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Öko-Test prüft Grillwurst: Unter aller Sau – 4 Euro für Würstchen sind einfach zu wenig

Grillwürstchen aus Schweinefleisch sind Fließbandprodukte. Rückverfolgbar sind sie nicht. In einer Charge werden bis zu Zehntausende Schweine verarbeitet, von verschiedenen Höfen. Aber wie gut sind die Produkte wirklich? Öko-Test kennt die Antwort.

Grillwürstchen

Rund zwei Milliarden Packungen Grillwürstchen werden allein in einer Wurstfabrik produziert. Jedes Jahr.

Wie sieht es eigentlich mit der Qualität von Grillwürstchen aus? Eine Frage, die sich Öko-Test gestellt hat. Sie haben 20 Produkte unter sie Lupe genommen, um herauszufinden, wie es um die Rückverfolgbarkeit, die Transparenz der Hersteller und die Haltungsbedingungen der Schweine steht. Ihr Gesamturteil ist klar: unter aller Sau. Nur drei konventionelle Produkte erhalten das Urteil "Gut" – zumindest was die Inhaltsstoffe angeht: "Gustoland Rostbratwurst" (1,84 Euro immer pro 500 Gramm) von Aldi Süd, "K-Classic Delikatess Rostbratwurst" (1,84 Euro) von Kaufland und "Tip Original Thüringer Rostbratwurst" (2,29 Euro) von Real.

Was das Tierwohl betrifft, fallen alle konventionellen Grillwürstchen durch und schaffen nur "Ausreichend" und "Ungenügend". Sechsmal wird das Gesamturteil "Ungenügend" vergeben: "Eberswalder Rostbratwurst ohne Darm" (3,49 Euro), "Grillmeister Rostbratwurst" (1,89 Euro) von Lidl, "Ja! Delikatess Rostbratwurst" (1,84 Euro) von Rewe, "Kupfer Original Nürnberger Rostbratwürste" (3,32 Euro), "Meica Bratmaxe" (5,58 Euro) , "Penny Rostbratwurst" (1,84 Euro) und "Wolf Original Thüringer Rostbratwurst" (2,39 Euro)

Bio-Produkte können punkten

Testsieger sind vor allem die Bio-Produkte – beispielsweise "Alnatura Bratwürstchen" (7,48 Euro) oder die "Basic Rostbratwürstchen von Bioland" (9,34 Euro). Beide Produkte erhalten das Gesamturteil "Gut". Sowie "Königshofer Original Nürnberger Bio-Rostbratwürste" (8,73 Euro) von Dennree und "Packlhof Rostbratwürstl, Bioland" (9,14 Euro)

Mineralöle und Phosphate in Grillwürstchen

Phosphatzusätze und Mineralölrückstände sind vor allem in den konventionellen Produkten enthalten. Die "Eberswalder Rostbratwurst ohne Darm" schießt den Vogel dennoch ab: Das Labor hat einen sehr ungewöhnlich hohen Rückstand eines Antibiotikums gefunden. Außerdem Phosphate und stark erhöhte Mineralölrückstände. Für Öko-Test reichte ein "Ungenügend" kaum noch aus.

In 14 von 20 Grillwürsten stecken Mineralölrückstände. Für Öko-Test sei das "überraschend viel". Die Rückstände könnten aus den Kunststoffverpackungen stammen und sich im Körper anreichern. In Tierversuchen führte dies zu Organschäden.

Alle konventionellen Bratwürste enthalten übrigens Phosphate. Außer die "Meica Bratmaxe" und die Bioprodukte. Nach EG-Öko-Verordnung sind Phosphate verboten. Zuviel davon könnte den Nieren schaden und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern.

Der hohe Preis fürs Billigfleisch

Auch die Tierhaltung war für Öko-Test ein Bewertungskriterium. Dabei sieht das durchschnittliche Bild, also der Produktionszyklus eines Mastschweins, alles andere als rosig aus, eher wie ein Schreckensszenario: Höchstens drei Tage alt ist ein Ferkel, dessen Ringelschwanz ohne Betäubungsmittel abgeschnitten wird. Fürs Mastschwein heißt es, möglichst schnell, möglichst viel zunehmen: 800 bis 900 Gramm pro Tag. Das Futter besteht aus Kraftfutter, es gibt keine Bewegungsmöglichkeiten, die Tiere stehen auf Spaltböden und verletzen sich an Klauen und Gelenken, dadurch kommt es zu schmerzhaften Entzündungen. Auf dem Weg zum Schlachthof hat ein 110 Kilogramm schweres Mastschwein gerade mal einen halben Quadratmeter Platz. Dann werden die Tiere betäubt – mit Strom oder Kohlendioxid. Beide Methoden funktionieren nicht zu 100 Prozent. Einige der Schweine werden auch ohne vorheriger Betäubung getötet. 

Natürlich gibt es auch in der Bio-Branche Probleme. Etwa die betäubungslose Kastration von Ferkeln. Dennoch zeichnet sich bei den Bio-Bauern ein deutlich besseres Bild ab als in der konventionellen Tierhaltung: Die Schweine haben Stroh, leben nicht auf Vollspaltböden, bekommen keine Antibiotika. Außerdem haben sie mehr Platz, Auslauf, bekommen kein gentechnisch verändertes Futter und die Schwänze werden nicht kupiert.

Öko-Test rät zu Bio-Würstchen

Öko-Test rät davon ab konventionell hergestellte Grillwürstchen zu kaufen. Weniger sei mehr – das gelte für Fleisch ganz besonders. Damit tut man sich einen Gefallen, weil man phosphatfreie Würstchen bekommt und man tut den Tieren einen Gefallen, weil Schweine in Bio-Haltung unter besseren Bedingungen leben. Wer außerdem nur wenig Fleisch kauft, kann dafür auch tiefer in die Tasche greifen.

Hier geht es zum Test in voller Länge!

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