Dalai Lama "Hoffe, in zehn Jahren wieder in Tibet zu sein"


Erstmals in der Geschichte ist der Hessische Friedenspreis an einen Asiaten gegangen, erhalten hat ihn kein geringerer als der Dalai Lama.

Der Dalai Lama hofft, in den nächsten zehn Jahren in seine Heimat Tibet zurückkehren zu können. An seinem 60. Geburtstag 1995 sei ihm gewünscht worden, er möge seinen 70. Geburtstag in Lhasa feiern können, sagte der Dalai Lama am Donnerstag bei einer öffentlichen Ansprache vor über 20.000 Menschen in Wiesbaden. Dies sei nicht gelungen: "Wir müssen jetzt schauen, dass wir den 80. Geburtstag dort feiern."

Grund seines Besuchs: Wegen seines Engagements für eine friedliche Beilegung des Tibetkonflikts ist der Dalai Lama mit dem diesjährigen Hessischen Friedenspreis ausgezeichnet worden. "Eigentlich ist der Weg von Völkern, die um ihre Selbstbestimmung kämpfen, mit Bomben gepflastert", sagte der hessische Ministerpräsident Roland Koch bei der Preisverleihung. Der Weg des geistlichen Oberhaupts der Tibeter, der seit Jahrzehnten auf Gewaltlosigkeit setze, sei "kompromisslos das exakte Gegenteil dieser Entwicklung".

Koch forderte die chinesische Regierung auf, die kulturelle Autonomie der Tibeter künftig zu achten. "Niemand stellt die Integrität der chinesischen Grenzen in Frage", sagte der hessische Ministerpräsident: "Aber wir sind der Meinung, dass Menschenrechte universelle Geltung haben." Dazu zähle das Recht der Menschen, ihre abgestammte Sprache ungestraft zu sprechen und ihre Religion auszuüben. Noch immer sei das Leben in Tibet von "Vergewaltigung, Verschleppung und Tod" geprägt.

Eine Lösung des Tibetkonflikts im Dialog mit dem Dalai Lama liege auch in chinesischem Interesse, sagte Koch. Erst eine Beilegung des Konflikts werde den Anschluss Chinas an die restliche Welt sicherstellen. Der hessische Ministerpräsident rief zugleich die Deutschen auf, sich stärker für Tibet zu engagieren. "Wenn der friedliche Weg zur Rettung eines Volkes, den nur wenige in der Geschichte bereit waren zu gehen, scheitert, dann ebnen wir unseren Kindern und Enkeln den Weg in eine gewalttätige und zerstörerische Zukunft", sagte Koch. Dann wäre klar, dass diejenigen, die auf Bomben setzten, die Klügeren wären.

Der Dalai Lama dankte in einer kurzen Ansprache für die Auszeichnung. Es sei ihm im Leben stets darauf angekommen, für Liebe, Freundlichkeit und Mitmenschlichkeit zu werben, denn auf diesen Tugenden basiere eine gewaltlose und friedfertige Gesellschaft: "Wir versuchen, die Tibetfrage in diesem Geist zu lösen." In der modernen Welt sei der Dialog zwischen den Religionen von großer Wichtigkeit, sagte der 70-Jährige. Trotz aller Unterschiede seien die grundlegenden Werte in allen Religionen gleich. Die verschiedenen Religionen sollten daher bei der Förderung dieser Werte zusammenarbeiten.

Mit dem Dalai Lama hat erstmals eine Persönlichkeit aus Asien und ein Angehöriger des buddhistischen Kulturkreises den Hessischen Friedenspreis erhalten. Der seit 1994 verliehene Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Der Besuch des Dalai Lama in Hessen dauert noch bis Freitag.

AP AP

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