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Castor-Transport Greenpeace-Aktivisten blockieren Gleise


Um den Atommülltransport aus der früheren Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe nach Lubmin zu verhindern, haben sich zehn Greenpeace-Mitglieder an die Gleise gekettet. Weitere Aktionen sind geplant, mehrere Hundertschaften der Polizei begleiten den Castor-Transport durch Mecklenburg-Vorpommern.

Greenpeace-Aktivisten ist es am Dienstagmorgen in Karlsruhe gelungen, die Gleise für den anstehenden Castortransport stundenlang zu blockieren. Zehn Atomgegner ketteten sich so effektiv an die Schienen, dass die Polizei sie vorerst nicht losschneiden konnte. Die Beamten begannen damit, die Schienen aufzubrechen um dadurch die Aktivisten abtransportieren zu können. Damit gehe man "den Weg des geringsten Widerstandes", sagte ein Polizeisprecher. Neue Gleise würden rechtzeitig für den noch in der Nacht zum Mittwoch geplanten Atommüll-Transport verlegt werden.

Die Aktivisten hatten sich direkt hinter dem Zaun außerhalb des Geländes der ehemaligen Wiederaufbereitungsanlage WAK unter dem Gleis festgekettet. Elf Atomgegner, die sich am Morgen ans Tor der WAK-Anlage gekettet hatten, waren bereits zuvor losgeschnitten und von der Polizei in Gewahrsam genommen worden. Greenpeace setzte nach eigenen Angaben zudem einen Container mit einer ausfahrbaren Plattform auf den Gleisen ab.

Wie die Atomgegner es trotz der Überwachung schaffen konnten, so kurz vor dem Atommüll-Transport die Gleise zu blockieren, ist unklar. Angaben zur Art der Überwachung in den Tagen zuvor und zur Anzahl der daran beteiligten Polizisten, wollte der Polizeisprecher nicht machen.

Die Proteste richten sich gegen den Transport von 56 Tonnen radioaktiven Abfalls aus der vor zwei Jahrzehnten stillgelegten Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK). Der Zug soll sich in der Nacht zum Mittwoch auf den Weg ins Zwischenlager Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern machen.

Weitere Aktionen geplant

Transportiert werden fünf Castoren mit 140 Edelstahlbehältern voll mit radioaktivem Glasgemisch. Darin wurden 60.000 Liter der sogenannten Atomsuppe aus der stillgelegten Versuchsanlage gebunden. Der Atommüll entstand zwischen 1971 bis Ende 1990, als in der WAK rund 207 Tonnen abgebrannter Kernbrennstoff wiederaufgearbeitet worden waren.

Schon seit Tagen wird mit Kundgebungen und Protesten gegen den aus Sicht der Atom-Gegner sinnlosen und gefährlichen Transport demonstriert. Entlang der geplanten Strecke sind zahlreiche Demonstrationen und Aktionen von Kernkraftgegnern geplant.

Von Karlsruhe aus könnte der Zug nach Meinung der Anti-Atom-Initiativen entweder über Mannheim, Darmstadt, Aschaffenburg und Fulda nach Thüringen und von dort weiter bis Mecklenburg-Vorpommern führen, oder über Bietigheim-Bissingen, Heilbronn, Würzburg nach Thüringen und dann in den Norden. Am Donnerstag soll die brisante Fracht im Zwischenlager Nord nahe Lubmin bei Greifswald ankommen.

bla/DPA DPA

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