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Kinderbetreuung: Betrachtungen aus der Kampfzone Kita

Viele Eltern bringen ihre Kleinen in die Kita. Dabei ist der Kindergarten die Hölle. Aber nicht für die Kinder, sondern für die Mütter. Ein Vater berichtet aus der Kampfzone.

Kita

Kitas sind toll - gerade auch für kleine Kinder

DPA

In welcher Gesellschaft leben wir, die ihre Kinder weggibt?" "Was - ihr bringt euer Kind in die Kita? Ich könnte das nicht!" "Das arme Kind." Willkommen in meiner Welt! Ich bin Vater von zwei Kindern, die beide mit 15 Monaten in eine Kita gekommen sind - und das sind nur drei der Sprüche, die ich schon häufig gehört habe. Absender dieser Sticheleien sind immer Frauen - Männern ist das eigentlich egal, was andere Leute mit ihren Kindern anstellen.

Für mich sind die Nörgeleien über Kinderbetreuung total unverständlich. Denn ich finde Kitas eine tolle Sache. Für die Eltern - und für die Kinder. Für meine Frau und mich hat das zunächst einmal praktische Gründe. Wir sind beide berufstätig und wollten nach Ablauf der Elternzeit zügig wieder in den Job einsteigen. Und mussten: Die Hamburger Mieten vertragen sich schlecht mit der traditionellen Einverdiener-Familie.

Sind wir jetzt Rabeneltern?

Natürlich haben wir uns beim ersten Kind gefragt: Sind wir jetzt Rabeneltern, wenn wir einen so kleinen Wurm tagsüber weggeben? Doch wir haben die Vorteile der Kita schnell erkannt: Kann es der Entwicklung unserer Kinder förderlich sein, den ganzen Tag mit Mama oder Papa abzuhängen? Beim Einkaufen, Kochen, Putzen immer irgendwie nebenherzulaufen? In der Kita verbringen Kinder den Tag mit Gleichaltrigen und werden von netten, qualifizierten Erzieherinnen zu tollen Dingen motiviert, die uns im Traum nicht einfallen würden: Rolf-Zuckowski-Lieder singen, Instrumente basteln, sich bei Wasserspielen einsauen. Allein für das Essen lohnt es sich: Zumindest meine Kochkünste verstoßen gegen die Menschenrechtskonvention.

Die Kita ist ein Gewinn für Eltern wie Kinder. Dabei könnte man es belassen. Wären da nicht die ständigen Sticheleien anderer Eltern. Das Erstaunliche daran: Die schlimmsten Stutenbisse kommen nicht etwa von Vollzeit-Moms, die ihre 20-jährige Ausbildung (Schule und Studium) von einem Tag auf den anderen sausen lassen, um sich fortan mit Leib und Seele auf die Aufzucht eines kleinen, wehrlosen Wesens zu stürzen. Nein, die größten Feinde sind - andere Kita-Eltern.

Ein Artikel auf "Brigitte.de" hat die Kampfzone Kita hervorragend beschrieben. Rabenmutter ist nicht, wer sein Kind in die Kita bringt. Sondern, wer es als Letztes abholt. Es ist ein tägliches Schneckenrennen in Gange, bei dem jede Mutter nur ein Ziel hat: bloß nicht als Letzte kommen. Dabei war meine Erfahrung: je später der Nachmittag, desto mehr Erzieher, die das Kind bespaßen können.

Das ständige Vergleichen kennt keine Gewinner

Leider können die Eltern diese Vorzüge nicht genießen: So blickt die Mutter mit der Vier-Stunden-Betreuung auf die Mutter herab, die ihr Kind sechs Stunden in die Kita gibt. Und die Mutter, die ihr Kind acht Stunden oder mehr betreuen lässt, beruhigt sich, dass ihr Kind erst mit zwölf Monaten in die Krippe kam und nicht schon mit sechs Monaten, wie manch anderes Kind. Eine Rabenmutter guckt, ob die andere nicht noch schwärzer ist.

Das ständige Vergleichen und Verurteilen kennt keine Gewinner. Denn es zehrt allen Müttern an den Nerven. Auch ich als Vater werde oft mit diesen Sticheleien konfrontiert. Spüre die mitleidigen Blicke anderer Mütter, wenn ich mit meinem Kind früh das Haus verlasse oder es spät abhole. Höre freche Fragen wie "Warum kriegt ihr denn dann überhaupt Kinder, wenn ihr sie weggebt?" und das Gerede von "Fremdbetreuung" und den "armen Kindern".

Doch all das trifft mich nicht im Geringsten. Als Mann ist mir die Meinung anderer zumeist egal. Und die von Kindergartenmüttern mit Schuldkomplex erst recht. Die einzige Frage, die für mich zählt, ist: Geht es meinen Kindern gut? Und solange meine Kinder spätestens am Sonntagvormittag fragen, wann denn das Wochenende endlich vorbei ist, habe ich ein verdammt gutes Gefühl, wenn ich am Montagmorgen die Tür hinter unserer Kita schließe und zur Arbeit gehe.

Der Artikel stammt aus dem Jahr 2014, hat an Aktualität leider nichts verloren.

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