HOME

Stern Logo Riesling, Scheurebe und Spätburgunder - Die Weinschule Deutschland

Teil 11: Quietschvergnügt

Allein der Weine wegen hat es sich gelohnt, Neuseeland zu entdecken. Die Sauvignon blancs sind einfach Kracher, so fruchtig und frisch, da kommt die Konkurrenz kaum mit.

Neuseeland, Wein 1

Der Typ

Würzig und prickelnd

Neuseelands Weingeschichte passt in einen Fingerhut: Bis 1950 ist nicht viel passiert, es gab (und gibt immer noch) deutlich mehr Schafe als Einwohner und jede Menge Kiwis, kaum aber Wein. Er war verpönt. Böser Alkohol! Wenn ein Land den Wein stigmatisiert, dann gibt es auch keine Weinberge: Bis 1966 zählte man nur 350 Hektar Reben. Nach der Liberalisierung des Alkoholverkaufs waren die Neuseeländer plötzlich nicht mehr zu bremsen. Die Rebflächen schossen ins Grüne. 1999 waren es 9000 Hektar, heute sind es schon 23 000.

Dieser Boom ist aufs Engste verknüpft mit Neuseelands wichtigster Rebsorte, dem Sauvignon blanc. Sie wird zwar erst seit den 70er Jahren angepflanzt, das aber ungebremst, inzwischen hat diese Sorte sich einen festen Platz im Herzen der Weinfreunde in aller Welt erobert. Sie ist zurzeit der Hit unter den Weißweinen. Well done! Endlich mal eine, die dem ubiquitär-langweiligen Chardonnay das Wasser abgräbt. Mit ihrer mutigen Würze bringt sie jede Menge Abwechslung und könnte Neuseeland zu einer Spitzenstellung verhelfen.

Das Klima am Ende der Welt verleiht dieser Traube Aromen, von denen die Winzer anderswo nur träumen. Der Grund: Im Sommer erreichen die Temperaturen tagsüber locker 30 Grad, aber nachts geht es dank der Nähe zur Antarktis runter: 15 Grad sind normal und fünf Grad keine Ausnahme. Dieser permanente Wechsel bringt so viel Fruchtigkeit und Säure in den Wein, dass er in der Neuen Welt seinesgleichen sucht.

Der berühmteste Sauvignon der Insel hört auf den Markennamen "Cloudy Bay" und stammt aus dem Anbaugebiet Marlborough auf der Südinsel. Dort hat der Weinbau noch viel später, 1973 erst, Fuß gefasst. Der Cloudy Bay tauchte zu Beginn der 1990er Jahre in Deutschland auf und war einer der ersten Weine, die die Rebsorte Sauvignon blanc auf dem Etikett nannte. So einen Wein hatte die Welt bis dahin nicht geschmeckt. In dieser Tradition steht auch unser Sauvignon blanc von Nobilo, einem der größten Erzeuger der Insel. Auf der einen Seite zeigt er weiche Charakterzüge aus den Bereichen Melone und Honig. Aus der spritzigen Fraktion kommen Stachelbeere, Paprika, Grapefruit, Zitrone und das Grün der Rispentomate dazu. Jeder Schluck ist ein Griff in eine englische Fruchtbonbondose. Andere mag er an Ahoj-Brause erinnern. Die Kiwis nennen das "spicy" oder "pungent" - würzig, scharf, prickelnd. Dieser Wein ist sicher der extremste Weißwein unseres Überseepakets. We say: Bottoms up!

Der Wein

Sauvignon blanc, Nobilo, 2007

Stil: knackig-frischer, superfruchtiger Weißwein der Sorte Sauvignon blanc. Ausbau im Stahltank
Farbe: helles Gelbgrün
Duft: Stachelbeeren, grüne Paprika, Grapefruit, Tomatengrün, Holunderblüte
Geschmack: aromatisch, knackig säurebetont und würzig
Herkunft: Marlborough, bedeutendstes Weinbaugebiet Neuseelands
Trinktemperatur: 8 bis 10 Grad
Glas: Weißweinkelch
Trinkzeitpunkt: jetzt
Essen: zu Fisch und Meeresfrüchten in jeder Form. Nudeln mit Pesto, Salbei. Ziegenfrischkäse

Das Land

Fakten Neuseeland

Erster Wein

um 1830. Qualitätsweinbau seit 1970

Rebfläche:

rund 23 000 Hektar

Weinbau:

35. bis 45. Grad südlicher Breite

Bedeutendste Weinbauregionen:

Marlborough, Hawke's Bay

Häufigste Rebsorten:

(Stand 2006) Weiß (67 %): Sauvignon blanc, Chardonnay, Grauburgunder. Rot (33 %): Pinot Noir, Merlot, Cabernet Sauvignon

Wichtigste Exportmärkte:

Großbritannien, USA, Australien, Kanada

print
Themen in diesem Artikel