf eigenen Rädern in den Einsatzraum gelangen. Kettenfahrzeuge benötigen spezielle LKW, um große Strecken zurückzulegen. Das Gewicht des Transport-Lkws addiert sich dann noch zu dem des Kampfpanzers im Gepäck, was die Zahl der möglichen Straßen und Brücken weiter einschränkt. Die Reichweite eines Boxers liegt dagegen bei 1000 Kilometern auf der Straße. Die Belastung des Fahrwerks eines Radpanzers ist vor allem auf der Straße wesentlich geringer als die eines Kettenfahrzeugs, sodass die Einsatzintervalle zwischen Wartung und Reparaturen wesentlich länger sind.

Weitere Modelle 

Die US-Armee entwickelte den ebenfalls achträdrigen Stryker, der allerdings konventionell aufgebaut ist und nicht über das Modulkonzept des Boxers verfügt. Die sowjetischen Streitkräfte verfügten stets über Radpanzer. Zu den neueren Entwicklungen zählt der Bumerang. Er ist deutlich leichter als der Boxer, allerdings stärker bewaffnet.

Der größte russische Panzerhersteller Uralwagonsawod, von dem die Armata-Plattform und damit auch der T-14 stammen, startete eine Kooperation mit Renault, um neben den Kettenfahrzeugen auch Radfahrzeuge zu entwickeln. In diesem Rahmen wurde 2013 der Atom gezeigt, auch er verfügt über ein modulares Konzept wie der Boxer. Die Zusammenarbeit wurde aber ergebnislos beendet.

OCCAR Boxer

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