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Teil 19: Ein Stück Tafelsilber

Die Rebsorte Chardonnay ist vielen Weinfreunden zu verwechselbar. In Chile aber gibt es Kiesböden und Andenwasser - und schon wird aus einem Dutzendgetänk ein feines Trinkvergnügen.

Chile, Wein 3

Der Typ

Ganz dezent

Und ewig grüßt der Chardonnay. Diese Sorte ist auf unserer Reise um die Weinwelt inzwischen fast ein Dauergast in unseren Gläsern geworden. Nach Studienaufenthalten in Südafrika und Australien vertiefen wir uns nun in einen Vertreter aus Südamerika, der in Chile zum Tafelsilber des Weinbaus zählt - zu Recht. Denn auch wenn diese Sorte wegen ihrer weiten Verbreitung nicht nur Freunde hat, ist der Chardonnay doch ein Universalist: Er passt zu Fernsehen mit Erdnüssen. Und zum Essen.

In Chile hat der Chardonnay eine Blitzkarriere gemacht, nachdem der Weinbau im Andenstaat noch bis in die 80er Jahre hinein ohne rechten Ehrgeiz vor sich hindümpelte - entsprechend müde und spannungslos spannungslos fielen die meisten Weine aus. Das dürfte auch der Grund sein, weshalb gewaltige Mengen der Weißweinproduktion zum Nationalgetränk Pisco destilliert wurden, einem hellen Weinbrand, den sich der Chilene gern als lustig-sauren "Pisco Sour" reinpfeift: Eiswürfel, Limettensaft, Zuckersirup, Pisco und etwas Eiweiß mixen - echt lecker!

Schmackhaft ist in Chile auch der Chardonnay- Typ aus dem Edelstahltank. Da kommt der fruchtig-frische Charakter der Sorte glasklar zum Ausdruck. Die zweite Chardonnay-Variante wird in kleinen Eichenholzfässern gelagert und schmeckt dann oft penetrant nach Röstaromen, Holz und Vanille. Bis vor Kurzem waren solche Weine im "internationalen Stil" der letzte Schrei. Doch die gibt es jetzt überall auf der Welt, und sie gleichen sich aufs Haar. So kommt es, dass ihnen die Weinliebhaber die kalte Schulter zeigen - zum Glück, denn diese aromatisch überladenen Schoppen schlugen einem wirklich aufs Gemüt.

Unsere Reserva "Rey de los Andes" vom Weingut Cono Sur aus dem Valle Central gehört in die erste Kategorie und stellt die zarten, feinfruchtigen Aspekte, für die diese Rebsorte geliebt wird, eindeutig in den Vordergrund: Ananas, Apfel, Zitrus, Minze - aber nicht im King-Kong-Stil, sondern nur angedeutet und erfreulich dezent ineinander verwoben. Ein trinkbarer Beweis, dass das Weinland Chile mit seinen von Kies durchzogenen Schwemmlandböden, dem Schmelzwasser aus den Anden und den kräftigen Temperatursprüngen zwischen Tag und Nacht über ideale Voraussetzungen für echten Qualitätsweinbau verfügt. Mit seiner weichen Fruchtsäure und einem Hauch Fruchtsüße steht dieser Andenkönig nun vor uns und flüstert uns ins Ohr: "Komm, trink mich!"

Der Wein

2007 Chardonnay Reserva "Rey de los Andes", Weingut Cono Sur, Valle Central, Chile

Stil:

Weißwein aus der Sorte Chardonnay

Farbe:

helles Gelb

Duft:

Apfel, Zitrusfrüchte

Geschmack:

weich, sanft, leichte Fruchtsüße

Herkunft:

Valle Central

Trinktemperatur:

10 Grad

Glas:

Weißweintyp

Trinkzeitpunkt:

Jetzt

Essen:

leichte Speisen mit wenig Gewürzen, Fisch, Sahnesaucen

Cornelius und Fabian Lange / print