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Stern Logo Vegan selbst versucht! - 60 Tage "Vegan for Youth"

Vegan selbst versucht!: Tag 17-18: Die erste vegane Torte und ein Gedankenkarussell

Derik versucht sich an seiner ersten Schokoladentorte, ganz ohne tierische Produkte und gerät beim Anblick von Bienen ins Grübeln, was man überhaupt noch mit gutem veganen Gewissen essen darf.

Von Derik Meinköhn

Letztes Wochenende war ich bei Freunden zum Kaffee im Garten eingeladen. Das war die Gelegenheit, mich einmal an einer veganen Torte zu versuchen. Meine Lieblingskuchen enthalten immer viel Schokolade, davon gibt es aber in "Vegan for Youth" kein Rezept. Glücklicherweise hatte mich Attila vor Kurzem über Facebook angeschrieben und mir sein anderes Kochbuch "Vegan for Fit" zukommen lassen. Darin fand ich Rezepte für selbstgemachte Schokolade - eine tolle Basis zum Improvisieren.

Mein Boden besteht aus Attilas weißer Schokolade: Ich koche immer nach Gefühl, deshalb habe ich keine richtigen Mengenangaben: Geschmolzene Kakaobutter und Mandelmus werden zu gleichen Teilen gemischt und mit Agavendicksaft gesüßt. In die noch flüssige Schokolade habe ich ein paar Dinkelflakes, Amaranth und mit Agavendicksaft karamellisierte Pinienkerne eingerührt. Ab damit in eine Kuchenform und das ganze eine Stunde in den Kühlschrank stellen - fertig ist der Boden. Der Belag ist ebenso einfach: Seidentofu mit dem Pürierstab fein pürieren, zwei Tafeln vegane Bitterschokolade schmelzen und unterheben, mit Vanille und Agavendicksaft abschmecken. Ich hatte ein ganzes Paket Seidentofu genommen, deshalb war der obere Teil etwas zu weich. Etwas weniger wären wohl perfekt. Ein paar Stunden kaltstellen. Die Torte ist dann fest und so lecker, dass mein erstes Exemplar in Sekundenschnelle aufgefuttert war.

Darf ich ein Tier essen, wenn es einfach stirbt?

Im Garten sah ich die erste Biene in diesem Jahr und plötzlich begann ein kleines, ziemlich wirres Gedankenspiel: Ich denke an den Film "More than Honey" und daran, dass ich als Veganer keinen Honig esse. Und wenn ich das weiterdrehe, dürfte ich als Veganer auch keine Mandeln mehr essen. Denn 80 bis 90 Prozent aller Mandeln auf der Welt kommen aus Kalifornien. Und die Bäume dort werden von industriell gehaltenen Bienen bestäubt. Denen klaut man dann auch noch den Honig.

Ich esse keine Tiere, weil ich ein Problem mit Massentierhaltung habe. Aber: Kann ich ein Tier essen, wenn es einfach so stirbt? Warum werden bei uns Schweine gegessen, aber keine Hunde? Warum esse ich keine Tiere, dafür aber Pflanzen? Weil Tiere uns ähnlicher sind? Weil wir Tieren Empfindungen zusprechen? Darf ich Insekten essen? Pilze sind keine Pflanzen, warum esse ich die? Bäume kommunizieren über Duftstoffe - was, wenn wir auf einmal herausfinden, dass die auch etwas empfinden können? Nach welchen Kriterien teilen wir ein, was wir essen? Wo ist die Grenze? Ich habe einen Knoten im Kopf und denke an den leckeren Kuchen, von dem noch ein paar Krümmel auf dem Tisch liegen.

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