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Coating Zweite Haut für Früchte: Schickt diese natürliche Beschichtung die Plastik-Verpackungen in Rente?

Gemüsetheke im Supermark
Noch immer wird Obst und Gemüse oftmals in Plastik gehüllt vermarktet. Eine Alternative könnte die Ummantelung mit natürlichen Rohstoffen sein.
© Jan Woitas / DPA
Die Banane in Plastik, muss das sein? Eine spezielle Ummantelung soll Früchte nicht nur haltbarer machen, sie soll auch den Verpackungsmüll reduzieren. Ist die Alternative wirklich so gut, wie sie klingt?

Muss Obst und Gemüse, das von Natur aus bereits mit einer schützenden Schale kommt, wirklich noch einmal extra verpackt werden? Immer mehr Supermärkte suchen nach Alternativen, um den Verpackungsmüll einzudämmen. Einige setzen inzwischen auf das sogenannte Coating. Dahinter verbirgt sich eine Art zweite Haut für Obst und Gemüse. Die Ummantelung soll die Früchte länger haltbar machen. Der Clou daran: Die Schutzschicht wird aus einer Flüssigkeit aus natürlichen Rohstoffen hergestellt und ist essbar. Es gibt aber auch Haken.

Coating, das ist nichts anderes als eine hauchdünne Schutzschicht, die auf Früchte aufgetragen wird. Die Basis für diese Beschichtung besteht entweder aus pflanzlichen Fetten oder aus Zucker und pflanzlichen Ölen. Hergestellt wird die Flüssigkeit unter anderem aus Lebensmittelabfällen beispielsweise aus der Weinherstellung, dazu zählen Fruchtfleisch und Schalen. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern auch effektiv. 

Coating: Länger frisch durch zweite Haut

Laut Bundeszentrum für Ernährung halten die Früchte mit Coating bis zu dreimal länger frisch als ohne Verpackung. Die Schutzschicht mindere den Flüssigkeitsverlust und reduziere außerdem das Eindringen von Sauerstoff. Erlaubt ist das Coating in Deutschland derzeit allerdings nur bei einigen exotischen Früchten, deren Schale nicht mitgegessen wird. Dazu gehören Melonen, Ananas, Bananen, Avocados, Mangos und Zitrusfrüchte.

Gerade bei letzteren ist die Oberflächenbehandlung nicht neu. Damit die Zitrusfrüchte nicht austrocknen und außerdem eine attraktiv glänzende Schale haben, werden diese oftmals mit Bienenwachs oder Schellack gewachst. Anders sieht das bei frischen Bio-Produkten aus. Diese dürfen weder mit Coating behandelt, noch gewachst werden. 

Verbraucherschützer fordern Kennzeichnung

Coating könnte ein Mittel sein, den Verpackungsmüll zu reduzieren. Derzeit aber sind die Einsparungen noch überschaubar, da in Europa aktuell nur einige Früchte ummantelt werden dürfen und es sich dabei um Produkte handelt, die ohnehin meist ohne weitere Verpackung kommen. Das könnte sich aber in absehbarer Zeit ändern. 

Eine Frau wickelt belegte Brote in ein Bienenwachstuch

Erste Vorstöße, solche Coatings von der Europäischen Kommission auch für Früchte mit essbarer Schale genehmigen zu lassen, gibt es bereits. Was fehlt, das sind  belastbare Daten, wie die Schutzhülle auf Obst und Gemüse wirkt. Seit September forscht daher das Leibniz-Institut im Rahmen eines achtmonatigen Projekts unter anderem daran, ob das Coating Einflüsse auf den Nährstoffgehalt der Früchte hat.

Weitere Probleme sehen die Verbraucherschützer. Derzeit gibt es keine allgemein-verpflichtende Kennzeichnung für Produkte, die mit dem Coating behandelt wurden. Gerade aber für Allergiker sei eine solche Offenlegung wichtig, meint die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Und auch an einem dritten Punkt muss noch getüftelt werden. Die Kunden zahlen für das Coating deftig drauf. Die Verbraucherschützer monieren, dass die Produkte mit der speziellen Ummantelung im Preis etwa doppelt so teuer sind als die ohne.

Quellen: BZfE, Verbraucherzentrale NRW

tpo

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