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  • Mister Karstadt zeigt sein Archiv

Zum Artikel Mister Karstadt zeigt sein Archiv
In den Neunzigern kam das Karstadt-Blau auf. Das Quadrat in der Farbe war sehr typisch für die Zeit. Damals gab es einen Konflikt mit Beiersdorf: Karstadt sei zu dicht am Nivea-Blau, hieß es. Man änderte die Farbe dann leicht ab.  Stücke aus der Zeit der Zweitausender und in der Galeria-Optik mag Holger Bergt weniger gern. Deshalb besitzt er kaum Artefakte aus der Gegenwart.  Bergt sagt: "Vielleicht ist es  einfacher für mich, auch in der aktuellen Krisenlage Fan zu sein, weil ich kein Mitarbeiter bin und nicht am eigenen Leib erlebe, wie die Menschen mittlerweile oft behandelt werden. Zum Beispiel, wenn Häuser geschlossen werden. Ich hoffe wirklich, sie machen nicht noch mehr Filialen dicht. Vor allem hoffe ich das für die Mitarbeitenden. Und es wird langsam ein bisschen voll in meinem Keller."
In den Neunzigern kam das Karstadt-Blau auf. Das Quadrat in der Farbe war sehr typisch für die Zeit. Damals gab es einen Konflikt mit Beiersdorf: Karstadt sei zu dicht am Nivea-Blau, hieß es. Man änderte die Farbe dann leicht ab.
Stücke aus der Zeit der Zweitausender und in der Galeria-Optik mag Holger Bergt weniger gern. Deshalb besitzt er kaum Artefakte aus der Gegenwart.
Bergt sagt: "Vielleicht ist es  einfacher für mich, auch in der aktuellen Krisenlage Fan zu sein, weil ich kein Mitarbeiter bin und nicht am eigenen Leib erlebe, wie die Menschen mittlerweile oft behandelt werden. Zum Beispiel, wenn Häuser geschlossen werden. Ich hoffe wirklich, sie machen nicht noch mehr Filialen dicht. Vor allem hoffe ich das für die Mitarbeitenden. Und es wird langsam ein bisschen voll in meinem Keller."
© Holger Bergt
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Holger Bergt sagt, Karstadt sei sein halbes Leben. "Ich lebe Karstadt. Obwohl ich nie für das Unternehmen gearbeitet habe. Man nennt mich Mister Karstadt. Und das trifft es gut. Ich identifiziere mich mit der Firma, mit der Geschichte. Es fühlt sich an, als würde ich zu einer Familie gehören."
„Meine Begeisterung für das Kaufhaus ging los, als sie in Bremen 1988 den Umbau des Kaufhauses anfingen. Ich war 24 Jahre alt damals, unglücklich in meinem Job und lief oft an der Baustelle vorbei. Ich liebte die Architektur der Fassade sofort: Dieses Aufstrebende, in die Höhe denkende. Auch die historischen Gebäude wie das Haus in Kiel im Bild begeisterten mich. Ich beschloss, Architektur zu studieren und meine Diplomarbeit über die Karstadt-Architektur zu schreiben."  
Holger Bergt besuchte zahlreiche Häuser und Archive und sammelte Material. Keine der Hochschulen nahm ihn als Studenten auf. Aber seine Leidenschaft war längst geweckt. Er recherchierte privat weiter. Besuchte die Mitarbeiter in verschiedenen Häusern bundesweit und sammelte alles, was mit Karstadt zu tun hatte.
Holger Bergt sagt, er hörte einfach nie auf, Mitarbeiter in verschiedenen Filialen zu besuchen. Er macht das bis heute, viele der Menschen dort seien mittlerweile gute Freunde von ihm. Zum Beispiel die Mitarbeiterinnen im Haus Wismar:  Viola Hopp, Uta Moyseszik und Brigitte Wieck (von links).    "Andere gehen in die Muckibude, um ihren Kopf nach der Arbeit auszuschalten. Für mich ist das Karstadt. Wenn ich eintauche in meine Archiv-Kisten, ist alles sonst weg aus meinem Kopf."
Im Unternehmen kennen sie Holger Bergt mittlerweile, oft schenken ihm Menschen Dinge, die sie nicht mehr verwenden können. Kürzlich habe ihm jemand die Eingangstür für einen Bunker vermacht, der einmal unter einem der Kaufhäuser lag, erzählt Holger Bergt am Telefon. Wenn eine Filiale schließen muss, was in den vergangenen Jahren häufig vorkommt, fährt Holger Bergt oft hin und fragt, ob er noch etwas mitnehmen darf. Heute lagern ungefähr 4000 historische Stücke in seinem Keller. Alte Kleiderbügel zum Beispiel. Von denen hat Bergt schon über 400 Stück. Die meisten der Holzbügel stammen aus den Dreißiger Jahren. 
Eine Hutschachtel und ein Zylinder aus der ersten Karstadt-Filiale in Lübeck. Holger Bergt sagt: "Sie stammt aus der Zeit um den Ersten Weltkrieg. Damals war die Firma noch rein im Privateigentum von Rudolph Karstadt und seiner Ehefrau. Erst, als Karstadt 1920 mit Althoff fusionierte, wurde daraus eine AG. Mit der Weltwirtschaftskrise brach alles zusammen wie ein Kartenhaus. Damals hatten Karstadt und Althoff ihre größte Expansionsphase. Aber während der Krise ging das Unternehmen bankrott, weil sie für die Neubauten so viele Kredite aufgenommen hatten. Frau Karstadt sollte ihre Juwelen verkaufen. Nach dem Krieg musste man von ganz vorn anfangen."   
"Das hier ist eine Inventaraufstellung aus Wismar, aus der Nazizeit. Das Haus in Wismar ist auch Sinnbild der deutschen Teilung: Die Kaufhäuser hießen in der DDR "Centrum“ oder "Magnet" statt Karstadt. Nach der Wiedervereinigung gab es eine besondere Verbindung zwischen dem Stammhaus in Wismar und der ersten Filiale in Lübeck: Wismar bezog seine Waren von dort und die Mitarbeiter schulten das Personal um. In Wismar sprechen sie heute noch von der „großen Schwester“ in Lübeck. Die Schließung des Hauses hat sie alle sehr heftig getroffen dort", sagt Mister Karstadt.
Manche Gegenstände aus seiner Sammlung stehen nicht im Keller, sondern Holger Bergt nutzt sie jeden Tag. So wie dieses Karstadt-Besteck. Er sagt: "Ich mag am liebsten die Ästhetik zu Beginn des 20. Jahrhunderts und Stücke aus der Zeit bis in die Achtziger Jahre."
In den Neunzigern kam das Karstadt-Blau auf. Das Quadrat in der Farbe war sehr typisch für die Zeit. Damals gab es einen Konflikt mit Beiersdorf: Karstadt sei zu dicht am Nivea-Blau, hieß es. Man änderte die Farbe dann leicht ab.  Stücke aus der Zeit der Zweitausender und in der Galeria-Optik mag Holger Bergt weniger gern. Deshalb besitzt er kaum Artefakte aus der Gegenwart.  Bergt sagt: "Vielleicht ist es  einfacher für mich, auch in der aktuellen Krisenlage Fan zu sein, weil ich kein Mitarbeiter bin und nicht am eigenen Leib erlebe, wie die Menschen mittlerweile oft behandelt werden. Zum Beispiel, wenn Häuser geschlossen werden. Ich hoffe wirklich, sie machen nicht noch mehr Filialen dicht. Vor allem hoffe ich das für die Mitarbeitenden. Und es wird langsam ein bisschen voll in meinem Keller."

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