Nationalsozialismus SS-Ausstellung auf der Wewelsburg

Die Ausstellung "Ideologie und Terror der SS" wird am Donnerstag nach jahrelanger Vorbereitung in der Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg eröffnet. Im "Dritten Reich" diente die Burg als Versammlungsort der berüchtigten NS-Eliteeinheit SS.

"Wewelsburg Prof. Speer" steht unter dem 29. März 1940 im Taschenkalender von Heinrich Himmler. Und am nächsten Tag "Paderborn-Berlin. Mitt. b. Führer". Es sind die Tage 211 und 212 des Zweiten Weltkrieges, wie der "Reichsführer SS" mit rotem Stift vermerkt. Das schwarze Büchlein liegt aufgeschlagen in einer Vitrine der neuen Dauerausstellung der Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg unweit von Paderborn. An der einstigen Versammlungsstätte der SS-Führung wird am Donnerstag nach jahrelanger Vorbereitung die Ausstellung "Ideologie und Terror der SS" eröffnet.

Dazu werden unter anderem Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, erwartet. Auch drei ehemalige Gefangene aus Österreich, der Ukraine und aus Russland wollen anreisen. Die SS war eine der mächtigsten Organisationen im "Dritten Reich". Sie verstand sich als politische und rassische Elite und war maßgeblich am Holocaust beteiligt.

Die gesamte Umgestaltung der Gedenkstätte einschließlich Verwaltungsneubau und Magazin hat knapp sieben Millionen Euro gekostet, sagt die stellvertretende Museumsleiterin, Kirsten John- Stucke. Die Ausstellungsfläche in dem 1937 von der SS gebauten Wachhaus neben der Burg konnte von 250 auf nun rund 860 Quadratmeter erweitert werden. Hatte sich die Schau seit 1982 auf die lokalen Ereignisse konzentriert, sei es nun "die weltweit einzige museale Gesamtdarstellung der Schutzstaffel (SS) der NSDAP", wie das Museum betont.

Der Rundgang beginnt im Untergeschoss, im ehemaligen Turn- und Fechtsaal der SS, und zwar im Schlüsseljahr 1941. Im Juni treffen sich hier die Gruppenführer, die Generäle der SS, vor dem Russland- Feldzug. Die Führungselite soll auf die "Dezimierung der slawischen Rasse um 30 Millionen" eingeschworen werden. Und im September wird das örtliche Konzentrationslager zum eigenständigen Hauptlager Niederhagen "aufgewertet". Ziel: Die größenwahnsinnigen Ausbaupläne Himmlers für die Burg und seine Umgebung umsetzen.

Zuerst sollte die Wewelsburg eine SS-Schule werden, dann eine SS- Burg, das weltweite Herz der Organisation. Nie umgesetzte Baupläne zeigen eine monumentale, in einem Dreiviertelkreis angelegte Burganlage im Radius von mehreren hundert Metern. Dazu sollte kurzerhand das ganze Dorf umgesiedelt werden. Von rund 3900 KZ- Insassen, vor allem Zwangsarbeiter aus Osteuropa, Zeugen Jehovas und politische Häftlinge, starben mindestens 1285.

1933 war Himmler erstmals in Wewelsburg. Er ist begeistert von der ungewöhnlichen Form der Anfang des 17. Jahrhunderts im Stil der Weserrenaissance errichteten Burg. Sie gilt als einzige in Deutschland mit einem dreieckigen Grundriss. Zunächst lässt er aber den Putz abschlagen und den Burggraben vertiefen, damit das Gebäude "wehrhafter" aussieht.

Vorbei an dem Weinkeller der SS kommt man durch einen Stollen zum Burggraben am Fuße des Nordturms. Im Untergeschoss des ausgebrannten Turms mussten KZ-Häftlinge ein fast zehn Meter hohes Gewölbe mit einem Hakenkreuz als Mittelpunkt bauen, die Gruft. In der Mitte des Bodens ist eine Vertiefung, zu der ein Gasrohr führte. "Über den Zweck kann man nur spekulieren", sagt John-Stucke. Möglicherweise sollten hier im Krieg gestorbene SS-Männer feierlich verbrannt werden. Im direkt darüberliegenden Obergruppenführersaal ist ein Bodenornament verlegt. Es ist in der rechten Szene unter dem Namen "Schwarze Sonne" zu einem Erkennungszeichen und Ersatz für das verbotene Hakenkreuz geworden.

John-Stucke ist sich der Gratwanderung dieser Ausstellung an diesem Ort bewusst. "Wir sind keine SS-Gedenkstätte", unterstreicht sie energisch. "Es ist ein Täterort, der gleichzeitig ein Opferort ist."

Auf unerwünschte Besucher aus der rechten Szene, die die Wewelsburg zu einem Wallfahrtsort machen wollten, sei das Museum eingestellt, sagt John-Stucke. In allen Räumen wurden Kameras installiert. "Wenn sich ein rechtsgerichteter Besucher outet, wird er des Hauses verwiesen. Aber man kann den Menschen nicht in den Kopf sehen."

Matthias Benirschke, DPA DPA

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