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Kulinarische Liebeserklärung Liebes Franzbrötchen, ich werde dich vermissen.

Dieser Anblick lässt das Herz unserer Praktikantin höher schlagen.
Dieser Anblick lässt das Herz unserer Praktikantin höher schlagen.
© Getty Images
Hamburg ist neben Fischbrötchen und Labskaus vor allem auch für sein Franzbrötchen bekannt. Das Besondere: Das süße Gebäck gibt es nur in und um die Hansestadt - zum Leidwesen unserer Praktikantin, die nach drei Monaten mit Franzbrötchen bald wieder darauf verzichten muss.
Von Laila Keuthage

Seit ich Anfang März zum ersten Mal in ein Franzbrötchen biss, quält mich diese eine Frage: Wie, um Himmels Willen, soll ich jemals wieder ohne dieses zimt- und zuckersüße Feingebäck leben?

Es ist Liebe.

Als es erstmals meinen Gaumen zart umschmeichelte, wurde mir eines schlagartig bewusst: Ich bin süchtig. Ich hatte sie alle - Schanzenbäckerei, Le Crobag, Brotkorb, diverse Biobäckereien. Doch eines sonnigen Sonntags folgte ich dem gut gemeinten Rat einer Kollegin und pilgerte in den beliebten Hamburger Stadtteil Eimsbüttel. Eine viertel Stunde Schlangestehen später war es dann so weit: Ich probierte das berühmte Franzbrötchen der Kleinen Konditorei. Und während ich ein, zwei, drei Exemplare binnen Minuten verschlang, wurde mir klar: Es ist mehr als eine Sucht. Es ist Liebe. Ich bin verliebt in ein Gebäck. Und mein Herz zerspringt in tausend Stücke bei dem Gedanken an unsere baldige Trennung.

Nach drei Monaten an deiner Seite kehre ich nun zurück in meine Heimat: Köln, die Stadt des halven Hahns. Kulinarisch habe ich mich zwischen Flöns und Himmel un Ääd nie heimisch gefühlt. Dein Hefe-Plunderteig weiß mich da viel eher zu verzücken, Zimt und Zucker schmeicheln meinen Geschmacksnerven. Lange habe ich nicht gewusst, was mir zu meinem grenzenlosen Glück fehlte. Hier hab ich es nun gefunden, mein Glück, doch diese Liebe ist zum Scheitern verdammt. Romeo und Julia, Tristan und Isolde, Franzbrötchen und Laila.

"Ich werde dir nicht abschwören."

Unsere Liebe ist so besonders, gerade weil sie nicht sein soll. Das Wissen um den bevorstehenden Abschied war immer ungeliebter Begleiter in unseren schönsten Momenten. Beim Spaziergang an der Alster, als du mir erzähltest, wie Johann Hinrich Thielemann dich im 19. Jahrhundert schuf. Bei der Hafenrundfahrt blicktest du zurück auf deine jungen Jahre, als deine Rezeptur in der "Franz'schen Bäckerei" perfektioniert wurde - die Backstube übernahm Thielemann damals von einem Franzosen. Während eines abendlichen Streifzugs über die Reeperbahn klärtest du mich über deine Vorfahren auf, die skandinavischen Hefe-Plunderteilchen. Gemeinsam wollten wir sie eines Tages in Schweden und Finnland besuchen.

Doch unsere Pläne sind utopisch, unrealistische Zukunftsmusik. Eigentlich halte ich nicht viel von Fernbeziehungen - zu groß die Sehnsucht, zu selten ein Wiedersehen. Doch je unmöglicher unsere Romanze scheint, desto stärker wird das Band unserer Liebe. Ich werde dir nicht abschwören. Ich werde dich nicht vergessen. Und das will ich auch gar nicht. Ich werde dir treu sein. Kein Berliner, keine Zimtschnecke, kein Puddingteilchen kommt mir in die Papiertüte. Und wenn ich Zeit meines Lebens auf Gebäck verzichten muss - du bist es mir wert. Unter Tränen schreibe ich diese Zeilen. Abschied nehmen ist schwer, doch eines ist gewiss: Es wird der Tag kommen, an dem ich zwischen Brauhäusern und Büdchen meine eigene kleine Franzbrötchen-Manufaktur eröffne. Und dann, liebstes Franzbrötchen, werden wir für immer und ewig vereint sein.


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