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40 days of eating: Hühnerfüße in Mitte, Burger-Babys in Kreuzberg

40 Tage lang essen. Jeden Tag in einem Restaurant, das andere aussuchen. Berliner Zwillinge testen die Flexibilität ihrer Mägen.

Von Denise Wachter

Ihre Mission? In 40 Tagen futtern sie sich durch die Berliner Gastroszene. Das Restaurant? Unbekannt bis zur letzten Sekunde. Ihr Zwischenfazit? Volle, glückliche Bäuche, spannende Menschen und trinkfeste Schwestern.

Aber zurück auf Anfang: Maria und Sophia, 29 Jahre alt, sind beide in der Medienbranche verankert. Die studierten Ethnologinnen arbeiteten für das Magazin "Vice" im Marketing und in der Redaktion. Maria ist jetzt in einer PR-Agentur tätig und Sophia ist freie Autorin und in der Social-Media-Welt unterwegs. Wie sie auf die Idee kamen 40 days of eating zu starten? "Wir wollten was gemeinsam machen und ein Thema mit Food aufgreifen, aber natürlich nicht einfach nur bloggen - sondern abgefahrener."

40 days of eating geht in die Startphase

Gemeinsam mit dem Blog Mit Vergnügen, die jeden Tag zusammen mit ihren Autoren ein Ausgehtipp für Berlin empfehlen, entwickelten sie in Anlehnung an das Konzept 40 days of dating ihre Idee. Das Pionierprojekt riefen zwei sehr gut befreundete New Yorker Singles ins Leben: Ein Mann und eine Frau verabreden sich 40 Tage lang miteinander in der Hoffnung auf die große Liebe. 40 days of eating ist demnach die Hoffnung auf gutes Essen.

Pünktlich zum 1. Januar 2014 ging es los mit der Food-Soap der lebensfröhlichen zweieiigen Zwillinge. "Am Anfang waren wir total aufgeregt, denn wir müssen schließlich da hin, wo wir hingeschickt werden", so Maria. "Wir haben keinen Einfluss, welche Restaurants wir besuchen werden. Für mich ist das eine besondere Herausforderung, weil ich Vegetarierin bin", so Sophia.

Tag 1 - Katerfrühstück

Am ersten Tag des neuen Jahres frühstücken sie nach einer wilddurchfeierten Nacht im California Breakfast Slam - eigentlich ist es eine Bar, am Morgen ein Frühstückslokal mit kaltem Rauch in den Wänden. Etwas verkatert bestellen sie reichlich: Eggs Benedict und Blueberry Pancakes für Maria, Chilaquiles (Avocado, schwarze Bohnen, Tomaten, Kräuter) mit Tofu für Sophia.

Seit diesem Tag testen sie die skurrilsten, besten, schönsten, schlimmsten, ausgefallensten und bodenständigsten Restaurants der Hauptstadt. Das Schema läuft immer gleich ab: Sobald die Location bekannt ist, wird ein Fotograf eingepackt, gegessen, aufgezeichnet, manchmal gefilmt oder O-Töne aufgenommen und danach gebloggt: Erzähl uns von deinem Tag. Wo habt ihr heute gegessen? Was hast du bestellt und wie hat das geschmeckt? Wie ist der Service? Was gefällt dir an dem Laden besonders, was nicht? Wie würdest du die Menschen im Restaurant beschreiben? Mit wem würdest du definitiv nicht hierher kommen? Was hast du Neues über Sophia/Maria gelernt? Das Beste an diesem Essen… Möchtest du noch was sagen?

Tag 2 - Curry 36 schreckt ab

"Curry 36 hat mich regelrecht abgeschreckt. Ich will nicht wissen was in dem Fett schon alles frittiert wurde", so Sophia. In ihrem Blog schreibt sie: "Ich hatte Pommes rot/weiß und einen Krautsalat. So etwas mag vielleicht nachts volltrunken als Mahlzeit durchgehen, jetzt aber war es etwas unbefriedigend."

Die Berlinerinnen werden seit ihrem Projekt oft gefragt, ob sie zugenommen hätten. "Naja", sagt Maria lachend, "wir haben auch schon vorher gegessen." "Wir lieben Burger und Pommes. Hauptsächlich ernähren wir uns aber ziemlich gesund. Essen macht Spaß, deshalb achten wir auch darauf, dass wir sehr abwechslungsreich speisen. Wir sind Genussmenschen", sagt Sophia. "Außer sonntags: Da zählen die Kalorien ja nur die Hälfte", sagt Maria mit einem Augenzwinkern.

Das "Liebesknäuel", wie die Mädels ihr Team liebevoll nennen, steht im ständigen Dialog mit den Küchen der Restaurants und warnen die Gastronomen meist vor, wenn Maria und Sophia samt Fotografen eintrudeln. Dann wird gegessen was auf den Tisch kommt. Die Massen an Essen verputzen sie jedoch nicht ganz allein. Denn: Maria und Sophia sind Meisterinnen geworden die Reste in Taschen, Tüten oder Aluschalen zu verpacken und an alle zu verteilen, die hungrig sind.

Tag 21: Burger-Babys in Kreuzberg

Der bisherige Höhepunkt des Experiments der Zwillinge führt sie ins Prinz Charles. Es gibt sechs Burger verschiedener Berliner Restaurants auf einem Street-Food-Market. Die Mädels bestellen sich alle und sind maßlos begeistert: "Wer auch immer sich dieses Konzept ausgedacht hat: Du bist mein Gott! Heirate oder adoptiere mich! Mach mir Burger-Babys!"

"Wir sind überglücklich"

Wie es weitergeht? Mal gucken. Vorerst sind Maria und Sophia einfach nur dankbar und überglücklich den schönsten Job der Welt zu haben. Und das können sie auch: Mit sehr viel Witz und Charme zaubern sie ihren Lesern ein Lächeln auf die Lippen. "Wir haben soviel Freude und Spaß an 40 days of eating. Die Menschen, die wir kennenlernen dürfen, sind fantastisch und wir streiten uns kaum noch."

Zu guter Letzt: Was Sophia von Maria gelernt hat? Sie hat Talent zu schreiben und arbeitet sehr professionell. Was Maria von Sophia gelernt hat? Sie kann sehr viel verputzen, sei ein Fass ohne Boden und unglaublich witzig.

Möchtet ihr noch etwas sagen? "Wir haben jetzt wirklich Hunger. 20 Uhr Mitte. Mehr wissen wir noch nicht."

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