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Führende Klimaaktivistin Greta Thunberg wiederholt ihre Meinung zur Atomkraft – und bekommt plötzlich Applaus aus unerwarteter Ecke

Eine junge weiße Frau mit rundlichen Gesicht und langen dunkelblonden Haaren spricht auf einer Bühne in ein Mikro in ihrer Hand
"Fridays for future"-Gründerin Greta Thunberg spricht im Juni 2022 auf der Bühne des Glastonbury Festivals in England
© Yui Mok/Press Association / DPA
Klimaaktivistin Greta Thunberg hat sich positiv zur Atomkraft geäußert – allerdings nur, wenn die Alternative Kohle heißt. Das macht sie seit Jahren. Doch nun bekommt sie plötzlich Zuspruch von Union und FDP.

Klimaaktivistin Greta Thunberg hat mit ihren neuesten Aussagen zur Atomkraft für viel Aufsehen gesorgt. "Ich bin gegen Atomkraft. Ich glaube aber – ­obwohl dies nicht der Meinung von Fridays for Future entspricht –, dass es aktuell schlechter ist, bestehende Atomkraftwerke zu stoppen, wenn Kohle die Alternative ist", sagte sie dem stern. Auch in der Sendung "Maischberger" erklärte Thunberg, dass sie es für falsch halte, die noch aktiven Atomkraftwerke in Deutschland abzuschalten und stattdessen verstärkt auf Kohlekraft zu setzen. "Wenn sie schon laufen, glaube ich, dass es ein Fehler wäre, sie abzuschalten und sich der Kohle zuzuwenden."

Dabei hat Thunberg ihre Meinung in Bezug auf Atomkraft nicht geändert. Seit Jahren beruft sie sich auf den Weltklimarat IPCC, der in einem Bericht von 2014 Atomkraft als kleinen Teil "einer sehr großen neuen kohlenstofffreien Energie-Lösung" sieht. So hat sie bereits am 17. März 2019 auf Facebook geschrieben, was sie nun in Interviews wiederholt: "Ich persönlich bin gegen die Kernenergie, aber laut IPCC kann sie ein kleiner Teil einer sehr großen neuen kohlenstofffreien Energielösung sein, vor allem in Ländern und Gebieten, in denen eine umfassende Versorgung mit erneuerbaren Energien nicht möglich ist – auch wenn sie extrem gefährlich, teuer und zeitaufwändig ist."

Union und FDP stimmen Greta Thunberg zu

Geändert hat sich also nur, wer ihr in Deutschland nun zustimmt. So schreibt FDP-Chef und Bundesfinanzminister Christian Lindner auf Twitter: "Ich begrüße den Zuspruch der FFF-Initiatorin Greta Thunberg für die FDP-Position, unsere Kernkraftwerke am Netz zu lassen." Im September 2019 hatte er in der "FAZ" (Bezahlinhalt) das Klimapaket der Bundesregierung noch als "Stückwerk, um Greta Thunberg zu besänftigen" bezeichnet.

Greta Thunberg singt auf Klima-Demo: "Steckt Euch eure Klima-Krise in den A*sch"

Auch der ehemalige CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak twittert zu dem Video-Ausschnitt mit der vermeintlich neuen Aussage der Klimaaktivistin: "Was @GretaThunberg sagt! #AKW". 2019 hatte er Thunbergs Kritik am Kohlekompromiss noch als "pure Ideologie" abgetan.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kommentierte auf Twitter das Thunberg-Video schlicht: "Interessant ..."

Weitere Quellen: DPA, "Tagesspiegel", IPCC-Bericht "AR5 Climate Change 2014: Mitigation of Climate Change", Facebook-Post von Greta Thunberg.

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