Einfach vegan Vegan – eine antike Idee

Einfach vegan: Vegan – eine antike Idee
Sie wollen sich über vegane Ernährung informieren und sich mit Veganern austauschen? Oder sind sogar selbst Veganer? Dann ist der erste November Ihr Tag. Denn dann ist Weltvegantag.

Das Wort Vegan wurde 1944 von Donald Watson erfunden. Er glaubte, dass ein Vegetarier nicht nur auf Fleisch verzichten sollte, sondern auch auf Eier und Milch. Watson suchte deshalb einen Begriff, mir dem er sich von den Vegetariern, die nur auf Fleisch verzichten, abgrenzen konnte. Bis dahin wurden sowohl die, die kein Fleisch essen, als auch die, die auch Milch und Eier ablehnten, gemeinsam als Vegetarier bezeichnet. In seinem ersten Newsletter von 1944 schreibt er, dass die Produktion von Eiern und Milch eng mit der Fleischindustrie verwoben ist, und dass die moralische Weiterentwicklung des Menschen zwangsläufig dazu führen muss, keine Tierprodukte mehr zu konsumieren. Er sagt, der Mensch sei der Parasit der niederen Lebensformen und unsere Gesellschaft baue auf die Ausbeutung von Tieren, wie die Gesellschaften vor uns auf Sklaven gebaut gaben. Watson besteht auf eine klare Abgrenzung von den Vegetariern, da die für ihn nur den halben Weg gegangen sind. Seine Gruppe bestand damals aus 25 Gleichgesinnten. Mitglied konnte nur werden, wer auch nach deren Kriterien lebte.

Nach Watsons Regeln leben die Veganer auch heute. Sie lehnen im Allgemeinen die Verwendung tierischer Produkte ab. Sie essen weder Fleisch, noch Fisch, Eier, Milch oder Honig. Leder, Seide, Wolle und Pelze sind für sie nicht tragbar. Per Definition ist jemand, der sich vegan ernährt, aber Lederschuhe trägt, kein Veganer. Ich selbst bin zum Beispiel eigentlich auch keiner, weil ich auf Reisen und bei Einladungen ab und zu ein Auge zudrücke und ein vegetarisches Essen annehme. Zu Hause, im Büro und unterwegs in der in der Großstadt ist es aber kein Problem für mich komplett vegan zu bleiben. Auch ein paar Freunde von mir kochen und backen immer öfter vegan, so wird es für mich immer einfacher dabeizubleiben.

Die erste Erwähnung

Watson war nicht der Erfinder des Veganismus. Die grundsätzliche Idee vom veganen Leben ist schon so alt, dass es dafür weder den Begriff vegan noch vegetarisch gab. Die Pythagoreer oder Orphiker sind die ersten erwähnten Vegetarier oder Veganer. Die Orphiker waren eine religiöse Gruppe, die auf Fleisch und Eier verzichtete. Und der Begriff Pythagoreer geht auf den Griechen Pythagoras zurück, so wurden ursprünglich Anhänger seiner philosophischen Schule genannt. Pythagoras sprachen antike Schreiber zu, dass er gegen die Tötung von Tieren war und sich pflanzlich ernährte, weil er meinte, dass Tiere mit uns in psychischer und physischer Hinsicht verwand seien. Obwohl es unklar ist, wie Pythagoras im Detail wirklich lebte, ob er wirklich kein Fleisch und keine Eier aß, wurde der Begriff Pythagoreer bis ins 19. Jahrhundert auch für Vegetarier und Veganer benutzt. Plutarch, ebenfalls ein Grieche, der im ersten Jahrhundert im römischen Reich lebte, sah in dem Töten und Quälen von Tieren ein Gräuel und glaubte, dass diese Gräueltaten an den Tieren die Menschen an sich auch gewalttätig machen und sie in Kriege führt.

Die Aufklärung

Im 18. Jahrhundert schreibt Rousseau über das Entsetzen in den Schlachthäusern und ist der Meinung, dass eine fleischlose Ernährung zu einem gutmütigeren Charakter führt. Während der französischen Revolution gibt es zahlreiche Stimmen, die mir der Befreiung der Menschen auch eine Befreiung der Tiere fordern. Sie sahen, wie auch später die Arbeiter im Zeitalter der Industrialisierung, einen Zusammenhang zwischen der Ausbeutung von Tieren und ihrer eigenen Ausbeutung. Dieses Denkmodell spielt auch in der Befreiung der Sklaven eine Rolle. Benjamin Lay, der sich dafür einsetzte, verzichtete auf Erzeugnisse aus Sklavenarbeit. Er machte dabei keinen Unterschied zwischen Mensch und Tier und lehnte es deshalb zum Beispiel auch ab, auf seinen Reisen zu reiten.

Knechte der Industrialisierung

Auch Joseph Brotherton, Gründer der ersten vegetarischen Gesellschaft von 1847, der Vegetarian Society, sah einen Zusammenhang zwischen geknechteten Menschen und geknechteten Tieren. Er setzte sich nicht nur für eine Befreiung der Tiere, sondern auch für die Beendigung der Todesstrafe und eine Abschaffung von Sklaverei und Kinderarbeit ein.

1868 wird in Deutschland die Vegetarische Gesellschaft Stuttgart gegründet. 1892 der Vegetarierbund, bei dessen Gründung auch Tolstoi eine wichtige Rolle spielte. Für ihn war der Vegetarismus die erste Stufe zu einem moralischen Leben. 1908 ist der erste Tag der Internationalen Vegetarier Union. In der Schweiz spielt Maximilian Oskar Bircher-Benner eine wichtige Rolle, ihm verdanken wir das Bircher-Müsli. Albert Schweitzer, der eine tiefe Ehrfurcht vor dem Leben empfand und sich Gedanken über eine Ethik gegenüber Tieren machte ist der Namensgeber der Albert-Schweitzer-Stiftung. Sie setzt sich für Tierschutz und eine vegane Lebensweise ein.

Einfach vegan: Aus meiner veganen Küche. Fotos: Derik Meinköhn
Aus meiner veganen Küche. Fotos: Derik Meinköhn

Alternative zu Fleisch

In Deutschland leben heute, je nach Studie, ein halbes bis ein Prozent der Menschen vegan. Das ist nur eine kleine Anzahl, die aber einen großen Einfluss auf den Rest der Bevölkerung hat, was man schon daran sieht, dass der Verkauf von veganen Produkten rasante Zuwächse erfährt. Viele, die diese probieren, möchten kein Fleisch mehr essen, sie möchten nicht mehr verantwortlich sein für gequälte Kühe, Schweine oder Hühner und sie suchen nach Alternativen. Wie es jemandem geht, der es ausprobiert vegan zu leben, kann man auf meinem ersten Blog lesen. Mich haben damals die unglaublich fitten, veganen Sportler fasziniert und ihre sehr lecker aussehenden Gerichte wollte ich unbedingt probieren. Mein Selbstversuch sollte eigentlich nur zwei Monate dauern und er war eigentlich pünktlich zur Grillsaison beendet. Auf dem Grill landeten dann aber statt Steak ein paar selbst gemachte vegane Burger aus dem Kochbuch von Atilla Hildmann.


Wissenscommunity


Newsticker