Bauermarkt in Frankreich Das Paradies in der Provinz

Schlemmen im Schlaraffenland - auf ihre Bauernmärkten lassen es sich die Franzosen gut gehen. Was bei uns ein Feinschmeckerparadies wäre, gibt es dort in jedem Kaff. Beispielsweise in Soumensac, einem unscheinbaren Dorf am Rande des Perigord. Wieso gibt es so etwas nicht auch bei uns?
Von Bert Gamerschlag

Fünf Meter misst der Weg zum Glück. Vom Stand zum Tisch. Jetzt sitzt man da mit seinem Spieß, ist deutsch und staunt. Wie ist das alles lecker. Und ganz normal! Französisch eben. Erst einen Happen Entenbrust - "magret de canard" -, fleischsaftig, süßsalzig, zartwiderständig. Dann einen Happen Pflaume - "pruneau mi-cuit" -, schwarzviolett, balsamcremig, fruchtigreif. Schließlich einen Happen ohmeingott Entenstopfleber - "foie gras". Sie ist ein fetter Frevel, ja. Aber verdammt, ein geiler Frevel.

Man kaut und schluckt und klärt den Mund mit dem Rosé vom Rebhang zu seinen Füßen - und während man den Teller langsam leert, ist man gedanklich schon auf den Weg zum Glück zurück, vom Tisch zum Stand. Fünf Meter, sechs, sieben - es sind so viele Stände. Was kommt jetzt? Ein Viertel Perlhuhn vom Grill (fünf Euro)? Welsspieß mit Zitrone (fünf Euro)? Schnecken in Kräuterbutter (fünf Euro)? Entenwurst (drei Euro)? Neunauge in Rotweinzwiebeln (sechs Euro)? Krosse Fischchen (sechs Euro)? Das hängt auch von der Schlange ab, von all den anderen Fressern, die schon anstehen und einem in die Rippen stoßen: "Junge, schmeckt's? Probier die Himbeertörtchen. Nimm vorher noch vom Knüppelbrot und von dem Käse da."

Ferien in Soumensac

Stundenweise auf den Markt kann jeder. Aber Ferien in Soumensac, das geht nur wochenweise - indem man ein Häuschen mietet. Davon gibt es ganze vier ganz hübsche, bei:
Jacques et Annie David, 47120 Soumensac, E-Mail: jacques.j.david@wanadoo.fr, Tel.: +33/553/890262 oder +33/ 687/601433, www.soumensac-locations.fr

Christine Lacroix, Le Bourg, 47120 Soumensac, E-Mail: crik.lacroix@wanadoo.fr, www.vacancesfrance.com, dort: "La Tour", Ref 2000, sowie: "Le Paddock", Ref 2116

Oui, sagt man, bien sÛr, d’accord und pourquoi pas. Es ist ein wenig anstrengend, wenn man nicht recht Französisch kann und nur die Hälfte kapiert. Sind ja Wasserfallredner, die Franzosen. Sie klappern mit dem Messer und plappern mit dem Mund und singen aus voller Kehle zu den Chansons des Quetschkommodenspielers, der das Zeug von früher aus den Armen schaukelt: "La mer", "Le temps des cerises", "Ah, si vous connaissiez ma poule!"

Fresserglück im Schlaraffenland

Anders wäre das Schlaraffenland auch gar nicht zu haben als für viele. Nur wenn Scharen kommen, kann der Markt leben. Denen, die es tun, es sind immer ein paar Hundert, steht Fresserglück im Auge. Mensch, das müsste doch wohl auch bei uns noch hinzukriegen sein, so ein sonntäglicher Fressmarkt, in der Uckermark - sowie im Allgäu. Kann das nicht einer organisieren, nach dem Muster von Soumensac? Dieses Dorf macht es vor.

Hier können Sie das stern-Schlemmerpaket aus Soumensac bestellen:

Das stern-Paket aus Soumensac
Preis: 99 Euro frei Haus
Kontakt: Tel.: 0180/506 20 00*,
Fax: 0180/508 20 00*, Online: www.stern-webshop.de,
E-Mail: service@guj.com,
Post: stern-Versandservice, Werner-Haas-Straße 5, 74172 Neckarsulm

*14 Cent/Min. aus dem dt. Festnetz, Mobilfunkpreise können abweichen

Ist nur ein Kaff in Südwestfrankreich, nichts Besonderes. Kein Strand ist da, kein Gebirge, keine Schlucht, kein See, kein Wasserfall. Nichts Dramatisches, was die Leute anzöge, solche in Bussen gar. Weil der Markt dort funktioniert, wo nichts ist, müsste er eigentlich überall funktionieren, in jeder Gegend ohne großes Geld.

