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Küchen-Selbstversuch: Wie ich das beste Bier der Welt braute

Bier selbst brauen? In der Küche? Kann das gut gehen? Wir haben mit einem Bierbrau-Set den Selbstversuch gewagt - der beinahe in einer Katastrophe geendet wäre.

Von Carsten Heidböhmer

Mein erstes eigenes Bier: ein Pale Ale

Mein erstes eigenes Bier: ein Pale Ale

Gestern habe ich das beste Bier der Welt getrunken. Es war mein eigenes. Mein erstes selbstgebrautes Bier. Dass es so weit gekommen ist, grenzt an ein Wunder. Denn eigentlich bin ich ein strikter Gegner der Do-it-Yourself-Kultur. Sein eigenes Brot backen, seine eigenen Kleider nähen, die eigenen Möbel zimmern? Sollen das doch die andern machen. Ich dagegen bin ein großer Fan von Arbeitsteilung. Ich lasse gerne Profis ran, und das nicht nur, wenn ich gerade Zahnschmerzen habe.

Abgesehen davon wäre ich auch viel zu faul, mich durch dicke Bücher zu wälzen, die mir erklären, was beim Brauen zu berücksichtigen ist. Andererseits schreibe ich seit einiger Zeit einen Bierblog, da wäre es sicher hilfreich, wenn ich den kompletten Prozess bei der Herstellung von Bier einmal begreifen würde.

So war es für mich ein Wink des Schicksals, als ich von der "Braubox" erfuhr. Eine Kiste, in der alles enthalten ist, was man zum Bierbrauen braucht: Malz, Hopfen und Hefe, Gärflasche, sogar ein Thermometer sind darin enthalten. Dazu eine handliche Anleitung. Diese Box war wie gemacht für mich: Man kann ohne Vorwissen sofort loslegen. Und sie ist idiotensicher.

Zumindest theoretisch. Denn als ich an einem Sonntag vor vier Wochen spontan mit dem Brauen beginnen wollte, stellte ich fest, dass etwas Wichtiges fehlt: ein 10-Liter-Topf! Da ich aber unbedingt brauen wollte und zwar sofort, klingelte ich die Nachbarn ab, bis ich einen Pott bekam. Dann das nächste Problem: Der geliehene 10-Liter-Topf war aus Aluminium, und damit für unseren Induktions-Herd unbrauchbar. Inzwischen war ich aber wild entschlossen, das Projekt durchzuziehen. Und so musste ich improvisieren: Ich füllte unseren 5-Liter-Topf mit Wasser auf und stellte den Alu-Pott hinein. Schnell hatte ich Erfolg. In dem Sinn, dass es heiß wurde und ich die Temperatur auf die geforderten 69 Grad befördern konnte, um die Maische zu kochen.

Die Maische duftet wunderbar

Doch schon bald tauchten weitere Schwierigkeiten auf: Die Maische sollte eigentlich 60 Minuten lang auf einer konstanten Temperatur zwischen 65 und 69 Grad kochen. Das war aber mit meiner ungewöhnlichen Verschachtelung kaum möglich: Während unten das Wasser verdampfte, heizte sich der Topf immer weiter auf und übertrug die Hitze auf den Zehn-Liter-Topf. Ein Problem, das sich auch durch das Herunterdrehen des Herdes nicht regulieren ließ. Mit großer Sorge musste ich also mit ansehen, wie meine Maische zeitweise deutlich über 70 Grad brutzelte.

War das schon das Ende meines eigenen Bieres? Eines war klar: Das musste ich jetzt durchziehen, es gab kein Zurück. Und es hatte auch sein Angenehmes: Nach 60 Minuten war die Wohnung von einem wunderbaren malzigen Duft erfüllt, der sogar meine Kinder anlockte.

"Unser Freund, die Hefe"

Die weiteren Schritte verliefen dann ohne größere Hindernisse: Mit einem Sieb trennte ich das Malz von der Flüssigkeit und wusch den Restzucker aus. Den in der Brauanleitung gegeben Rat, damit nun Brot zu backen, ignorierte ich aus oben genannten Gründen und schmiss es direkt in den Müll, der seither nie wieder so gut roch.

Nun hatte ich einen köstlichen Sud, die sogenannte Würze. Die nächsten 90 Minuten kochte ich nun diesen Sud und gab den herrlich nach Zitrusfrüchten duftenden Hopfen für mein Pale Ale dazu. Anschließend musste die Würze dann im Wasserbad runtergekühlt werden - angesichts des Dampfes in unserer Küche eine sehr wohltuende Übung.

Die Würze kam nun in die Gärflasche, und endlich kam auch "unser Freund, die Hefe" (Zitat aus der Brauanleitung) hinzu. Eine Woche musste ich mich gedulden, in dieser Zeit verwandelt die Hefe Zucker in Alkohol. Nach sieben Tagen konnte ich mich dann ans "Abflaschen" machen. Vorher musste ich mich noch um die Verperlung kümmern. Bei dem Punkt müssen fanatische Anhänger des deutschen Reinheitsgebots ganz tapfer sein: Ich füge nun nämlich Zucker hinzu, damit Kohlensäure entstehen kann. Süß wird das Bier dadurch nicht, denn der Zucker wird vollständig in Kohlensäure umgewandelt. Mit den strengen Reinheitskriterien ist das nicht kompatibel, ich sehe das aber pragmatisch: Hauptsache, es perlt.

Die Braubox ist idiotensicher

Ich war fast am Ziel: Mithilfe der beigefügten Bierpumpe befördere ich die rund vier Liter Bier, die ich gebraut habe, in acht Bügelflaschen. Die schwerste Probe steht mir noch bevor: Ich muss die Bierflaschen drei Wochen lang in der Flasche reifen lassen. Eine echte Qual - es sah nämlich schon jetzt verdammt lecker aus.

Gestern habe ich endlich die erste Flasche geöffnet. Mein Bier! Auch wenn es recht kohlensäurearm geworden ist (vielleicht hätte ich doch mehr Zucker nehmen sollen) - es schmeckt wirklich hervorragend. Trotz aller selbstverschuldeter Pannen beim Brauprozess ist es mir gelungen, ein vernünftiges Bier herzustellen. Ein Grund, weshalb ich die Braubox vorbehaltlos empfehlen kann: Sie ist wirklich idiotensicher.

Prost! Der Autor beim Verkosten seines eigenen Bieres

Prost! Der Autor beim Verkosten seines eigenen Bieres

Bleibt noch eines zu klären: Handelt es sich wirklich um das beste Bier der Welt? Nun, in der Frage bin ich ungefähr so objektiv wie ein Vater, der sein frisch geborenes, noch schrumpeliges Baby für das schönste der Welt hält. Aber verdammt lecker war es schon. Und ich habe es ganz alleine gebraut!

Die Braubox kostet 75 Euro und kann per Mailorder über hallo@besserbrauer.de bestellt werden. Nähere Infos gibt es unter www.besserbrauer.de.

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