HOME

Kellner-Gehalt: Milliardär kassiert versteckten Zuschlag im Luxus-Restaurant - um Mindestlohn zu zahlen

Drei Prozent hat das Oceanaires Restaurant in Washington heimlich auf die Rechnung aufgeschlagen – wegen des Mindestlohns. Die Kunden sind empört, sie glauben an eine politische Kampagne, denn das Restaurant gehört einem Milliardär und Trump-Supporter.

In den USA gibt es eine hitzige Diskussion wegen der Anhebung des Mindestlohns in der Gastronomie. (Symbolfoto)

In den USA gibt es eine hitzige Diskussion wegen der Anhebung des Mindestlohns in der Gastronomie. (Symbolfoto)

Das Oceanaires Restaurant gilt als einer der besten Adressen für Fisch und Meeresfrüchte in Washington D.C. – das Essen soll fantastisch sein, die Preise sind allerdings gesalzen, wie man auf Tripadvisor erfahren kann. Die Online-Karte weist leider keine Preisinformationen auf – ein sicheres Zeichen für das gehobene Preissegment.

Doch trotz der hohen Preise scheint der Luxus-Tempel offenbar schwer am Mindestlohn zu knabbern. Auf seiner Rechnung entdeckte ein Kunde die Notiz: "Wegen der steigenden Geschäftskosten, darunter auch die Kosten, die mit dem Mindestlohn zusammenhängen, wird ein Zuschlag von drei Prozent auf ihre komplette Rechnung addiert." Das berichtet die "Washington Post". Der Kunde namens Brian postet ein Bild der Rechnung auf einem lokalen Blog.

Hetze gegen die Angestellten

Sofort schwappte eine Empörungswelle hoch. Das Oceanaires hat sich gleich zwei Missgriffe erlaubt. Zum einen ist es mehr als ungewöhnlich und vermutlich auch nicht legal, den Kunden nach Verzehr mit einem ihm unbekannten Aufpreis zu konfrontieren, der nicht auf den Karten ausgewiesen ist. Zum anderen ist es mehr als fraglich, dass die drei Prozent auf den Anstieg des Mindestlohns zurückzuführen sind.

"So ein Schweine-Manöver. Erhöht die Preise, wenn es sein muss, aber versucht nicht, die Erhöhung zuerst zu verstecken und das Problem dann auf die Angestellten zu schieben, die ihren Lebensunterhalt verdienen müssen", lautete ein Kommentar. "Das ist so gemein. Da werden die Kunden in die Richtung manipuliert, den Angestellten vorzuwerfen, dass die ein Einkommen benötigen, von dem man leben kann", ein anderer.

Besitzer ist Trump-Supporter

Besondere Brisanz erhält der versteckte Preiszuschlag, weil Tilman Fertitta, der Geschäftsführer von Landry, der Firma, der das Oceanaires gehört, sich gern "Amerikas reichster Restaurantchef" nennen lässt. Hinzu kommt, dass er ein bekennender Trump-Fan ist, auch das kommt in Washington nicht gut an. Manche User vermuteten ein politisches Statement gegen den Mindestlohn in dem Vorgehen. Kaum wurde die obskure Preispolitik im Oceanaires bekannt, schauten die Kunden auch bei anderen Landry-Restaurants, die in der Nähe von Washington liegen, genauer auf den Bon und  entdeckten dort auch den versteckten Zuschlag. 

Sterneküche für zu Hause: So gelingt der Rinderbraten - wie im Sterne-Restaurant

An einen Zufall kann man da kaum glauben. Nach der Berichterstattung entschied das Management, den Zuschlag mit sofortiger Wirkung nicht mehr zu erheben. "Als Reaktion auf das jüngste Feedback, werden wir den Zuschlag nicht mehr erheben. In Zukunft werden traditionelle Maßnahmen wie steigende Menüpreise ergreifen, um die steigenden Kosten in unserem Geschäftszweig aufzufangen", hieß es in einem ersten Statement. In einem zweiten Schreiben distanzierte sich Fertitta von dem Zuschlag und versprach allen Kunden, die noch eine Quittung mit Zuschlag besitzen, , die drei Prozent zurückzuerstatten.

Das verdient ein Kellner

Der Mindestlohn für Kellner ist übrigens wegen des Trinkgelds außerordentlich niedrig. Er beträgt in Washington D.C. derzeit 3,33 Dollar und soll bis 2020 auf sagenhafte fünf Dollar steigen.