Das Gelage dauert Stunden, danach blau ein Nickerchen

Nur Kulturland ist zu sehen, uraltes Kulturland mit Rindern, Wein und Pflaumenbäumen. Das Dorf hat kein Hotel und keine Kneipe, kein Café und keinen Laden (wohl kann man hübsche Häuschen mieten). Und trotzdem trifft sich hier im Sommer immer sonntags die ganze Gegend zu gedehnten Schmäusen. Sie kommen und sitzen an langen Tischen unter Linden und schauen tief ins Land, denn Soumensac liegt auf einer Höhe. "Marché fermier" heißt der Zauber, Bauernmarkt, wo es aber anders als bei uns die Sachen schon gegart gibt und nicht roh (wenngleich das auch). Ein Gelage ist das, "la grande bouffe", und es dauert Stunden. Bis alle satt sind - und natürlich blau und sich zurückziehen zur "sieste", dem Nickerchen. Denn bald kommt ja der Abend, und man will zum nächsten leckeren Essen wieder fit sein, "n'est-ce pas"?

Gänseleberdealer und Frittentante

Um sechs Uhr in der Früh schon tuckert der Bürgermeister mit dem Trecker durchs Dorf, er fährt und stellt die Tische hin, klappt die Stühle auseinander. Dann fahren auch die Bauern an und bauen die Stände auf - der Gemüsemann, die Käsefrau, der Gänseleberdealer, die Frittentante. Der Hühnergriller richtet sein mobiles Inferno ein und bringt die Vögel auf den Spieß, fette Gesellen von der Kuhwiese, die gestern noch locker jedem Auto davongelaufen sind, beim Queren der Straße. Monsieur backt kleine dicke Kürbispfannküchlein, Madame hauchdünne Crêpes, ein Britenpaar, Auswanderer, bietet Himbeeren und Cassis an, schwarze Johannisbeeren. Die gibt's als Törtchen und als Crumble, en français Krömmböll gesprochen. Die lokalen Winzer sind natürlich da.

Von zehn bis zwölf wird verpackte Ware verkauft, Pasteten, Gänseleber, Pflaumenkernöl und Pflaumen, roher Hühnerbraten (entbeint, mit Farce gefüllt, fertig gerollt und vakuumiert), Käse, Konfitüre, Kuchen - Brot natürlich auch und Salate und Obst und Gemüse, alles bio. Das alles schleppt man fix nach Hause in den Kühlschrank und ist um zwölf zurück, setzt sich mit Korkenzieher, Gläsern, Tellern und Besteck an einen Tisch und lässt sich's gut gehen. Einfach gut gehen lässt man es sich und gönnt sich was. Ah, la belle vie.

All das geschieht unter dem Hut der Landwirtschaftskammer, mit einer Satzung, die die Qualitätsstandards setzt und hochhält. Will einer mitmachen, muss er unterschreiben. Das Bauernmarktkomitee regelt, wer wo seinen Stand hat, wer vorher die Stühle organisiert und nachher den Müll entsorgt. Am Ende der Saison wird nachgekartet: Was lief nicht, wie kann man es besser machen nächstes Mal? Nur Produzenten sind dabei. Händler, die nur Großmarktzeug kaufen und verkaufen, müssen draußen bleiben.

Gusto-Paket für den stern fängt Geschmack von Soumensac ein

Weil ihre Betriebe zu klein sind, um selbst zu exportieren, hat der stern bei den Leuten von Soumensac eingekauft und ein Gusto-Paket zusammengestellt, das den Geschmack des Sommermarkts von Soumensac einfängt - ein wenig wenigstens. Die Sachen passen gut zu Weihnachten, sind aber so konserviert, dass sie auch deutlich länger halten.

Jedes Paket enthält sechs Produkte: einen Viertelliter Pflaumenkernöl, das wie flüssiges Marzipan riecht - für unvergessliche Vinaigrettes; 500 Gramm Pflaumen "pru-neaux mi-cuits" (mit deutschen Darmpflege-Backpflaumen haben sie nichts zu tun; "mi-cuit" heißt, die Pflaume durfte sich ein wenig im Ofen auf ihren Sinn im Leben konzentrieren, sie ist haltbar schon, aber nicht ledrig dröge); 200 Gramm Entenstopfleber von lokalen Tieren (als Konserve, so essen es viele Franzosen); drei Flaschen Rotwein vom Bioweingut "Mouthes Le Bihan" am Fuße des Hügels von Soumensac, darunter eine Flasche der mittleren Qualität 2006 "Vieillefont" und zwei Flaschen der Spitzenqualität 2006 "Les Apprentis".

Da es nur kleine Produzenten sind, ist die verfügbare Menge begrenzt: 600 Pakete gibt es, zum Preis von 99 Euro, alles inklusive. Passende Rezepte für die Verwendung der Pflaumen, für eine Vinaigrette mit Pflaumenkernöl, für die Präsentation der Entenleber und ferner eine Beschreibung der Weine haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Weitere leckere Lebensmittel finden Sie unter www.stern.de/foodplus.

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