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Sternekoch Ali Güngörmüs über Konservierungsstoffe in Lebensmitteln: "Finger weg von Fertigprodukten"

Mit dem Essen ist es so eine Sache: Die einen achten darauf, den anderen ist es egal. Warum wir Fertigprodukte eher meiden sollten, erklärt Sternekoch Ali Güngörmüs.

Ein Interview von Denise Wachter

Manchmal ist es doch erstaunlich, wie lange sich bestimmte Produkte im Kühlschrank oder im Vorratsraum halten. So wie die Lebensgeschichte eines Flugzeugsandwiches, das nach über einem Jahr immer noch frisch und appetitlich aussah. Warum? Weil Konservierungsstoffe wie Branntweinessig und Nitiritpökelsalz (E 250) es extrem lange haltbar machen. Und diese gehören in der Lebensmittelindustrie noch zu den harmloseren Varianten.

Sternekoch Ali Güngörmüs kocht in seinem Restaurant Le Canard Nouveau an der Elbchaussee in Hamburg. Seit vier Wochen brutzelt er auch in München in seinem neu eröffneten Restaurant Pageou. Convenience-Produkte sind für Güngörmüs ein rotes Tuch, er ist absolut gegen Fertiggulasch, Fertigpizza und all die anderen Fertiggerichte, die sich in den Supermärkten türmen. Denn sie sind Gift für unsere Körper.

In einem Interview mit dem stern schildert TV-Koch Güngörmüs die Motive, die uns häufig zu Fertigprodukten greifen lassen, und fordert dazu auf, beim Essen wieder häufiger den Kopf zu bemühen.

Herr Güngörmüs, wie kann es sein, dass ein Sandwich ein Jahr nach Ablauf des Mindeshaltbarkeitsdatums immer noch frisch aussieht?

Mich wundert das eigentlich überhaupt nicht. Denn die großen Catering-Firmen müssen sich schließlich gegen jegliche Verderblichkeit absichern. Wenn sich beispielsweise jemand beim Essen eines Sandwiches im Flugzeug vergiftet oder den Magen verderben würde, wäre der Teufel los. Die Firmen könnten sich vor Klagen nicht mehr retten. Deshalb ist heute so viel Chemie in den Produkten. Ist das noch gesund? Natürlich nicht.

In welchen anderen Bereichen muss man mit etwas Ähnlichem rechnen? Kennen Sie konkrete Beispiele?

Eigentlich bei allen Fertigprodukten. In Convenience-Gerichten wie Ravioli aus der Dose, abgepacktem Gulasch, Rotkohl, Apfelmus. Alles, was mit Zusatzstoffen sterilisiert und konserviert wurde. Der Konsument ist selbst schuld daran. Er sollte die Finger von solchen Sachen lassen, damit die Firmen, die diese Produkte anbieten, nicht noch weiter wachsen.

Was ist eigentlich das Schlimme an Convenience-Food?

Für mich persönlich ist das Schlimmste das Ausmaß, das Fertigprodukte eingenommen haben. Ich bin ein Sternekoch, ich setze mich für frische Produkte ein und bin absolut gegen Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker.

Warum essen wir heutzutage so viele Fertigprodukte? Ist es wirklich nur die Bequemlichkeit?

Ja, vielleicht auch das. Aber eigentlich denken die Leute, dass es günstiger ist, Fertigprodukte zu kaufen, als frische Lebensmittel. Das ist ein Irrtum. Heutzutage nimmt man sich einfach nicht mehr genug Zeit fürs Essen. Es gibt viele Restaurants, die super Lunch-Menüs anbieten, zu einem tollen Preis-Leistungs-Verhältnis. Trotzdem sind die mittags nicht voll. Der Konsument hat heute einfach keine Zeit mehr und ist auch nicht bereit, so viel Geld auszugeben. Ein Fertiggericht geht schnell, denkt der Verbraucher. Das ist schade. Denn seinem Körper tut man damit nichts Gutes. Wir müssen beim Essen wieder den Kopf bemühen. Bewusst essen. In Ruhe genießen und Aromen herausschmecken. Das wünsche ich mir.

Essen Sie jemals Fastfood - egal, in welcher Form?

Absolut nie. Aber ich muss zugeben, dass ich auch mal Pizza esse. Aber auch dann gehe ich dorthin, wo ich weiß, dass das Restaurant frische und gute Zutaten verwendet.

Was essen Sie, wenn es mal schnell gehen muss?

Wieso sollte man zum Beispiel nicht in eine Suppenküche gehen und sich eine Suppe holen? Das mache ich manchmal. Wenn ich es eilig habe, hole ich mir auch mal eine Butterbreze oder auch mal ein gutes Sandwich. Ich versuche, mich immer irgendwo hinzusetzen. Wenn ich zum Beispiel am Bahnhof bin, setze ich mich hin und esse Reis mit Gemüse. Fleisch und Fisch bestelle ich dort nicht. Aber zumindest sitze ich.

Wenn Sie den Verbrauchern einen Rat geben müssten, wie würde der lauten? Sollte er wieder Möhren und Kartoffeln pflanzen?

Nein, das ist Quatsch. Die Zeiten sind vorbei, wo wir alles selber machen müssen. Aber es gibt gute Restaurants, Bistros und auch gesunde Fastfood-Ketten, die ihre Gerichte noch frisch und mit Liebe zubereiten. Und ja, manchmal finde ich, sollte man nicht nur aufs Geld gucken. Denn für ein, zwei Euro mehr kriegt man oft auch mehr Qualität. Finger sollte man von Massenware lassen und von unpersönlichen Restaurants. Und jedes Gericht sollte mit Würde gekocht werden. Schließlich muss man hinter seinem Produkt stehen können. Dann kann man auch bereit sein, mehr Geld auszugeben.

Vielen Dank für das Gespräch!

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